Tom Baumgart: "Opa hat sich über den Wechsel gefreut"

Der Jungprofi wagt bei Erzgebirge Aue den Schritt von Liga drei in die 2. Bundesliga. Sein Wechsel vom Chemnitzer FC zu den Veilchen gefiel nicht jedem. Er freut sich besonders auf ein Wiedersehen am 7. Spieltag.

Bad Leonfelden.

Tom Baumgart wusste schon, was auf ihn zukommen wird, wenn er vom Chemnitzer FC zum Lokalrivalen Erzgebirge Aue wechselt. "Es gab anfangs viele negative Kommentare, teilweise Anfeindungen. Vieles habe ich mir auch durchgelesen", erzählt der 20-Jährige. "Ich habe aber versucht, mich davon nicht beeinflussen zu lassen, und habe es dann irgendwann ignoriert, um mich auf die neue Aufgabe zu konzentrieren."

Für den in Freiberg geborenen Jungprofi hat die Rivalität der Himmelblauen und Lila-Weißen keine Rolle gespielt, als er sich dazu entschied, beim FC Erzgebirge einen Dreijahresvertrag zu unterschreiben. "Mir geht es darum, mich sportlich weiterzuentwickeln. In meinem Alter war es einfach der richtige Schritt, mich auf Zweitliganiveau zu messen", erklärt Baumgart und nennt einen weiteren Grund: "Dass ich in der Region bleiben konnte, ist ein Vorteil. Meine Familie und Freunde leben in der Nähe und nicht mehrere Autostunden weit entfernt. Ich bin froh, dass mir Aue das ermöglicht."

In seinem Umfeld erhielt er ausschließlich Unterstützung für den Wechsel zu den Veilchen. "In meiner Familie sind beim Fußball alle neutral eingestellt. Nur meine Großeltern nicht: Die sind große FCE-Fans. Besonders mein Opa hat sich extrem über den Wechsel gefreut. Er ist von Kindestagen an Aue-Anhänger", erzählt Baumgart, der die komplette Jugendabteilung des CFC durchlief und im Februar 2016 sein Debüt in der Profimannschaft gab.

55 Einsätze (10 Tore, 4 Vorlagen) in der Dritten Liga kamen seitdem dazu. Für FCE-Trainer Daniel Meyer ist das ein Grund, warum er viel von dem Jungprofi hält. "Ich hatte ihn bereits als Nachwuchsleiter beim 1. FC Köln im Fokus", sagt der neue Coach. "Er ist ein extrem, spannender Spieler. Es gibt wenige, die in seinem Alter schon knapp 60 Drittligaeinsätze hinter sich haben." Meyer setzte ihn in den Testspielen sowohl im zentralen Mittelfeld als auch auf dem Flügel im 3-5-2-System ein. "Grundsätzlich ist er eher ein Achter", meint der 38-Jährige zu der ersten Verpflichtung seiner Amtszeit. "Aber seine Flexibilität wird ihm helfen, auf Einsätze zu kommen. Das muss in der 2. Bundesliga jetzt sein erster Schritt sein." Für Baumgart, der in Chemnitz meist auf der Außenbahn auflief, sich selbst jedoch - wie Meyer - als zentralen Mittelfeldspieler sieht, ist die Position zweitrangig: " Ich bin froh, wenn ich spiele, und nehme jede Herausforderung zu hundert Prozent an."

Bisher hinterließ er in der Vorbereitung einen starken Eindruck. Dennoch ist der Konkurrenzkampf im Auer Kader auf seinen Positionen groß. Auf den Flügeln sind Calogero Rizzuto rechts und Dennis Kempe links die Platzhirsche. Im Zentrum tummeln sich mit Clemens Fandrich, Philipp Riese, Dominik Wydra, Mario Kvesic, Rückkehrer Jan Hochscheidt und Christian Tiffert -sofern sich der Routinier nicht für sein Karriereende entscheidet - eine Vielzahl etablierter Zweitligafußballer. "Die Truppe ist richtig gut", sagt Baumgart. "Ich werde mir von diesen Profis viel abschauen können und mich reinbeißen."

Dass nun ein neuer Trainer im Erzgebirge im Amt ist, spielt dem offensivstarken Rechtsfuß gleich aus mehreren Gründen in die Karten: Meyer will die Veilchen gerade auf den Flügelpositionen offensiver agieren lassen, der Trainer hat im Nachwuchs des 1. FC Köln jahrelang junge Profis geführt und setzt nach den bisherigen Eindrücken auch auf junge Akteure. Außerdem ist Meyer auch für die Alteingesessenen ein neuer Coach, den die Mehrheit der FCE-Profis genauso wie die Neuzugänge überzeugen muss.

Der Weg zum Stammspieler ist für Baumgart sicherlich weit. Am 7. Zweitliga-Spieltag würde er sich allerdings besonders über einen Einsatz freuen. Ende September empfangen die Veilchen den SV Sandhausen. Was für viele Fans wohl ein eher unattraktiver Gegner ist, bedeutet für Baumgart das Wiedersehen mit einem Freund aus den CFC-Jahren: Florian Hansch heuerte beim Auer Ligakonkurrenten an. "Wir haben sofort telefoniert, als der Spielplan herauskam", so Baumgart. "Es ist etwas Besonderes, gegen so einen guten Freund anzutreten. Hoffentlich stehen wir beide in der Startelf."

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