Belebendes Element im Auer Spiel, aber diesmal ohne Glück: Youngster Sean Seitz (li.), hier beim Vergeben der ersten von zwei Großchancen.
Belebendes Element im Auer Spiel, aber diesmal ohne Glück: Youngster Sean Seitz (li.), hier beim Vergeben der ersten von zwei Großchancen. Bild: Picture Point
3. Liga
FC Erzgebirge: Weshalb Sean Seitz eine unruhige Nacht hatte

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Beinahe hätte ein mutiger Schachzug Aue noch einen schmeichelhaften Sieg gebracht. Doch weil das Glück fehlte, blieb es gegen den TSV 1860 München beim 0:0. Damit rückt der Relegationsrang zunehmend außer Sichtweite.

Aue.

Kurz vor halb vier Uhr am Nachmittag entschied sich Pavel Dotchev für die volle Offensive. Drei frische Spieler schickte der Trainer des FC Erzgebirge von der Bank auf den tiefen Platz, auf dem sich bis dahin Aue und der TSV 1860 München vor allem einen harten, leidenschaftlichen Abnutzungskampf in der Dritten Liga geliefert hatten. "Der Rasen war gegen Ende etwas holpriger", analysierte Kilian Jakob, der FCE-Rechtsverteidiger, "das ist aber normal, wenn man sieht, wie körperbetont die Partie abgelaufen ist."

Nun sollte es laut Dotchev aber kein Hauen und Stechen um jeden Millimeter erzgebirgischen Fußballboden mehr geben. Um 15.24 Uhr, fand Dotchev, brauchte es endlich ein Tor.

Warum Mirnes Pepic fehlte

Seinen wichtigsten Taktgeber in der Offensive hatte der Coach schon am Vortag auf dem Trainingsplatz verloren. Mirnes Pepic, überragender Dreh- und Angelpunkt beim 2:0- Sieg über Lübeck und auch sonst in jeder einzelnen Saisonpartie von Beginn an mit der Aufgabe auf dem Platz, für Ordnung, Spielkontrolle und Zug Richtung Gästetor zu sorgen, hatte sich am Gesäßmuskel gezerrt. "Was bringt es mir", fragte sich Dotchev daher, "Mirnes mit 70 Prozent ein schlechtes Spiel machen zu lassen mit dem Ergebnis, dass er mir dann die nächsten Wochen fehlt?"

Ostderbys gegen Halle und Dynamo

Immerhin geht es dann ja nicht gegen irgendwen, sondern in den Ostderbys erst nach Halle (11. Februar), ehe Dynamo ins Erzgebirge kommt (18. Februar). Aue wünscht sich dann die nächsten Punkte - und fürs Heimspiel gegen Dresden im Besonderen auch unbescholtene Sanitäranlagen. Doch das ist Zukunftsmusik - nun galt es, mit der Schlussoffensive auch den Relegationsplatz in der Tabelle nicht außer Sichtweite zu verlieren.

"Mir war klar, dass Sechzig den hohen Aufwand nicht die volle Spielzeit über durchhalten kann", verriet Pavel Dotchev seinen Schachzug. Er wollte nun mit der Hereingabe von Sean Seitz, Steffen Meuer und Joshua Schwirten die tapfere, aber müde Münchner Defensive regelrecht überrennen.

Seitz vergibt die Großchancen

Und wirklich: Kaum auf dem Feld, gelang es zumindest dem pfeilschnellen Seitz wie schon gegen Lübeck, das Geschehen postwendend an sich zu reißen. Es fehlte ihm diesmal nur das Spielglück: Erst schickte der 21-Jährige auf Zuspiel von Marcel Bär den Ball frei vor Löwentorwart Hiller hinauf auf die Stehränge (73.), dann sprang ihm Philipp Steinhart in einem Konter derart hart in die Parade, dass Schiedsrichter Exuzidis den Gästespieler mit Rot vom Platz stellte (86.). 120 Sekunden später, dann in Überzahl, besaß Sean Seitz erneut die Chance, sich zum Helden von Bad Schlema zu machen, diesmal aber schoss er den Ball nach feiner Rückgabe von Bär neben das Tor.

"Den ersten habe ich schon im langen Eck drin gesehen, das darf man als Spieler nicht machen", ärgerte sich Sean Seitz später und sorgte sich sogar über seine Nachtruhe: "Die beiden Bretter stinken mir schon, eine ruhige Nacht werde ich nicht haben."

Seitz, verriet Pavel Dotchev väterlich, sei ein Kopfmensch. "Ihn müssen wir jetzt unterstützen, das hat er ja nicht mit Absicht gemacht." Und doch wurmte beide, dass der glückliche Siegtreffer gleich zweimal auf Seitz' Fuß lag, aber nicht fallen wollte. Es blieb damit beim 0:0.

Julian Guttau schießt an den Pfosten

Das war insgesamt gerecht - die Löwen hatten vorher mehr vom Spiel und auch die besseren Chancen besessen. Doch Julian Guttaus Versuch war nur an den Pfosten geklatscht (17.), Ouro-Tagba hatte frei vor dem Auer Tor den Ball nicht kontrolliert bekommen (37.) und Heimtorwart Martin Männel hielt einmal sehenswert gegen Lakenmachers Kopfball aus nächster Nähe (62.).

"Ich fand trotzdem, wir waren etwas näher dran an den drei Punkten", resümierte Dotchev hinterher. Seine Schlussoffensive war clever gewesen und mutig, für mehr aber fehlte an diesem Tag: das Glück.

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