CFC-Trainer: "Auf halber Backe kommt keiner durch"

David Bergner über Stärke und Schwächen seines Kaders und seine Meinung zur Ausgliederung der Profiabteilung

Chemnitz.

Fußball-Regionalligist Chemnitzer FC geht mit 51 Zählern und zwölf Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz in die Winterpause. Ein Ruhekissen darf das für das Team von Trainer David Bergner aber keineswegs sein. Thomas Scholze sprach mit dem 45-Jährigen über eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Saison.

Freie Presse: Zu Weihnachten zwölf Punkte Vorsprung - ist das auch für Sie überraschend oder haben Sie das genau so erwartet?

David Bergner: Wer sagt, dass er das so erwartet hat, hat von dieser Liga keine Ahnung. Dass man 15 Spiele hintereinander gewinnt, ist absolut außergewöhnlich. Genauso, wie es normal ist, dass dann mal eine kleine Delle kommt. Wichtig ist, dass wir nach unserem kleinen Hänger wieder die Kurve bekommen haben. Das zeugt vom guten Charakter der Mannschaft. Wir wollen weiter sportlich vornweg marschieren, damit zeigen, dass es sich wieder lohnt, in diesen CFC zu investieren.

Das Ziel ist jetzt der Aufstieg...

Wir geben keine langfristigen Ziele aus, verfolgen immer nur kurzfristige Pläne. Das heißt, in jedem Spiel das Maximum herauszuholen. Dafür brauchen wir eine Mannschaft mit starker Mentalität; eine, die fußballerisch auch Fehler macht, die sich dann aber auch selbst reinigt. So eine Mannschaft haben wir.

Was meinen Sie mit "selbst reinigt"?

Dass jeder merkt, dass man auch im Training in der Woche richtig Gas geben muss, wenn man am Wochenende spielen will. Hier kommt niemand auf einer halben Hinterbacke durch, alle müssen sich strecken - auch wenn es nur die Regionalliga ist. Das hat sich der eine oder andere sicher anders, vielleicht einfacher vorgestellt.

Funktioniert das nur, weil nach dem Abstieg mit Daniel Frahn und Dennis Grote zwei Leitfiguren geblieben sind?

Ohne die beiden wäre es deutlich schwieriger geworden, sie geben dem ganzen Konstrukt eine gewisse Hierarchie und Halt. Sie helfen durch ihre fußballerischen Fähigkeiten, genauso durch ihre besondere Beziehung zu den Fans.

Die Niederlagen gegen Viktoria Berlin und in Bischofswerda - Folgen eines Schlendrians?

Das muss man differenziert betrachten. Gegen Viktoria haben wir im Offensivbereich keine geeigneten Lösungen gefunden, wurden dann sehr ungeduldig. Ergebnis war ein Gegentor in der 95. Minute, das nicht mehr zu reparieren ging - und ein verlorener Punkt. In Bischofswerda haben wir dann durchaus den nötigen Respekt vor dem Gegner vermissen lassen, um so ein Spiel zu gewinnen. Das Positive war, dass genau dieser erforderliche Respekt eine Woche später bei einer ähnlich schweren Aufgabe in Fürstenwalde wieder da war, deswegen haben wir dort auch gewonnen.

Ist die Konkurrenz insgesamt doch schwächer als erwartet?

Im Sommer haben mehrere Vereine das Ziel ausgegeben, ganz oben mitspielen und aufsteigen zu wollen; einige haben die komplette Struktur verändert und auf Profitum umgestellt. Die Saison zeigt auf jeden Fall, wie schwer es ist, Erfolg zu planen. Wir sind demütig genug, das nicht zu vergessen. Uns ist der gute Start sehr zugute gekommen, damit haben wir uns viel Respekt erarbeitet.

Bei den Neuverpflichtungen waren einige Volltreffer dabei, zum Beispiel Torwart Jakub Jakubov. Einfach nur ein glückliches Händchen?

Mehr als das. Gerade mit dieser Personalie haben wir uns vorher sehr intensiv befasst. Jakub hat neben seiner sportlichen Klasse genau die Mentalität, von der ich schon gesprochen habe. Er schätzt es, in diesem Stadion spielen zu dürfen, hier etwas mit aufzubauen.

Dejan Bozic, der aus Koblenz kam, führt gemeinsam mit Daniel Frahn und dem Babelsberger Tom Nattermann die Torschützenliste an. Haben Sie Angst, dass so ein Spieler im Winter schon wieder verschwinden könnte?

Die vertragliche Situation ist klar und die Jungs wissen, was sie hier haben. Aber natürlich stehen die Spieler hier auch im Schaufenster und wir können uns nicht verschließen, wenn ein Spieler für viel Geld verkauft werden könnte.

Wie funktioniert die Arbeitsteilung mit Sreto Ristic?

Wir respektieren und schätzen uns. Ich gebe die Aufstellung bekannt und muss dann dafür auch den Kopf hinhalten. Aber keiner ist der Meinung, über dem anderen zu stehen und alles besser zu wissen. Wir sind ein Team, das funktioniert. Ich kann mir keinen besseren Co-Trainer wünschen.

Es gab im Herbst immer wieder Meldungen über neue Finanzlöcher, während der Spiele im Fanblock Proteste gegen den Insolvenzverwalter und dessen Ausgliederungspläne - wie hat die Mannschaft all diese Nebengeräusche ausblenden können?

Wir pflegen einen intensiven Austausch mit Sportdirektor Thomas Sobotzik und Insolvenzverwalter Klaus Siemon - nicht nur das Trainerteam, sondern die komplette Mannschaft. Alle Spieler waren immer über alle Vorhaben informiert, keiner ist vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Alles im Zusammenhang mit der Ausgliederung der Profiabteilung ist transparent.

Sie hatten auf der Gläubigerversammlung Ende September für den Fall, dass Klaus Simon abgewählt wird, sogar mit Rücktritt gedroht. War das ernst gemeint?

Ich mache auf so einer Versammlung keine Witze. Ich bin fest davon überzeugt, dass der geplante Weg mit genau diesen Protagonisten der einzig richtige ist. Für einen anderen hätte ich nicht mehr zur Verfügung gestanden.

Wollen oder müssen Sie Ihre Mannschaft im Winter noch einmal verstärken?

Wir haben ein paar Ideen und Augen sowie Ohren offen. Wenn - wie zuletzt mit Matti Langer und Tobias Müller - wichtige Spieler verletzt fehlen, merken wir, dass der Kader in der Breite doch recht dünn besetzt ist. Andererseits sind unsere finanziellen Mittel sehr begrenzt. Aber ja: Es muss und wird ein paar Änderungen geben.

Am 10. Februar geht es für den CFC in Berlin beim BFC weiter. Fast zwei Monate Pause bis zum nächsten Spiel - ein ungewohnter Luxus?...

Darüber wird sich keiner beschweren. In dieser Hinrunde sind im privaten Bereich einige Dinge liegen geblieben, jetzt ist Zeit, sich dem zu widmen. Und viele der Jungs stammen ja auch nicht aus Chemnitz, können jetzt auch mal ein paar Tage mehr zu Hause verbringen. Alle haben einen Plan für individuelles Training mitbekommen, Anfang Januar erwarte ich eine fitte, hochmotivierte Truppe zum Laktattest zurück in Chemnitz.

Es gibt nicht wenige Menschen, die darüber den Kopf schütteln, dass sich der finanziell klamme CFC ein Wintertrainingslager in der Türkei leisten kann...

Das Trainingslager ist extern über Sponsoren finanziert, in das normale Budget hätte es nicht gepasst. Wir sind den Gönnern dankbar, dass sie uns diese Reise ermöglichen. Jeder weiß, dass die Bedingungen in Chemnitz im Winter sehr schlecht sein können. In der Türkei können wir an unserem Spiel feilen und die Sinne für die danach anstehenden Aufgaben schärfen. Und die werden noch mehr als anspruchsvoll.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Lesen Sie auch
    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...