Den Weg in Übersee gefunden

Skilangläuferin Julia Richter hat ihrer Heimat einen Besuch abgestattet. Der nächste Abstecher soll für die USA-Studentin sportliche Gründe haben.

Sayda.

Sie hat ihre Familienmitglieder gesehen, ihre Schwester Merle in Oberstdorf besucht und sich mit Freunden im Erzgebirge über alte Zeiten unterhalten. Für die Saydaer Skilangläuferin Julia Richter waren die vergangenen Wochen in der Heimat richtig wohltuend. "Es hat gut getan, mal abzuschalten und viele bekannte Gesichter wiederzusehen", sagt die 21-Jährige, die im vergangenen Jahr mit einem Stipendium in der Tasche an die Universität in den US-Bundesstaat Utah gegangen war. "Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte."

Mit der Sommerleistungskontrolle in Bad Blankenburg im Harz endete für sie jüngst der Deutschland-Aufenthalt. Bei den drei geforderten Disziplinen (Lauftest über 3Kilometer auf der Bahn, Crosslauf über 4,8 km und ein Rollski-Lauf über 14,4 km in der freien Technik) landete sie immer unter den zehn Besten. "Ich habe hier ja auch nicht nur die Beine hochgelegt, sondern vor allem im Ausdauerbereich gearbeitet", sagt die Skiläuferin. Der Plan für Künftiges führt sie wieder durch viele Länder. Vor einigen Wochen war sie bereits beim Rollski-Weltcup in Peking dabei, dann trainierte sie mit befreundeten Kommilitonen aus dem Skiteam von Utah im norwegischen Hemsedal. In den USA beginnt dann das zweite Jahr ihres Studiums (Internationale Beziehungen), das, im Gegensatz zum deutschen System, nicht in zwei, sondern in drei jährliche Semester aufgeteilt ist. "Ich habe in Deutschland etwas fürs Studium getan und zwei Online-Kurse belegt." Der Weg, den Julia Richter im vorigen Jahr eingeschlagen hat, ist ein ungewöhnlicher.

Denn durch die "Auswanderung" verlor sie ihre Sportförderung in Deutschland. Ein Jahr arbeitete sie noch beim Zoll, wollte sich aber verändern. "Nach sieben Jahren am Stützpunkt in Oberwiesenthal hatte ich nicht mehr das Gefühl, mich sportlich noch weiter entwickeln zu können. Für mich war es Zeit für eine Luftveränderung. Und ich wollte neben dem Sport auch etwas anderes machen."

Der Schritt erwies sich für sie als Glücksgriff. "In Utah sind das Studium und der Sport viel besser aufeinander abgestimmt." Ein gewöhnlicher Tag beginnt für die Saydaerin 7.30 Uhr mit der ersten Trainingseinheit, am Vormittag geht es dann zum Studium. "Es folgen Mittag, Hausaufgaben, weitere Kurse und abends wieder Training. Der große Vorteil ist, dass ich im Prinzip den ganzen Tag auf dem Campus bin." Bis dahin hat sie es nicht weit. "Ich wohne mit drei anderen Sportlerinnen in einem kleinen Apartment. Mit dem Fahrrad sind es 10 Minuten bis zur Universität." Nicht viel länger ist es bis in die Berge, die praktisch vor der Haustür auf sie warten.

Mit dem Skiteam der Universität von Utah hat sie im März auch ihren bisher größten Erfolg gefeiert. Die Saydaerin gewann bei den nordamerikanischen Universitätsmeisterschaften das Freistilrennen über fünf Kilometer und wurde Zweite über 15 Kilometer im klassischen Stil. "Ich glaube schon, dass ich mich in diesem einen Jahr auch entwickelt habe", sagt sie. "Der Mannschaftsgeist bei uns ist einfach genial." Trotz ihres ganz eigenen Wegs mit dem Studium in den USA ist die Tür beim Deutschen Skiverband nicht geschlossen. "Ich hatte in Oberstdorf ein Gespräch mit Bundestrainer Peter Schlickenrieder und wir haben einige Möglichkeiten erörtert", sagt Richter. Die Saydaerin wird zu Weihnachten wieder nach Europa kommen und an zwei Rennen im Continental-Cup teilnehmen. Weiteres Ziel: der Start bei der U23-Junioren-WM 2020 in O'thal.

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