FC Erzgebirge Aue löst Vertrag mit Cheftrainer Dirk Schuster auf

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Der Fußball-Zweitligist präsentierte sich in der Saison der 2. Fußball-Bundesliga als nervenstarker Schreck der Kellerkinder

Am Ende der Saison der 2. Fußball-Bundesliga steht für den FC Erzgebirge der zwölfte Platz und die Trennung von Trainer Dirk Schuster. Der ursprünglich bis Sommer 2022 laufende Vertrag mit dem 53-Jährigen wurde am Freitag einvernehmlich aufgelöst. Nach einem Jahr mit einigen Schatten, aber auch viel Licht beleuchtet "Freie Presse" die wichtigsten Punkte.

Wie ist die Saison des FC Erzgebirge zu bewerten?

Bei allen Disharmonien zum Schluss als eine gute. Wie im Vorjahr wurde der Klassenerhalt unter Dirk Schuster (Foto) souverän gesichert. Und das trotz aller Widrigkeiten des Coronajahres mit Quarantäne-Anordnungen, selbst erkrankten Profis, finanziellen Einschnitten und trostloser Atmosphäre in leeren Stadien.

Wer waren die wichtigsten Spieler?

Mit Florian Krüger ein hochtalentierter junger Stürmer, sonst die Routiniers: Kapitän Martin Männel, der in diesem Frühjahr zum Auer Rekordspieler wurde, die Abwehrrecken Sören Gonther, Florian Ballas und Steve Breitkreuz, das Sechser-Duo Clemens Fandrich/Philipp Riese, vorn neben Krüger Pascal Testroet als bester FCE-Torjäger und Dimitrij Nazarov. Nicht zu vergessen John-Patrick Strauß, der den Sprung zum unverzichtbaren Stammspieler geschafft hat.

Wie haben sich die Zugänge des letzten Sommers geschlagen?

Florian Ballas war in 27 von 34 Zweitligaspielen dabei, Ognjen Gnjatic in 23, Gaetan Busmann in 15. Der Bosnier verpasste die letzten Partien wegen einer Verletzung, der Franzose wurde aus ähnlichem Grund erst in der Rückrunde ein Faktor. Ben Zolinski zeigte in 28 Spielen in der Offensive seine Qualitäten, Torwart Philipp Klewin tat das bei seinem einzigen Einsatz in Karlsruhe, als er beim 0:0 den verletzten Martin Männel vertrat. Mehr erwartet hatte man von Antonio Jonjic, der im Saisonverlauf ganze 138 Minuten Einsatzzeit bekam.

Wo drückt der Schuh?

Der Kader ist mit 28 Spielern klein. Nur 16 Spieler bilden den erweiterten Stamm, der regelmäßig auf dem Platz agierte. Neun Akteure, darunter Tom Baumgart, bekamen sehr wenig Spielzeit, drei - das sind mit Kevin Harr und Jean-Marie Plath der dritte und vierte Torwart sowie der langzeitverletzte Fabian Kalig - blieben komplett ohne Einsatz. Der schmale Kader führte dazu, dass Spieler auch dann in der Startelf aufliefen, wenn sie offensichtlich gerade nicht in Bestform waren.

Wie es ist um die mentale Stärke des Teams bestellt?

Wenn man das 3:8 gegen Paderborn, als sich etliche Auer Profis tatsächlich hängen und das Spiel geschehen ließen, mal ausklammert - sehr gut. In 21 Partien schoss der Gegner das erste Tor, aus diesen Spielen holten die Veilchen noch fünf Siege und vier Unentschieden. (Nur) elfmal lagen die Auer selbst 1:0 in Front, acht dieser Partien endeten mit einem Erfolg, zwei remis, nur eine - eben die gegen Paderborn - ging noch verloren. Auffällig auch: Gegen die vier Letzten der Abschlusstabelle sammelten die Veilchen die Maximalausbeute von 24 Punkten ein, auf dem Weg zum Ligaerhalt war das schon weit mehr als die halbe Miete.

Warum kam es zur Trennung von Trainer Dirk Schuster?

Der weniger auf eigene Dominanz, sondern eher auf kompakte Defensive, Ballgewinne und schnelles Umschalten ausgerichtete Schuster-Fußball gefällt nicht jedem, ist aber den Möglichkeiten dieser Mannschaft mit trickreichen, schnellen Stürmern, aber nicht mehr ganz so flinken Verteidigern durchaus angepasst. Als in der Rückrunde die Siege rar wurden, waren vorher unterdrückte Misstöne deutlicher vernehmbar. Zu wenig sei trainiert worden, junge Spieler hätten nicht ausreichend Förderung erhalten. Das Grundproblem: Beim FCE ist der Cheftrainer ein besserer Übungsleiter, hat wenig bis keine Mitsprache bei der strategischen Planung des sportlichen Bereichs. Das macht im Erzgebirge eine kleine Gruppe um den Präsidenten. Das mag man als Auer Erfolgsmodell bezeichnen; für den Trainer, der so keine uneingeschränkte Autorität bei den Spielern genießen kann, macht es das Arbeiten schwierig. Oder es macht krank. In der offiziellen Erklärung zur Vertragsauflösung klingt das so: "Aus Sicht der Vereinsführung besteht mit Blick auf die kommende, extrem anspruchsvolle Saison die Notwendigkeit, neue sportliche Impulse zu setzen."

Wer trainiert den FCE in der kommenden Saison?

Als Kandidat hoch gehandelt wird Roland Vrabec (zuletzt bei Niederkorn in Luxemburg) - einer ohne größere Meriten, aber einer, der vielleicht gut ins Erzgebirge passt.

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