Ein Kampfsport mit Hand und Fuß

Die Taekwondo-Abteilung des Zwönitzer HSV wird am Wochenende 25 Jahre alt. Nachwuchsprobleme hat der Verein nicht, der demnächst eine Premiere erleben könnte.

Zwönitz.

Die Probleme, unter denen andere Vereine mitunter leiden, kennt Jörg Schwarz nicht. Ganz im Gegenteil. "Wir können den Ansturm kaum noch bewältigen, stoßen an unsere Kapazitätsgrenzen", sagt der Vorsitzende der Taekwondo-Abteilung des Zwönitzer HSV. Die Sparte umfasst 120 Kampfsportler aller Altersklassen, die in drei verschiedenen Hallen - zwei in Zwönitz, eine in Dorfchemnitz - trainieren. Für mehr fehle es an Trainern und Betreuern.

Als Tim Schnabel im Jahr 1993 wieder einmal mit dem Auto von Zwönitz nach Aue fuhr, war daran noch nicht zu denken. Jeden zweiten Tag fuhr der damals 18-Jährige die Strecke, um bei der SG Nickelhütte Aue seiner Leidenschaft Taekwondo nachzugehen. Irgendwann reichte ihm die Fahrerei. "Ich hatte mich nach Hallenzeiten in Zwönitz erkundigt. Da hieß es, das gehe nur als Verein", so Schnabel. Gesagt, getan. Bei Klaus Dittmann, dem damaligen Vereinschef des Zwönitzer HSV, rannte er mit seinem Ansinnen offene Türen ein. "Er hat sofort zugestimmt, nachdem ich ihm meine Idee einer neuen Abteilung vorgetragen hatte." Schon bald nach der Gründung hatte er rund 30 Sportler beisammen. Von diesen sind acht noch immer aktiv.

Arm an Episoden waren die vergangenen 25 Jahre nicht. "In Leipzig sind wir einmal von der Polizei zu einem Wettkampf eskortiert worden, weil wir uns hoffnungslos verfahren hatten", erinnert sich der 44-Jährige. Und vor einem Wettkampf im württembergischen Sindelfingen habe eine Sportlerin plötzlich bemerkt, dass sie ihren Personalausweis daheim vergessen hatte. "Also bin ich mitten in der Nacht quer durch Deutschland gefahren, um ihn zu holen. Fünf Minuten vor der Kontrolle war ich da".

Als Trainer sei ihm wichtig, die aus Korea stammende Kampfsportart seinen Schülern möglichst umfassend zu vermitteln. Dazu gehörten nicht nur die verschiedenen Hand- und vor allem Fußtechniken, sondern unter anderem auch Grundbegriffe der koreanischen Sprache. "Taekwondo ist neben einer Sportart zugleich auch eine Lebenshaltung." Abteilungsleiter Jörg Schwarz pflichtet ihm bei. "Bei vielen wandeln sich die Motive, warum sie Taekwondo machen, im Laufe der Zeit", sagt er. Statt um Selbstverteidigung gehe es dann primär um eine Stärkung des Selbstbewusstseins oder einfach darum, in Form zu bleiben. Wichtig ist dem Abteilungsleiter zudem der Gemeinschaftsgedanke. Man sei eine große Familie und unternehme auch abseits von Training und Wettkämpfen oftmals etwas - wie Wanderungen oder Weihnachtsfeiern. Immer mal wieder würden auch ehemalige Athleten Lebenszeichen senden - aus allen Teilen des Erdballs, so Schwarz. Mitunter liegt die Taekwondo-Begeisterung auch tatsächlich in der Familie. So wie bei Stephan Lerch, dem stellvertretenden Abteilungsleiter, dessen Tochter Claudia als Trainerin aktiv ist. Enkelin Celine hingegen zählt zu den größten Talenten des Vereins. Die 14-Jährige, die seit ihrem fünften Lebensjahr auf der Matte steht, bereitet sich derzeit auf die Deutschen Meisterschaften vor, die in knapp sechs Wochen in Magdeburg ausgetragen werden. Selbst wenn keine Wettkämpfe anstehen, trainiert sie in der Regel an sechs Tagen pro Woche. "Celine ist in Sachen Training äußerst diszipliniert, was sich dann eben auch auszahlt", sagt Tim Schnabel, der neben Taekwondo mit Hapkido eine weitere koreanische Kampfsportart lehrt. Falls die 14-Jährige an der Elbe mindestens Zweite wird, dann winke sogar eine Aufnahme in den Bundeskader. "Das hatten wir noch nie, es wäre deshalb eine tolle Sache", so der Coach.

Das 25-jährige Bestehen feiert der Verein am kommenden Samstag im Sportkomplex Niederzwönitz in zwei Teilen. Am Vormittag steht ein - allerdings interner - Breitensportlehrgang auf dem Programm. Abends ab 18 Uhr fällt der Startschuss für eine von den Vereinsmitgliedern gestaltete, öffentliche Kampfkunstgala.

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