Bratwurst statt Gegurke: CFC sucht Schulterschluss mit Fans

Die Drittligafußballer haben gestern zu einem öffentlichen Training eingeladen. Während der Kapitän am Grill stand, scheuchte der Trainer die Spieler nicht wirklich über den Platz. Was für etwas Verwunderung sorgte.

Heute gilt es. Nach vier Pflichtspielniederlagen in Folge wollen die Fußballer des Chemnitzer FC wieder in die Erfolgsspur finden. Im Ostderby der Dritten Liga geht es gegen den Tabellenzweiten 1. FC Magdeburg. Um die Fans gemeinsam mit der Mannschaft auf das Spiel einzuschwören, hatte Sportvorstand Steffen Ziffert Anfang der Woche einen Appell an die Fans gerichtet. Er hoffe auf zahlreiche Unterstützung und lud zum Abschlusstraining mit Bratwurst und Glühwein ein. Die Einladung wurde auch zahlreich angenommen. Von einem gemeinsamen Einschwören auf die heutige Partie konnte aber weniger die Rede sein.

13.30 Uhr: Die ersten zwei Fans schlendern bei eisigen Temperaturen über das Trainingsgelände. Einer von ihnen ist Peter Herrmann, 70 Jahre alt, seit einer halben Ewigkeit CFC-Fan, bei jedem Heimspiel dabei. Er hofft, dass es an diesem Nachmittag auch eine Gesprächsrunde gibt, sagt er. "Ich würde gern mal wissen wollen, wie das Verhältnis von Sportvorstand Ziffert zum Trainer ist." Und dann sprudelt es aus dem Fan heraus: "Es kann doch nicht sein, dass Horst Steffen immer wieder falsch aufstellt und niemand ihm das mal sagt. Tom Scheffel als Rechtsfuß auf der Linksverteidiger-Position. Das konnte doch nicht gut gehen." Im Hintergrund meldet sich ein weiterer Fan: "Der will doch damit nur zeigen, dass die Spieler aus unserem eigenen Nachwuchs nicht gut genug sind." Irgendwie brodelt es. Nicht nur im Glühweintopf.

13.45 Uhr: Sportvorstand Steffen Ziffert und der verletzte Kapitän Marc Endres haben den Grill angeschmissen. "Wenn das heute gut läuft, mache ich einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt auf", sagt Ziffert. Endres verteilt Würste und Autogramme. Die Stimmung ist betont locker. Der neunjährige Marvin, eingehüllt in alle denkbaren CFC-Winter-Fanartikel, ist begeistert. "Die gewinnen morgen 3:0", sagt er. Peter Herrmann, der immer noch darauf wartet, ob es noch eine Gesprächsrunde geben wird, ist da anderer Meinung. "Wenn die so weiter machen, holen wir bis Weihnachten keinen Punkt mehr."

14 Uhr: Die Mannschaft kommt. Alle Spieler grüßen nett in die Runde und begeben sich auf den Trainingsplatz. Ein Tross von etwa 100 Fans folgt. Alle wollen sehen, wie der Trainer die Mannschaft auf das anstehende Spiel vorbereitet. "Eigentlich müsste er sie mal richtig anschreien", sagt Matthias Behnert, der sich selbst als Gelegenheits-Fan des CFC bezeichnet. 14.15 Uhr: Während sich die Mannschaft unter der Leitung von Co-Trainer Sreto Ristic erwärmt, lobt Cheftrainer Horst Steffen die Fan-Aktion. "Es ist gut, dass die Fans mal sehen, wie die Jungs hier arbeiten." Er hoffe auf zahlreiche und lautsarke Unterstützung im Stadion. Und erklärt, dass es in einem Abschlusstraining natürlich niemals das volle Programm gibt.

14.30 Uhr: Spielform. Elf Spieler bekommen Leibchen. Anscheinend die Startelf für den nächsten Tag. Tom Scheffel spielt hinten links. "Der lernt es nie", sagt ein älterer Fan über den Trainer. Ob er es ihm ins Gesicht sagen würde? "Heute nicht. Wir sollen doch gute Stimmung verbreiten. Heute ist Bratwurst. Das Gegurke gibt es morgen wieder."

14.50 Uhr: Die Spielform ist beendet. Ein Tor ist dabei nicht gefallen. "Da sieht man doch, wo das Problem ist", sagt Uwe Weinert, CFC-Fan seit seiner Kindheit. "Und was die jetzt machen, haben wir in der Kreisliga rumbolzen genannt." Horst Steffen nennt es freie Ballarbeit. 15 Uhr ist das Training beendet.

15.15 Uhr: Es zieht wieder Ruhe ein im Sportforum. Steffen Ziffert grillt noch, Horst Steffen redet mit ein paar Fans. "So macht man keine Mannschaft heiß", sagt ein junger Mann und geht. Ob er die Mannschaft dennoch im Stadion anfeuern will? "Natürlich", sagt er verdutzt. "Das ist unser CFC, unsere Liebe."

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