Landesligist verlangt Regionalligist alles ab

Die große Sensation ist gestern im Achtelfinale des Wettbewerbs um den Sachsenpokal im Fußball zwischen dem FC Lößnitz und dem Chemnitzer FC zwar ausgeblieben. Aber die 3450 Zuschauer im Erzgebirgsstadion sahen eine packende Partie.

Aue.

Ein Traumpass von Philip Hauck und ein schöner Heber von Karsten Werneke haben die ins Auer Erzgebirgsstadion verlegte Sachsenpokal-Achtelfinalpartie gestern endgültig zu einem echten Heimspiel für den FC Lößnitz werden lassen. Das Tor zum 2:2 gegen Regionalliga-Spitzenreiter Chemnitzer FC brachte die dem krassen Außenseiter und Fußball-Landesligisten zugeneigten Fans unter den immerhin 3450 Zuschauern im Lößnitztal sogar dazu, "Chemnitz ist kaputt" anzustimmen. Und obwohl die Lößnitzer dem haushohen Favoriten letztlich noch 2:4 (1:2) unterlagen, wurden sie nach dem Schlusspfiff gefeiert.

Völlig zurecht, bot die gesamte Lößnitzer Mannschaft doch eine tolle Leistung - und dem Publikum dadurch einen kaum für möglich gehaltenen Pokalkrimi. Dabei zerplatzte die Hoffnung der Gastgeber, hinten möglichst lange die Null zu halten, bereits nach 8. Minuten, als Tobias Müller mit dem ersten rich- tigen Torschuss den CFC in Führung brachte. "Da dachten wir kurz, wir kriegen sechs Stück", blickte Karsten Werneke zurück, der zu einem der Hauptdarsteller werden sollte.

Nachdem zunächst der starke Lößnitzer Keeper Robin Köpsel einen höheren Rückstand verhindert hatte, patzte auf der Gegenseite CFC-Torhüter Florian Sowade und konnte Werneke dann nur noch foulen (18.). Der Schiedsrichter gab Elfmeter und Rot, nahm die rote Karte, aber wieder zurück. Beim Strafstoß blieb es, und der Gefoulte trat selbst an. "Ich habe kurz überlegt, ob der Torwart mich vielleicht studiert hat, weil ich zuletzt erst einen Elfer geschossen hatte, aber halt genau in die andere Ecke, und auf die hat er wohl auch spekuliert", erklärte der 28-Jährige, der sicher verwandelte und ein ständiger Unruheherd blieb, wie es FCL-Trainer René Klingbeil später formulierte.

So kam Werneke in der 36. Minute am Strafraum an den Ball, verpasste indes das Abspiel auf deutlich besser postierte Nebenleute. Im Gegenzug traf Müller per Kopf zum 2:1 für die Chemnitzer. In der zweiten Hälfte verbuchte Werneke - auch dank seiner ebenfalls unermüdlich ackernden Teamkollegen - weitere gute Möglichkeiten, scheiterte zum Beispiel in der 57. Minute freistehend an Sowade. Umso größer war der Jubel, als Werneke nach gut einer Stunde dann doch den erneuten Ausgleich erzielte. Den Ärger über versiebte Chancen schüttele er einfach so schnell ab, wie es geht, sagte der Angreifer. "Sonst kommt die nächste Aktion vielleicht nicht. Da habe ich die Situation gerochen."

Insgesamt gehe dieses Spiel in die Vereinsgeschichte ein. Schon weil die Atmosphäre im Erzgebirgssta- dion absolute Sahne gewesen sei. "Und wir haben rund 70 Minuten lang voll mitgehalten. Dann war allerdings auch die bessere Fitness der Chemnitzer zu spüren." So habe sich sein Team dann jeweils per Tempogegenstoß noch die beiden Tore von Daniel Frahn (72./92.) eingefangen. Vor allem das 2:3 ärgerte die Lößnitzer allerdings sehr, weil ein Handspiel eines Chemnitzers vorausging. "Trotzdem haben wir das Ganze genossen, und ich denke, der eine oder andere vom CFC war überrascht, dass wir so gut mitgehalten haben."

Stolz auf ihre Mannschaft waren Trainer René Klingbeil und Teammanager René Zimmermann. Vor allem, wie seine Schützlinge zweimal den Rückstand wegsteckten, habe ihn beeindruckt, sagte Klingbeil. "Eine super Energieleistung." Dass fast 3500 Zuschauer kamen und in guter Atmosphäre ein echtes Pokalspiel mit vielen Höhepunkten sahen, machte den Nachmittag für Zimmermann rund. Auch wenn der FCL natürlich gerne noch länger an der Sensation geschnuppert hätte.

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1Kommentare
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  • 1
    0
    mathausmike
    01.11.2018

    Herr Riedel,
    bei aller Euphorie für die Erzgebirger, haben Sie vergessen zu erwähnen,dass von den 3400 Zuschauern, etwa 2000 aus
    Chemnitz waren!

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