Weltmeister - ein Supergefühl

Gewichtheber Hendrik Wetzel aus Chemnitz hat bei den Titelkämpfen der Masters triumphiert. Mit Blick in die Zukunft ist er im Zwiespalt.

Von der WM-Bühne zur Sachsenmeisterschaft: Hendrik Wetzel, der bei den Gewichtheber-Titelkämpfen der Masters in Barcelona Gold gewann, bestreitet bereits heute in Plauen wieder einen Wettkampf. Dieser dient ihm als Test vor dem Saisonstart der Bundesliga mit seinem Chemnitzer Athletenclub (CAC). Bereits am nächsten Sonnabend findet das erste Duell gegen Eibau, das vorgezogen wurde, statt.

"Ich hebe immer gern vor dem heimischen Publikum, freue mich darauf. Aber danach werde ich erst einmal runterfahren und eine Pause einlegen", berichtet Hendrik Wetzel. Denn über den Sommer hinweg hatte er sich mit Unterstützung von Coach Peter Hruby auf sein Top- ereignis intensiv vorbereitet. "Manches Mal fiel es mir bei den Temperaturen echt schwer zu trainieren. Aber es hat sich gelohnt. Der Titel ist ein Supererfolg für mich", wertet der 36-Jährige, der als Niederlassungsleiter eines Farbengroßhandels tätig ist und sich erst in den Abendstunden dem Eisen widmen kann.

Die WM selbst verlief für ihn mit etwas ungewöhnlichen Begleiterscheinungen. Da die Veranstalter in wenigen Tagen Wettkämpfe für über 800 Teilnehmer stemmen mussten, wurden die Entscheidungen auf zwei Bohlen - eine war die originale von Olympia 1992 - gleichzeitig nebeneinander ausgetragen. In der Altersklasse des Chemnitzers (AK 1 bis 85 Kilogramm) gab es allein 30 Konkurrenten. "Es entstanden so sehr lange Wartezeiten, in denen es nicht einfach war, die Konzentration hochzuhalten. Als ich dann endlich dran war, ging es ziemlich stressig zu", schildert Hendrik Wetzel. Aufgrund seines Leistungsvermögens griff er erst ins Geschehen ein, als es nur noch mit dem US-Amerikaner Wilson Fleming zu einem Duell kam.

Aber dieses hatte es in sich. In seiner Paradedisziplin Reißen blieb er bei seiner Anfangslast von 137 kg hängen, musste zwei ungültige Versuche in Kauf nehmen. "Ich wollte eigentlich mit 142 kg einen Weltrekord aufstellen, der auch nach dem Training drin war. Aber dann habe ich zweimal technisch schlecht gearbeitet, wollte wohl zu viel. Ich war richtig sauer auf mich", erzählt Hendrik Wetzel, der so nur 3 kg Vorsprung besaß. Umso spannender verlief das Stoßen, bei dem er jedoch mit drei gültigen Auftritten und 164 kg vorlegen konnte. Als Fleming später an den notwendigen 168 kg scheiterte, war der grandiose Erfolg perfekt. Mit Ehefrau Katrin, Töchterchen Mia (5) und seiner Mutter konnte er erst am nächsten Tag ein wenig feiern, da er bis in den späten Abend vier Stunden bei der Dopingkontrolle verbrachte.

Damit verteidigte Hendrik Wetzel zudem seinen Titel von den World Games 2017 in Neuseeland. Wegen dieses besonders reizvollen Ereignisses begann er 2015 wieder mit dem regelmäßigen Training, nachdem er 2013 schon einmal seine Laufbahn beendet hatte. Mit Blick in die Zukunft befindet er sich dabei im Zwiespalt. "Zum einen ist mir mein Familienleben sehr wichtig, andererseits liebe ich meinen Sport. Es fällt gerade schwer, beides zu vereinbaren", sagt der Routinier, der zunächst noch eine Bundesligasaison plant. Bei den Masters ist die WM 2019 in Montreal aus Kostengründen kein Thema, Ziele wären da eher die EM in Finnland sowie die WM 2020 in Obrigheim.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...