Rauf und runter auf der Achterbahn

Am 32. Spieltag machte der FC Erzgebirge mit einem 3:1-Sieg in Regensburg den erneuten Klassenerhalt perfekt. Mit dem Gezitter war es vorbei. In zwei Monaten beginnt es von vorn.

Aue.

Der FC Erzgebirge Aue hat die Saison in der 2. Bundesliga mit 40 Punkten auf Platz 14 beendet. Mehr war möglich, weniger aber genauso. Hinter den Veilchen liegt ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Welche Faktoren dem FCE den Klassenerhalt gesichert haben und warum es trotzdem wieder eine sehr schwere Saison war, listet "Freie Presse" auf.

Startschwierigkeiten: Ein neuer Trainer war da, der nach dem erst in der Relegation gesicherten Klassenerhalt einen Umbruch im Team zu managen hatte. Vier neue und drei Probespieler standen beim Trainingsauftakt am 25. Juni in Aue auf dem Platz, eine halbe Mannschaft aus der Vorsaison, vor allem der zu Hertha BSC abgewanderte Torjäger Pascal Köpke fehlte. Der Start in die Liga misslang, nach vier Spielen stand der FCE mit einem Punkt aus dem 0:0 gegen Aufsteiger Magdeburg da. In Köln, bei Union Berlin und beim damals ebenfalls noch als Aufstiegsaspiranten gehandelten FC Ingolstadt setzte es Niederlagen.

Der Aufschwung: Der kam mit einem überzeugenden 3:1-Heimerfolg gegen den FC St. Pauli und einem 2:1-Auswärtssieg im Duisburger Dauerregen. Da war klar: Der FCE kann in dieser Liga mithalten, Daniel Meyer das Team in den Griff bekommen, mehr und mehr von seiner Fußballidee überzeugen.

Pascal Testroet: Der Stürmer hat ganz wesentlichen Anteil am Klassenerhalt. Ein Glücksfall war es, dass der FCE den gebürtigen Bocholter nach dem 1. Spieltag aus Dresden, wo er bei Trainer Uwe Neuhaus auf dem Abstellgleis gelandet war, ins Lößnitztal lotsen konnte. Nichts mit Glück zu tun haben die 15 Treffer, die der 28-Jährige im Verlauf der Saison erzielte. Testroet ist schuss- und zweikampfstark, hat oft das richtige Gespür für die Situation - Qualitäten, die er auch im harten Jahr des Sichzurückkämpfens nach seiner schweren Knieverletzung nicht verloren hatte. Bei Dynamo hatte man das nicht erkannt, in Aue schon. Testroet erhielt trotz kleinerer Formschwankungen immer das Vertrauen des Trainers, bedankte sich mit regelmäßigen Treffern. Höhepunkt war ganz gewiss sein Dreierpack beim 3:0-Heimsieg gegen Union Berlin am vierten Advent, der den Veilchen-Anhägern und vor allem Präsident Helge Leonhardt das erste Mal seit langem ruhige Weihnachten bescherte.

Rückschläge: Die gab es immer wieder. Manchmal waren sie unerklärlich - wie am siebten Spieltag, als der FCE mit der wohl schlechtesten Heimleistung der ganzen Serie 0:2 gegen den Vorletzten Sandhausen unterlag. Eine auf sieben Positionen veränderte Startelf schickte Meyer im folgenden Spiel in Paderborn auf die Wiese. Das ging komplett nach hinten los. Zur Pause lagen völlig überforderte Auer statt 0:5 aber nur 0:1 hinten. So hieß es nach Meyers Korrekturen und mehreren guten Torchancen des FCE auch am Ende. Schmerzhaft waren auch die drei aufeinanderfolgenden November-Niederlagen in Heidenheim, gegen den HSV und in Bochum, wobei der 2:1-Siegtreffer der Hausherren im Ruhrstadion erst in der dritten Minute der Nachspielzeit fiel.

Jan Hochscheidt: Nach fünf Jahren bei Eintracht Braunschweig war der Blondschopf zu Saisonbeginn an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt und spielte ein überragendes Jahr. Anfängliche Vermutungen über Konditionsprobleme beantwortete er mit Leistung. Acht Tore und fünf Vorlagen brachte der 31-Jährige auf sein Konto. Hochscheidt ist der Mann für die zündenden Ideen im Auer Offensivbetrieb, überzeugt mit Technik, Übersicht und Einsatz. In allen 34 Partien war Aues Nummer sieben im Einsatz - in jeder Hinsicht ein Vorbild.

Winterwechsel: Mit Christian Tiffert (nach Halle) und Sören Bertram (nach Darmstadt) verließen zwei verdiente, aber in Aue kaum mehr eingesetzte Profis den FCE, Luke Hemmerich wurde nach Cottbus verliehen. Schwer wog der Verlust von Innenverteidiger Nicolai Rapp, der nach starker Hinrunde zu Union Berlin wechselte. Neu kamen Louis Samson und Jan Kral für die Defensive, die Leihe von Ole Käuper von Werder Bremen erwies sich als Missverständnis. Einen Volltreffer landeten die Erzgebirger mit der Verpflichtung von Stürmer Philipp Zulechner. Der Österreicher erzielte in sieben Einsätzen vier Tore - eine Topquote.

Störfeuer: Für die sorgte vor allem die Vereinsführung; einmal mit ihrer seltsamen Öffentlichkeitsarbeit in der Causa Robin Lenk. Der Co-Trainer wurde nach Vorfällen, "die mit Fußball gar nichts zu tun haben" - so drückte sich Daniel Meyer aus - erst für krank erklärt, dann beurlaubt. Noch mehr Unruhe brachte die vom Vorstand befeuerte Debatte um eine Rückkehr von Pavel Dotchev als Sportdirektor. Das Thema ist vom Tisch: Dotchev wird Trainer bei Dittligaaufsteiger Viktoria Köln.

Die Krise: Sie kam, als der FCE nach einem 2:1-Heimsieg gegen Paderborn als Tabellenzehnter mit elf Punkten Vorsprung auf Relegationsrang 16 schon gerettet schien. Malcolm Cacutalua hatte sich verletzt, Steve Breitkreuz war noch nicht wieder fit, dem Auer Abwehrzentrum fehlte der Chef. Vier Niederlagen mit insgesamt elf Gegentoren brachten die Erzgebirger noch einmal in Bedrängnis, auch weil die Kellerkinder Ingolstadt und Sandhausen eine unglaubliche Aufholjagd starteten.

Die Erlösung: "Wir sind ruhig geblieben, haben unser Grundkonzept auch in kritischen Phasen beibehalten, nicht alles über den Haufen geworfen", nennt der Trainer den aus seiner Sicht entscheidenden Punkt für den Klassenerhalt. Das 1:1 beim HSV brachte am 30. Spieltag noch einmal Aufbruchstimmung, der folgende 3:2-Heimsieg gegen Bochum Sicherheit, der 3:1-Triumph in Regensburg die Erlösung. Helge Leonhardt sieht es ähnlich wie der Coach: "Wir haben die Ruhe bewahrt und am Trainer festgehalten. Daniel Meyer, die Spieler, der Vorstand - alle haben einen super Job gemacht."

Ausblick: "Wir können in der kommenden Saison mit einem gewachsenen Team antreten, müssen nicht wieder bei null anfangen", nährt Daniel Meyer Hoffnungen auf eine noch bessere Spielzeit 2019/20. Das stimmt freilich nur, wenn die Stützen der Mannschaft - dabei vor allem Pascal Testroet - im Sommer noch mit an Bord sind. Unverkäuflich ist für Aue niemand. Und leicht zu bekommen auch keiner.

Sommerfahrplan 17. Juni, 15 Uhr: Trainingsauftakt; 19. Juni, 18 Uhr: Testspiel bei Blau-Weiß Albernau, 21. Juni, 18 Uhr: Testspiel beim SC Syrau 1919; 22. Juni, 13.30 Uhr: Testspiel beim TSV Geyer; 26. Juni, 18.30 Uhr: Testspiel bei Lok Leipzig, 29. Juni: Testspiel geplant (Gegner offen) 7. bis 16. Juli: Trainingslager in Göhren/Rügen mit zwei geplanten Testspielen (Gegner offen); 17. Juli, 18 Uhr: Testspiel gegen Hertha BSC; 20./21. Juli: Testspiel geplant (Gegner offen) 26. bis 29. Juli: Punktspielauftakt der 2. Bundesliga

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