Himmelblaue lehnen Boykott gegen RB ab

Die Frauen-Elf des Chemnitzer FC wird morgen zum Punktspiel gegen die Leipzigerinnen antreten, auch wenn deren Start in der Landesliga heftige Proteste auslöste.

Auch René Breitfeld hat große Zweifel, ob beim Start des Frauen-Teams von RB Leipzig in der Fußball-Landesliga alles mit rechten Dingen zuging. "Trotzdem werden wir am Sonntag zum Punktspiel gegen die Leipzigerinnen antreten. Die Mädels von RB können nichts dafür", sagt Breitfeld und bereitet seine Schützlinge auf die Begegnung ab 14 Uhr im Stadion am Neubauernweg vor. Andere sächsische Vereine sehen das Thema RB Leipzig nicht so locker. Dazu zählt der Bischofswerdaer FV, der sich kurzfristig weigerte, zum Punktspiel gegen die Messestädter anzutreten.

Was war geschehen? RB Leipzig hatte vom Sächsischen Fußball-Verband (SFV) über eine Wild Card das Startrecht für die Frauen- Landesliga erhalten, musste sich nicht sportlich qualifizieren. "Zur Staffeltagung hieß es, dass die Leipziger die Saison vorrangig mit B-Juniorinnen bestreiten. Doch dann sind sie plötzlich mit einem Haufen ehemaliger Zweitliga-Spielerinnen angetreten", berichtet René Breitfeld. Die höherklassigen jungen Damen entstammen dem FFV Leipzig. Der finanziell angeschlagene Verein musste das Landesleistungszentrum Frauen- und Mädchenfußball abgeben. RB übernahm die Trägerschaft und verstärkte sich zugleich mit Spielerinnen des FFV.

Dass die Damenmannschaft der Roten Bullen nun in der Landesliga antreten darf, sorgte für mächtig Wirbel im sächsischen Frauenfußball. Der vor anderthalb Jahren gegründete 1. Frauen-Fußball-Club Chemnitz brachte seinen Unmut mit einem offenen Brief zum Ausdruck. Vorsitzender Oliver Dienelt und seine Mitstreiter werfen dem SFV eine Sonderbehandlung von RB Leipzig vor, "die uns daran zweifeln lässt, ob sich der Verband an seine eigenen hohen Vorgaben zum Thema Fairness hält", heißt es in dem Schreiben.

Der Verband habe argumentiert, dass RB nach der Übernahme des Jugendleistungszentrums den B-Juniorinnen eine sportliche Perspektive im Landesliga-Frauenteam bieten will. Doch dann hätten die Rasenballer zwölf ehemalige Zweitliga-Fußballerinnen in den Kader auf- genommen. "Da muss man schon die Frage stellen, ob der Verband bewusst die Vereine getäuscht hat oder RB bewusst den Verband getäuscht hat", schreiben die Chemnitzer in ihrem offenen Brief - und fügen hinzu: "Beides wäre nicht sehr ermutigend für den Frauen- und Mädchenfußball in Sachsen."

Der sächsische Verband verteidigt indes sein Vorgehen im Falle von Rasenballsport Leipzig. "Wie viele andere Vereine engagiert sich RB nun auch in der Spitzenförderung des Frauen- und Mädchenfußballs. Dies ist für den SFV und seine Vereine eine unheimlich positive Entwicklung, weil wir damit die Möglichkeit haben, auch im Frauen- und Mädchenfußball ein Leuchtturm der Talentförderung zu werden", sagt Nadine Rollert auf Anfrage. Die Vorsitzendes des Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball ist überzeugt, dass analog zum Männerbereich alle Vereine des Freistaates von dieser Talentförderung profitieren werden. Der SFV verfolge zudem ein Konzept der regionalen Spitzenförderung, wozu bereits mit einem Dresdner Club gesprochen worden sei. "Insofern können wir den Vorwurf der Bevorzugung eines einzelnen Vereins nur zurückweisen", so Rollert.

Am morgigen Sonntag tritt nun der CFC gegen die Leipziger Damen an. "Ich bin mir nicht sicher, ob das Spiel überhaupt gewertet oder nur als Pflichtfreundschaftsspiel eingestuft wird", sagt Trainer Breitfeld. Grund: Am Dienstag kommt es in Heidenau noch einmal zu einem Treff der Vereine mit dem Verband, bei dem das strittige Thema rund um RB behandelt wird.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...