Auch mit 70 noch Benzin im Blut

Zu DDR-Zeiten war Walter Lerche mit seinem "K-Wagen" regelmäßig vorn dabei. Der Lugauer hält die Erinnerung an die alten Boliden hoch - und sorgt dafür, dass sie immer noch fahren.

Lugau.

Überzeugungsarbeit hat Walter Lerche gerade in seinem engsten Umfeld anfangs ordentlich leisten müssen. "Meiner Frau", sagt er, "hat mein Hobby gar nicht gepasst. Aber ich habe mich durchgesetzt. Und inzwischen hat sie sich dran gewöhnt."

Denn der 70 Jahre alte Lugauer hat Benzin im Blut, wie der Volksmund sagt. Sein Herz schlägt für den Kartsport. Keine modernen, hochtechnisierten Gokarts, sondern die alten DDR-Flitzer, die "K-Wagen" hießen. Alles Oldtimer inzwischen, die "im Keller sterben würden, wenn man sie nicht wieder auf die Piste bringt". Lerche tut genau das. Wegen der Sicherheitsbestimmungen allerdings nicht in Deutschland, sondern in Tschechien. Erst kürzlich trafen sich in Eger 27 Kartfahrer aus mehreren Bundesländern und dem Nachbarland, um ohne Leistungsdruck ihre Runden zu drehen. "Das sind keine Wettkämpfe im eigentlichen Sinne. Am Ende erhält sogar jeder einen Pokal", sagt Lerche, der die jährlichen Treffen organisiert. Allerdings nicht allein. Ohne zahlreiche Helfer und Sponsoren sei dies nicht möglich, betont er.

Anfang der 1960er-Jahre erreichte der in den USA entstandene Kartsport Deutschland, zunächst die Bundesrepublik, dann die DDR. Immer schon motorsportaffin, kam Walter Lerche etwa Mitte der 1970er-Jahre in Kontakt mit der Szene - zunächst war er allerdings Schrauber für einen Fahrer aus Oelsnitz. Als dieser dann 1979 aufhörte, setzte sich der damals 30-Jährige selbst hinters Steuer. Ein komplett neues Kart konnte er sich allerdings nicht leisten. "Das hätte zwei Monatslöhne verschlungen." Also kaufte er sich lediglich einen Rahmen und baute, technisch versiert, den Rest selbst - den 15-PS-Motor beispielsweise übernahm er von einem Motorrad. Ab 1981 nahm er an der DDR-Meisterschaft teil. Acht Rennen pro Saison, von denen die meisten im Süden über die Bühne gingen - in Chemnitz, Aue, Zwickau oder Freiberg. "Das waren alles öffentlichen Straßen, die für die Rennen gesperrt wurden. Es gab nur eine reine Kartbahn in Lohsa in der Oberlausitz, die für internationale Wettkämpfe genutzt wurde", so Lerche. Podestplätze erzielte er dabei mehrere - doch ganz oben stand er nie. "Vielleicht", so sagt er, "habe ich einfach auch nicht das Letzte gegeben". Nach der Wende war dann zunächst Funkstille, bevor für die alten Boliden die "Cart Classic Trophy" entstand. Lerche, damals schon Anfang 50, fuhr auch in dieser Serie jahrelang mit.

Inzwischen allerdings nicht mehr. Trotzdem steigt er noch immer gern in sein Kart, wenn sich die Gelegenheit bietet - in diesem Jahr zum Beispiel beim Zschopauer Classic für historische Renn- und Sportfahrzeuge. Oder eben in Eger - sofern es ihm als Organisator die Zeit erlaubt. Ans Aufhören denkt er auch mit 70 nicht. Lerche ist gut in Form, hat sich in all den Jahren nie ernsthaft verletzt - obwohl vor allem Handgelenke und Unterarme starken Belastungen ausgesetzt seien. Auch sein Kart - 1,55 Meter lang, 1,15 Meter breit, 79 Kilogramm schwer -, mit dem auf langen Geraden bis zu 140 Kilometer pro Stunde möglich sind, ist noch immer gut in Schuss. Die Kosten, die er über die Jahrzehnte hinweg in Reparaturen stecken musste, hätten sich in Grenzen gehalten. Besonders gern erinnert sich Walter Lerche an die Begegnung mit einem der ganz Großen des Motorsports. Beim Goldpokal in Wackersdorf in der Oberpfalz kam er vor zehn Jahren mit Michael Schumacher ins Gespräch - der seine Wurzeln ebenfalls im Kartsport hat. "Er war total locker.", so der Lugauer. Er wisse noch, dass "Schumi" die Fahrzeugabstimmungen nicht allein seinem Team überlassen habe. "Der hat selbst an seinem Kart rumgeschraubt. "Das", so Lerche, "fand ich sehr sympathisch".

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