Mit Herz und Hirn ins Derby

In der vergangenen Saison sahen die Fans in den sächsischen Duellen der 2. Fußball-Bundesliga zwischen Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden zahlreiche Tore. Einer, der vor seiner Derby-Premiere steht, geht davon aus, dass es morgen anders kommt.

Aue/Dresden.

Hannes Drews ist sicher, dass ihm morgen ein außergewöhnlicher Tag in seiner noch jungen Trainerkarriere bevorsteht. "Als Zuschauer war ich schon bei einer Partie der Dortmunder gegen Schalke und beim Hamburger Stadtduell zwischen dem HSV und St. Pauli dabei - als Trainer habe ich aber noch nie so eine Derby-Atmosphäre erlebt", erklärt der Coach des FC Erzgebirge vor dem sächsischen Duell in der 2. Fußball-Bundesliga gegen Dynamo Dresden.

Dem 35-Jährigen ist trotz der fehlenden Erfahrung bewusst, dass morgen (13.30 Uhr) eine besondere Partie ansteht. "Vom einigen Spieler, vom Fans am Trainingsplatz und auch von den Kollegen im Trainerteam wurde mir erzählt, dass eine besondere Stimmung in diesen Partien herrscht", sagt Drews, der vor knapp zwei Monaten die Verantwortung bei den Veilchen übernahm.
Sein Gegenüber in Dresden ist erfahrener. Uwe Neuhaus führte Dynamo schon in fünf Duelle gegen die Erzgebirger. Und diese waren ereignisreich: Es gab zwei 0:3-Pleiten für Dynamo vor heimischer Kulisse -eine davon in der vergangenen Saison -, ein 1:1, das für die Schwarz-Gelben den Triumph in der Dritten Liga bedeutete, und beim letzten Aufeinandertreffen ein 4:1 im Lößnitztal - die letzte Partie von FCE-Trainer Pavel Dotchev und der erste Dresdner Sieg nach drei Niederlagen und Unentschieden.

Lange galten die Veilchen als Angstgegner. Gegen keinen anderen Verein verlor Dresden häufiger in der 2. Bundesliga. Auch die 22 erzgebirgischen Gegentore sind Höchstwert in Dynamos Zweitliga-Historie. Aue wiederum holte gegen keine andere Mannschaft im deutschen Fußball-Unterhaus durchschnittlich mehr Punkte (1,92) als gegen den sächsischen Rivalen. "Sollte das immer noch in den Köpfen der Dynamo-Spieler drin sein, ist das positiv für uns", meint Drews auf Nachfrage. In der Landeshauptstadt erinnert man sich lieber an das 4:1 vom Februar. "Solche Momente vergisst man nicht", erzählt Dynamo-Verteidiger Jannik Müller.

Der Auer Trainer will sich aber gar nicht so sehr mit der Vergangenheit beschäftigen. Für ihn gehören die Dresdner derzeit zu den Mannschaften, die besser sind, als es die Tabelle ausdrückt. "Beim 3:1 am Montag gegen Düsseldorf waren sie gut organisiert, stark im offensiven Umschaltspiel und hatten mit Marco Hartmann den Akteur auf dem Rasen, der mit seiner Mentalität den Unterschied ausgemacht hat", analysiert Drews, der bei der 1:2-Niederlage der Dresdner in der vergangenen Woche im DDV-Stadion war. Neuhaus schickt das Lob zurück: "Aue ist stabil, besonder im defensiven Bereich sehr geordnet, diszipliniert. Es ist immer eine harte Nuss, die Auer Mannschaft auszuspielen."

Zwar gehören solche Aussagen zur üblichen Folklore vor jeder Partie. Aber es lässt sich durchaus ablesen, was die mehr als 30.000 Fans, davon 3000 FCE-Anhänger, morgen erwartet: Dynamo wird die Initiative übernehmen, die Veilchen wollen kompakt in der Defensive stehen und werden versuchen, nach vorn "Nadelstiche zu setzen", wie es Drews erläutert.

"Wir brauchen Herz und Hirn, dürfen nicht überdrehen", mahnt Neuhaus. Auch Drews erwartet keinen Hurrafußball. "Wenn man sich die letzten Partien der Teams anschaut, stellt man fest: Beide sind darauf bedacht, aus einer guten Ordnung heraus zu agieren. Stand jetzt kann ich mir nicht vorstellen, dass es verrückt wird", sagt der Norddeutsche, der unter einer Bedingung eine Neuauflage der torreichen Derby-Spektakel aus der vergangenen Saison begrüßen würde: "Wenn es für uns positiv ausgeht, bin ich auch mit einem total verrückten Spiel zufrieden."

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