Basketballer können Tür zur 1. Bundesliga weit aufstoßen

Mit einem denkwürdigen Sieg im Gepäck sind die Niners nach Hamburg gefahren, wo am heutigen Dienstag das zweite Duell im Playoff-Halbfinale ansteht. Mit dabei ist ein Spieler, der eine Wunderheilung hinter sich hat.

Dieser Abend setzte Emotionen frei, wie man sie selten erlebt. Selbst einige gestandene Männer im Publikum wischten sich nach dem 87:81-Sieg der Chemnitzer Basketballer gegen die Hamburg Towers verstohlen Tränen aus dem Gesicht. Mit dem Erfolg im ersten Halbfinalspiel vor mehr als 2800 Zuschauern in der Hartmannhalle haben die Niners die Tür zur 1. Bundesliga geöffnet. Am heutigen Dienstag in Hamburg kann sie schon weit auf- gestoßen werden.

Zwei Siege fehlen jetzt noch, "um etwas Historisches zu leisten", wie es Geschäftsführer Steffen Herhold am späten Samstagabend formulierte. Gerade waren die Gesänge der Chemnitzer Fans verklungen: "Eines Tages wird's gescheh'n. Und dann fahren wir zu Alba, um die Niners spiel'n zu seh'n", lautet der neue Hit der Anhängerschaft - Vorfreude pur auf den Sprung in die höchste Spielklasse, der realistischer denn je ist.

Bis zu 150 Schlachtenbummler werden ihr Team am heutigen Dienstag zur zweiten Partie nach Hamburg begleiten. Gut möglich, dass es dort einen ähnlichen Krimi zu sehen gibt wie zum Auftakt in der "Hartmannhölle", wo der Geräuschpegel eine kaum noch erträgliche Stärke erreichte. Die Gäste ließen sich von der extrem lauten Kulisse lange Zeit jedoch nicht beeindrucken und gingen mit einem 68:58-Vorsprung ins letzte Viertel. Als die Niners knapp acht Minuten vor ultimo noch 64:74 zurücklagen, kaute mancher Besucher nervös an den Nägeln. Eine Niederlage drohte. Doch was in den letzten Minuten passierte, erschütterte die Halle in ihren Grundfesten. Mit einem spektakulären Schlussspurt drehten die Chemnitzer die Partie noch.

Es war kurz vor 21.30 Uhr, als die Hamburger Spieler mit hängenden Köpfen zum Bus schlichen. Auch Achmadschah Zazai konnte seine Enttäuschung nicht verbergen. "Wir wussten, dass Chemnitz in diesem Spiel zurückkommt. Zum Schluss haben wir kleine Fehler in der Verteidigung gemacht, die dem Gegner nicht passiert sind", sagte der 32-jährige Routinier an alter Wirkungsstätte - in der Saison 2010/11 hatte Zazai das Niners-Trikot getragen. Zugleich gab sich der Aufbauspieler kämpferisch: "Hier ist noch gar nichts entschieden. Wir müssen am Dienstag unsere Hausaufgaben erledigen", kündigte Zazai einen erneut heißen Tanz für die Chem- nitzer an.

Im zweiten Spiel wird ein US-Amerikaner im Niners-Kader stehen, der bereits am Samstagabend völlig überraschend zu einem Kurzeinsatz kam. Matt Scott hatte sich im Februar schwer am Knie verletzt, worauf der Verein sein Saisonaus verkündete. Offenbar ist bei dem 22-Jährigen aber eine Wunderheilung gelungen. "Er hatte einen Meniskus- und Knorpelschaden", berichtete der Chemnitzer Mannschaftsarzt Dr. Andreas Drahtfach auf Anfrage. Scott habe sich einer erweiterten ambulanten Physiotherapie unterzogen und ein intensives Aufbautraining bestritten. "Er ist schneller wieder fit geworden, als das zu erwarten war. Dabei kam ihm zugute, dass er noch sehr jung ist", erklärte Drahtfach, der kurz nach dem ersten Halbfinalspiel auch erst einmal durchpusten musste. "Meinen Blutdruck will ich lieber nicht messen", bemerkte der Mediziner, der längst auch ein großer Fan der Mannschaft geworden ist. "Mir gefällt vor allem, wie in diesem Team einer für den anderen kämpft", so Drahtfach.

Niners-Geschäftsführer Herhold bezeichnete seine Pulsfrequenz hingegen als "okay" und lieferte gleich die Begründung dafür. "Ich habe grenzenloses Vertrauen in diese Mannschaft", sagte Herhold. Für ihn sei klar gewesen, dass die Spieler das Blatt noch wenden. Dennoch ist sich auch Herhold bewusst, dass nichts entschieden ist. "Es kann noch viel passieren. Der Druck liegt jetzt aber bei den Hamburgern", betonte der Geschäftsführer. Er habe zu viel Arbeit, um zum zweiten Spiel in die Hansestadt mitzureisen. Die Planung fürs nächste Spieljahr verlaufe immer noch zweigleisig. "Und wenn wir aufsteigen sollten, wäre das ein Quantensprung mit noch deutlich mehr Arbeit. Dann würden wir uns im Ausnahmezustand befinden", fügte Herhold hinzu.

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