Chemnitzer Turnerin Emma Malewski: Nervenstark zum Sensationssieg

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Riesengroße Überraschung bei der Turn-EM in München. Nicht die mitfavorisierte Pauline Schäfer-Betz sondern ihre erst 18 Jahre alte Chemnitzer Teamgefährtin Emma Malewski holt am Schwebebalken Gold.

München .

Überglücklich, aber fassungslos. Anders lässt sich der emotionale Schwebezustand von Emma Malewski kaum beschreiben. Keine dicken Freudentränen, keine lauten Jubelschreie, einfach nur Fassungslosigkeit spiegelte sich in den strahlenden Augen der 18-Jährigen wider, als sie am Sonntag in der Münchner Olympiahalle ganz oben auf dem Siegerpodest stand. Fast andächtig lauschte die Chemnitzerin der deutschen Nationalhymne, die für die Sensations-Europameisterin am Schwebebalken erklang. Gefragt nach ihrer Gefühlslage, sagte sie wenig später: "Es ist unbeschreiblich. Ich kann es nicht fassen, genauso wie gestern, das kann ich auch noch nicht fassen. Ich muss jetzt erst mal relaxen und diese Woche hinter mich bringen."

Gold am Schwebebalken, Bronze mit der Mannschaft. Das ist die Ausbeute von Emma Malewski, mit der sie vorher nie und nimmer gerechnet hatte. Zusammen mit der Stuttgarterin Kim Bui (33), die ihre Karriere nach der EM beendet, Elisabeth Seitz (Stuttgart), Sarah Voss (Köln) und der Chemnitzerin Pauline Schäfer-Betz, hatte sie am Sonnabend Platz drei im Team erkämpft und die Halle zum Kochen gebracht. Es war die erste Mehrkampfmedaille für eine deutsche Frauenriege bei einem internationalen Ereignis. Nur Italien und Großbritannien waren besser.

Elisabeth Seitz setzte am Sonntag mit ihrem Sieg am Stufenbarren das nächste Highlight vor 9000 begeisterten Zuschauern - und dann kam Emma Malewski wie Kai aus der Kiste. Als Dritte musste die gebürtige Hamburgerin, die für den TuS Chemnitz-Altendorf startet, an das von vielen gefürchtete Gerät. Doch die junge Athletin, die nach eigenen Worten "nicht eine Stunde still sitzen kann", zeigte auf dem zehn Zentimeter breiten Balken eine starke Leistung, die richtige Balance und Nerven wie Drahtseile.

"Wenn der Rondat-Spreizsalto beim Aufgang gelingt, hast du schon mal ein gutes Gefühl. Dann hast du das schwerste Element hinter dir und musst nur noch durchkommen", erklärte Emma Malewski. Die Schülerin, die seit 2017 in Chemnitz lebt und trainiert, kam bravourös durch - dann hieß es warten und zittern. "Schweißtreibend" seien diese Minuten gewesen, bis die Wertungen der Gegnerinnen auf der Anzeigetafel erschienen. Doch weder die zweitplatzierte Britin Ondine Achampongo (13,440 Punkte) noch die Französin Carolan Heduit (13,400) konnten an der Deutschen (13,466) vorbeiziehen.

Zur Konkurrenz, die hinter ihr lag, gehörte auch Pauline Schäfer-Betz. Sie hatte in den letzten Jahren am Schwebebalken die Kohlen für Deutschland aus dem Feuer geholt. Doch anders als bei Malewski ging bei der 25-jährigen Mitfavoritin der Start der Übung ein wenig schief: "Optimal lief es heute natürlich nicht. Schon in den letzten Tag war der Wurm in der Angangsreihe drin. Dann habe ich mich noch gut gefangen, aber es war halt schwierig", erklärte Pauline Schäfer-Betz.

Die elegante Turnerin belegte am Ende Platz fünf, auch weil sie von den Kampfrichtern relativ scharf bewertet wurde. Die Zuschauer quittierte die Punktzahl jedenfalls mit Pfiffen. Die erfahrene Athletin, die bei Weltmeisterschaften schon einen kompletten Medaillensatz gewannt, meinte: "Ja, für mich war die Wertung auch etwas überraschend." Nicht ganz so überraschend kam für sie der Galaauftritt ihrer Teamgefährtin. "Eine überragende Leistung. Emma hat die letzten Wochen sehr, sehr hart gearbeitet, den Sieg mehr als verdient", lobte Pauline Schäfer-Betz die neue Europameisterin.

Diese wird erst einmal die Beine hochlegen. Für eine Woche fliegt Emma Malewski, die all ihren Trainern, angefangen von der ersten Förderin Gabi Frehse bis hin zum aktuellen Heimcoach Anatol Arshukou und Bundestrainer Gerben Wiersma sowie Familien und Freunden, dankte, in den Urlaub nach Sizilien. Am Abend stand in München jedoch erst einmal eine Feier an. Dann wird die Jüngste im Team wohl wieder mehr Worte finden. Am Sonntag fehlten sie ihr ab und an: "Es sind so viele Gefühle und Emotionen - und jetzt habe ich diese Medaille. Eigentlich kann ich nicht mehr sagen." Musste Emma Malewski nicht unbedingt. Das Glück und zugleich die Fassungslosigkeit über ihren ersten großen Coup standen ihr auch bei den ersten Interviews ins Gesicht geschrieben.

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