Ein Rugbyteam und die schwierige Nachwuchssuche

Die Abteilung der Uni-Sportgemeinschaft Chemnitz hat erstmals Jugendsportler in ihren Reihen - und verfolgt ein ehrgeiziges Ziel.

Es ist eine sogenannte Vollkontakt-Sportart, bei der es zur Sache geht. Das klingt nach Schmerzen. "Doch Rugby tut nicht mehr weh als andere Sportarten wie Fußball oder Handball auch", sagt Ines Eckardt. Sie ist die Chefin von Tower Rugby Chemnitz, einer Abteilung der Universitätssportgemeinschaft (USG). Deren Trainingsdomizil befindet sich in der Friedrich-Hähnel-Straße am Stadtpark, wo sich die Aktiven in Containern umziehen. Damit hat man jedoch überhaupt kein Problem, versichert die Abteilungsleiterin. "Wir haben dort alles, was wir brauchen - Wasser, Strom, Umkleidekabinen und ein Büro", sagt Ines Eckardt. Wie vor kurzem erst geschehen, fällt allerdings der Strom ein- bis zweimal im Jahr aus. "Grund dafür sind Diebe, die Kabel klauen", berichtet die Abteilungs-Chefin. Mithilfe der Stadt sei die Strom- versorgung jedoch schnell wieder gewährleistet.

Bei der aus England stammenden Mannschaftssportart geht es darum, das eiförmige Spielgerät in das Endfeld der gegnerischen Hälfte zu transportieren. Wie überall in Deutschland ist Rugby auch in Chemnitz ein wenig beachteter Sport. Das soll sich ändern. "Wir wollen aus dem Schatten ins Licht", sagt Ines Eckardt. Ein kleiner Schritt in diese Richtung ist gemacht: Erstmals gehören Jugendliche zur USG-Abteilung. "Einer unserer Spieler hat seinen Sohn mitgebracht, die anderen sind von selbst gekommen", so Eckardt.

Die Suche nach Jugendlichen gestalte sich schwierig. Schulen seien bereits für zahlreiche andere Sportarten beliebte Anlaufpunkte. "Wir sind vor allem auf Mund- zu-Mund-Propaganda angewiesen", sagt Trainer Johannes Böhme. Er wohnt in Zwickau und kommt zweimal pro Woche zum Training nach Chemnitz. Mit dem Erwachsenenteam von Tower Rugby, das eine Spielgemeinschaft mit dem SV Horken-Kittlitz Buntspechte aus der Oberlausitz bildet, tritt er in der Mitteldeutschen 7er-Rugby-Liga an. In dieser Disziplin, die seit 2016 zum olympischen Programm gehört, stehen sich zwei Mannschaften mit jeweils sieben Akteuren gegenüber. Die Spielzeit beträgt zweimal sieben Minuten.

Der Saisonstart konnte sich sehen lassen. Nach Platz zwei beim ersten Turnier in Jena haben die Chemnitzer den darauffolgenden Wettbewerb in Leipzig gewonnen und damit die Tabellenführung erobert. "Wir peilen in dieser Saison den Titelgewinn an", erklärt Abteilungssprecher Sören Semmler. Und auch wenn erst wenige Jugendliche den Weg zum Trainingsgelände am Stadtpark gefunden haben: Die Rugby-Verantwortlichen verfolgen das ehrgeizige Ziel, eines Tages nicht mehr auf eine Spielgemeinschaft angewiesen zu sein. "Wir hoffen auf mehr Nachwuchs, um später ein eigenes Chemnitzer Team ins Rennen schicken zu können", betont Abteilungsleiterin Eckardt.

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