Mit Wucht und Videobeweis: Baumgart beschert FCE den Sieg

Erzgebirge Aue hat in der 2. Fußball-Bundesliga den dritten Dreier dieser Saison eingefahren. Beim 1:0 gegen den VfL Osnabrück dominierten die Veilchen den ersten Durchgang und mussten am Ende doch noch einmal zittern.

Aue.

Etwa anderthalb Minuten musste Tom Baumgart bangen, bevor er sein Tor feiern durfte. "Es war eine kuriose Situation", meinte der Mittelfeldspieler des FC Erzgebirge Aue nach Abpfiff mit Blick auf sein spielentscheidendes Tor zum 1:0 (1:0)-Erfolg der Veilchen gegen den VfL Osnabrück. "Ich will jubeln - dann sehe ich, dass der Linienrichter die Fahne oben hat. Es folgten ein paar Minuten Wartezeit. Ich war umso glücklicher, als auf Tor entschieden wurde."

Baumgart nutzte am Sonntagnachmittag in der 40. Minute eine Kopfballablage von Pascal Testroet und hämmerte die Kugel aus etwa 15 Metern mit dem Vollspann in die Maschen. Osnabrücks Torhüter Philipp Kühn war chancenlos. Vorlagengeber Testroet hatte - so bewertete es zumindest das Schiedsrichtergespann zuerst - bei der Flanke knapp im Abseits gestanden. Ein Fall für den Videobeweis: Im Kölner Keller gab man sich offensichtlich große Mühe, die virtuellen Linie genau anzulegen. Auch wenn es nicht so lang dauerte, wie Baumgart es wahrnahm, die 9750 Zuschauer im Erzgebirgsstadion wurden unruhig. "Ich habe einfach nur gehofft, dass der Treffer zählt. Mehr kann man ja nicht machen. Ich habe befürchtet, dass Paco im Abseits stand und habe mich deswegen im Kopf schon darauf eingestellt, dass es nicht gegeben wird", beschrieb der 21-Jährige das Warten. Hat der Videobeweis dadurch einen neuen Fürsprecher gefunden? "Wenn es immer zu unseren Gunsten ist, dann ja", antwortete der gebürtige Freiberger grinsend.

Dank Baumgarts Hammer fuhr Dirk Schuster den ersten Sieg im ersten Heimspiel als Auer Trainer ein. "Da war alles drin: Platzverweis, Videobeweis und ein nicht gegebenes Tor, das dann doch zählt. Wir freuen uns einfach, dass nun drei Punkte mehr auf Habenseite sind", resümierte der 51-Jährige.

In der ersten Halbzeit legten seine Schützlinge einen starken Auftritt. Die Auer hatten den Aufsteiger aus Niedersachsen komplett im Griff. Nur vor dem Tor ließen die Erzgebirger die Konsequenz vermissen. "Wir waren klar die bessere Mannschaft, haben fünf, sechs Chancen herausgespielt - da ist ein Tor ein bisschen wenig", sagte Baumgart. Die dicksten Möglichkeiten vergaben Dimitrij Nazarov und Testroet, der nach zwei Einsätzen von der Bank aus wieder in der Startelf stand. Nazarov schoss aus aussichtsreicher Position am Pfosten vorbei (9.). Testroet scheiterte am auf der Linie stehenden Verteidiger Felix Agu, FCE-Routinier Jan Hochscheidt hatte zuvor VfL-Keeper Kühn bereits aus dem Rennen genommen und zum bulligen Angreifer gepasst (20.).

Nach Wiederanpfiff fehlte für Testroet erneut nicht viel: Sein Kopfball flog jedoch über die Latte (49.), und auch Hochscheidt zielte mit dem Fuß frei vor dem Torwart zu hoch (73.). Allerdings waren die Auer nicht mehr so dominant wie im ersten Durchgang. "In der zweiten Halbzeit war ein kleiner Bruch drin. Wir haben nicht mehr ins Umschaltspiel gefunden. Osnabrück hat es auch besser gemacht", analysierte Baumgart. In der 65. Minute hatten die Veilchen Glück: Osnabrücks Stürmer Marc Heider hielt das Knie in einen Distanzschuss, FCE-Torhüter Martin Männel streckte sich vergeblich, doch die Kugel segelte an den Pfosten (65.). Zehn Minuten später musste Calogero Rizzuto vom Feld. Der bereits verwarnte Linksverteidiger wollte per Grätsche einen Osnabrücker Konter unterbinden, kam zu spät und säbelte den Gegner um. Logische Folge war die Gelb-Rote Karte.

Die Niedersachsen machten zwar noch einmal Druck, die Veilchen konnten in Unterzahl kaum noch für Entlastung sorgen. "Wir haben den Sieg nach dem Platzverweis mit viel Mentalität und Leidenschaft über die Zeit gebracht", sagte Schuster und lobte seine Profis: "Wie die Mannschaft gefightet hat, wie sie mit Mann und Maus den Dreier hierbehalten hat, das nötigt mir großen Respekt ab."

Mit elf Punkten nach sechs Partien ist die Stimmung im Lößnitztal prächtig. Das gilt insbesondere für Baumgart. Der Mittelfeldspieler hatte in seiner ersten Spielzeit in Aue für seinen Geschmack zu häufig zuschauen müssen. In der noch jungen Saison kam er in allen sieben Pflichtspielen zum Einsatz, durfte fünfmal von Beginn an auflaufen und zahlte das Vertrauen mit drei Saisontreffern sowie einer Vorlage zurück. "Wir zeigen, dass wir Selbstvertrauen haben, deswegen brauchen wir uns auch in Hamburg nicht verstecken", blickte der 21-Jährige auf die Auswärtspartie am Sonntag gegen den HSV voraus. "Wir haben beim 0:0 gegen Stuttgart gezeigt, dass wir die Großen ärgern können."

Statistik Aue: Männel - Kalig, Mihojevic, Gonther, Rizzuto (75. Gelb-Rot/wiederholtes Foulspiel) - Fandrich, Riese - Baumgart, Nazarov, Hochscheidt - Testroet. Osnabrück: Kühn - Agu (71. Granatowski), Heyer (V), van Aken (V), Wolze (V/46. Ajdini) - Taffertshofer (V) - Alvarez (V), Blacha, Henning (79. Girth), Ouahim - Heider. SR.: Siewer (Olpe); Zu.: 9750; Tor: 1:0 Baumgart (40.).

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