Neues Modell: Sportvereine sollen Platzwarte selbst anstellen

Stadtsportbund nicht länger Arbeitgeber für die Rasenpfleger - Kritik von Vertretern der Sportclubs

21 Platzwarte kümmern sich um die Unterhaltung von Sportanlagen in der Stadt. Ihre Arbeitgeber sollen künftig Vereine sein. "Freie Presse" erklärt, was das für die Clubs bedeutet.

Worum geht es?

Die meisten Sportstätten - darunter nahezu alle Fußballplätze - in Chemnitz befinden sich im Eigentum der Stadt. Die Vereine betreiben diese Anlagen und halten sie mithilfe von Platzwarten in Schuss. Derzeit sind 21 Platzwarte im Einsatz - drei mehr als im vergangenen Jahr. Sie sind noch beim Stadtsportbund Chemnitz angestellt.

Was ändert sich nun?

Der Stadtsportbund beendet die Vertragsverhältnisse mit nahezu allen Platzwarten zum Ende dieses Monats. Stattdessen sollen sie ab 1. Juli von den Vereinen angestellt werden. Die Vereine würden damit zu Arbeitgebern. Ein Großteil der Clubs werde dem wohl nachkommen, sagt Stadtsportbund-Geschäftsführerin Janette Berndt.

Warum ist diese Änderung notwendig?

Aus rechtlichen Gründen, sagt Berndt. Ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen habe die bisherigen Strukturen untersucht und steuer- sowie personalrechtliche Probleme festgestellt. "Wir mussten handeln", erklärt die Geschäftsführerin.

Welche Vor- und Nachteile hat das neue System für die Vereine?

Sie sind nun Arbeitgeber, haben damit mehr Freiheiten, zum Beispiel bei der Auswahl des Personals. Auf der anderen Seite müssen sie sich aber auch um sämtliche Formalitäten wie Lohnbuchhaltung und Arbeitsschutzbelehrungen kümmern. Allerdings will ihnen der Stadtsportbund nach Aussage von Geschäftsführerin Berndt dabei unter die Arme greifen, beispielsweise bei den Lohnabrechnungen und bei der Beantragung von Fördermitteln.

Müssen die Vereine nun mehr bezahlen?

Nein. An der Finanzierung ändere sich nichts, stellt Berndt klar. Zwar werden die Platzwarte nun von den Vereinen bezahlt. Die erhalten aber die Förderung der Stadt, die bislang an den Stadtsportbund geflossen ist. Die Stadt stellt jährlich 500.000 Euro bereit. Die Vereine zahlen einen Eigenanteil - das mussten sie auch bisher schon. Dieser Betrag hatte sich zu Jahresbeginn auf 495 Euro pro Stelle und Monat erhöht, weil die Platzwarte seitdem einen Lohn erhalten, der über dem Mindestlohn liegt.

Sind nur die Platzwarte betroffen?

Nein. Das neue Modell greift auch für elf Trainer, deren Stellen von der Kommune finanziert werden, die bislang aber beim Stadtsportbund angestellt waren. Die Übungsleiter sind unter anderem in den Sportarten Kunstturnen, Eiskunstlauf, Boxen und Basketball tätig. Auch sie sollen analog zu den Platzwarten zum 1. Juli von den Vereinen übernommen werden.

Was sagen die Verantwortlichen der Vereine dazu?

Die Meinungen sind unterschiedlich. Von "Freie Presse" befragte Vereine, die nun die Trainer übernehmen, äußern keine Sorgen. Diese Clubs sind meist schon Arbeitgeber und haben deswegen eine Geschäftsstelle. Es gebe einen Mehraufwand, sagt der Geschäftsführer des LAC Chemnitz, Thomas Schönlebe. "Aber das ist machbar." Ähnlich äußert sich Hans Müller, Geschäftsführer des Kunstturnvereins. "Wir haben ein Lohnbüro. Ob dort ein Angestellter mehr oder weniger abgerechnet wird, ist egal." Kritik kommt dagegen von kleineren Vereinen. "Wir haben keine Geschäftsstelle, machen alles im Ehrenamt", sagt Kerstin Voitel, Vorsitzende von Blau-Weiß. Ihr Verein stemme gerade große Baumaßnahmen. "Wir sehen uns deswegen außerstande, derartige Verträge zu unterzeichnen." Ihr Verein setzt auf eine Verlängerung der Übernahmefrist bis Jahresende - und darauf, dass der Stadtsportbund Arbeitgeber bleibt. "Wozu brauchen wir ihn sonst?", fragt Voitel. Von erheblichen Widerstand in seinem Vorstand berichtet der Lok-Vorsitzende Dietmar Hunger. "Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen." Sein Verein werde wohl dennoch zustimmen und den Platzwart übernehmen: "Es gibt ja keine andere Lösung, wir brauchen einen Platzwart", meint er.

Wie regeln andere Städte die Beschäftigung von Platzwarten?

Das bisherige Chemnitzer Modell ist eher eine Ausnahme. In Zwickau stellt die Kommune jene Platzwarte an, die für Sportstätten im Eigentum der Stadt zuständig sind. Vereinsanlagen werden meist ehrenamtlich gepflegt. In Dresden kümmert sich die Stadt um die Unterhaltung vieler Fußballplätze. lumm

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2Kommentare
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  • 1
    0
    Zeitungss
    30.06.2019

    Geförderte Ehrenamtliche, wäre das keine Lösung ? Also sehen wo es Förderung abzugreifen gibt und den Posten ehrenamtlich zur Verfügung stellen. Echten Marktwirtschaftlern sollte doch das Verfahren keine Neuentwicklung sein. Warum immer so zimperlich ? Sollte jemand Beispiele benötigen, ich könnte liefern.

  • 4
    0
    Pixelghost
    29.06.2019

    Ich habe selbst gespielt. Ein toller und gut gepflegter Rasenplatz mach jedem Spieler Freude und steigert die Vorfreude auf das Spiel noch mal besonders.

    Und es ist nicht ganz unerheblich, dass ein richtig gepflegter Platz auch die Verletzungsgefahr mindert, denn wer mal in ein Loch gelatscht ist und sich ein Außenband gewissen hat, weiß wovon ich rede.

    Zudem sind viele Plätze einer Mehrfachbelastung ausgesetzt. Außer bei den Vereinen, bei denen nur „Die Erschte“ auf den Rasenplatz darf und die anderen müssen auf die „Schleifscheibe“.



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