René Kindermann: "Es ist immer eine Krux mit den richtigen Namen"

Der Fernsehmoderator über die Chemnitzer Sportgala, peinliche Momente und seine Tauchgänge

Am 4. Mai findet die Chemmy-Verleihung an die Chemnitzer Sportler des Jahres 2018 statt. Bei der Gala führt zum dritten Mal René Kindermann durchs Programm. Mit dem 43-Jährigen, der unter anderem die ARD-Sportschau moderiert, sprach Mario Schmidt.

Freie Presse: Was fällt Ihnen beim Stichwort "Chemnitzer Sport" zuallererst ein?

René Kindermann: Schönlebe, Carlowitz, Hübner - diese drei Herren haben die Stadt in aller Welt bekannt und berühmt gemacht. Ich habe Fingernägel knaupelnd vor dem Fernseher gesessen, als die Jungs ihre Bestzeiten ablieferten. Heute zählen alle drei zu meinem engen Bekanntenkreis, und das macht mich wirklich sehr stolz. Ich mag Menschen, die ihrer Stadt etwas zurückgeben möchten. Und das tun alle drei mit der Organisation dieser großartigen Sportgala.

Ein Aushängeschild der hiesigen Sportszene war stets der CFC. Wie haben Sie die Insolvenz und den Neonaziskandal im Stadion wahrgenommen und glauben Sie, dass der Club seine schwere Krise überwindet?

Ich hoffe, dass der CFC mit dem Aufstieg in die Dritte Liga nun wieder sportlich von sich reden macht, und freue mich darauf, diesen Weg weiter begleiten zu dürfen für den MDR und die ARD.

Den Basketballern der Niners Chemnitz könnte der Sprung in die Erste Liga gelingen. Was würde der Aufstieg des Teams für die Stadt bewirken?

Erstliga-Basketball in Chemnitz wäre der absolute Hammer. Ich habe vor vier Jahren einen Sponsorenabend der Niners moderiert, wo das Konzept noch einmal vorgestellt und das Ziel 1. Bundesliga klar formuliert wurde. Damals klang das alles wie ein schöner Traum - heute ist es fast Realität. Das freut mich wirklich sehr, weil ich weiß, wie viel Herzblut und Zeit die Beteiligten in die Mannschaft gesteckt haben. Und für die Stadt heißt es, dass man sichtbar wird neben Mannschaften wie Bayern München, Alba Berlin oder Bamberg. Ich drücke die Daumen!

Zur Sportgala wählen die Leser unserer Zeitung den "Sportler des Herzens", der nicht nur durch Leistung, sondern durch sympathisches Auftreten überzeugt. Was halten Sie davon?

Ich finde die Rubrik absolut klasse, weil es um Menschen geht, die nicht im Rampenlicht der großen Weltmeisterschaften stehen, sondern tagtäglich mit großem Engagement ihre Arbeit im Verein verrichten. Tolle Rubrik. Und ich freue mich schon sehr auf die Auszeichnung, weil es immer der Moment des Abends mit der größten Über- raschung ist.

Was ist für Sie anspruchsvoller: Eine TV-Moderation im Studio oder das Moderieren einer Gala vor Publikum?

Die Gala-Moderation ist immer etwas Besonderes, weil das Publikum direkt reagiert und auch Einfluss nimmt auf den Verlauf des Abends. Im Studio senden wir Pläne ab und transportieren Emotionen nach dem geplanten Ablauf. Die Überraschungen, auf die man als Moderator spontan reagieren muss, die passieren auf den Gala-Bühnen - und genau das liebe ich.

Gab es Momente in Ihrem Berufsleben, in denen Sie am liebsten im Erdboden versunken wären?

Es ist immer eine Krux mit den richtigen Namen. Es ist mir auch schon passiert, dass ich einen Fußballer, der sein Trikot getauscht hatte, falsch angesprochen habe. In dem Moment öffnet sich der Rasen unter dir und du möchtest verschwinden. Ein anderes Beispiel: In einem Interview bei der Verleihung des Musikpreises "Echo" mit Depeche Mode hatte ich echte Verständnisprobleme. Es war so laut hinter der Bühne, sodass ich ständig nachfragen musste, was die Jungs gesagt haben. Als ich fertig war und rausging, sagte Frontmann Dave Gahan zu seinem Bandkollegen Martin Gore: "Die hätten echt einen schicken können, der ein bisschen Englisch versteht..." Und das passierte mir, der in den USA auf der High School war und grundsätzlich sehr gut Englisch spricht. Der Tag war gelaufen.

In Ihrer Freizeit gehen Sie gern tauchen. Was war Ihr bisher spektakulärster Tauchgang und wie tief sind Sie schon getaucht?

Ich habe mal einen Tauchgang auf Bonair/ABC-Inseln erlebt, wo ich mit einem Mantarochen mit einer Spannweite von gut vier Metern getaucht bin. Der war so neugierig und blieb bei mir für reichlich zehn Minuten, bevor er sich wieder ins weite Blau verabschiedete. Grundsätzlich ist Tauchen wirklich eine große Leidenschaft von mir. Ich habe mittlerweile über 200 Tauchgänge absolviert und bin immer wieder von der Ruhe und dem agilen Leben unter Wasser begeistert.


René Kindermann

Der 43-Jährige wurde in Bautzen geboren und wuchs in der Nähe von Niesky auf. Heute wohnt der zwei- fache Familienvater in Dresden. René Kindermann war früher selbst als Sportler aktiv: Zehn Jahre lang trainierte er Leichtathletik, zuletzt als Mehrkämpfer. Seine journalistische Laufbahn begann der 1,93 Meter große Sachse bei Tageszeitungen und später beim Privatradio. 1998 kam Kindermann zum MDR-Radio, arbeitete dort als Redakteur, Moderator und Nachrichtensprecher. Seit 2001 ist er im MDR-Fernsehen zu sehen, unter anderem in den Sendungen "Sport im Osten" und "MDR um 4". 2005 wurde Kindermann Mitglied des Moderatorenteams der ARD-Sportschau. (ms)

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