Nach "Reparaturtraining" gibt's den nächsten Weltmeister-Titel

Fast unzählige Titel hat Andrea Eskau gewonnen. Die Behindertensportlerin gilt als Ausnahmeerscheinung im deutschen Sport. Auch wegen ihres Trainers aus Sehma.

Sehma.

Handbike, Skilanglauf, Biathlon - Andrea Eskau hat überall bereits gewonnen. Jetzt wieder. Im italienischen Maniago sicherte sich die 47-Jährige vom USC Magdeburg nach Silber im Zeitfahren die Goldmedaille im Straßenrennen. Ein Grund für die im Winter und im Sommer erfolgreiche Athleten ist im Erzgebirge zu finden, in Sehma. Er heißt Werner Nauber.

Denn obwohl sich Andrea Eskaus Rollstuhl mittlerweile unter der Last des gewonnenen Edelmatalls biegen würde, hat sie immer wieder die Bronzeplakette der Paralympics von Vancouver als ihren größten Erfolg genannt. Denn mit Schnee hatte sie vorher nie zu tun. "Aber Werner hat mir alles im Wintersport beigebracht und mich in nur einem Jahr in die Weltspitze geführt", sagte sie damals. "2010 hat nur er an mich geglaubt", so die aus Thüringen stammende Athletin, die seit einem Radunfall 1998 querschnittsgelähmt ist.

Der Sehmaer war auch jetzt wieder beteiligt. Zwar ist er mit seiner und mit der Familie Eskau gewissermaßen als Schlachtenbummler nach Italien gereist, doch er ist und bleibt eben auch Trainer. Das war er 2009, als er Andrea Eskau das Skilaufen beibrachte, und das ist er heute noch - im zarten Alter von 77 Jahren. Genau diese Erfahrung macht es. "Denn bisschen Reparaturtraining musste schon sein. Beim Zeitfahren hat es noch nicht bis vorn gereicht, da fehlte eine ganze Minute zu Gold. Aber im Spurt des Straßenrennens war Andrea dann wieder die Beste, wenn auch knapp", erklärt der Sehmaer.

Die aus Apolda stammende Sportlerin war zuvor satt. "Durch zu viel Training hatte sie schon einmal einen großen Fehler gemacht, diesmal hätte es ebenso schiefgehen können. Deshalb mussten wir umschwenken", erklärt der Routinier, der an vielen der 15 olympischen Medaillen von Andrea Eskau seinen Anteil hat. Also verordnete er zunächst Pause, um zwölf Tage vor der WM nahe der slowenischen Grenze wieder anzusetzen. "Das hat offenbar gereicht, zumal Andrea mit einer taktischen Meisterleistung die der Niederländerin Laura de Vaan auf der Ziellinie niederrang", sah sich Werner Nauber in seiner Arbeit bestätigt.

Südlich von Udine gab es dann nach den Erfolgen noch ein paar besonders schöne Stunden für die Schlachtenbummler der erfolgreichen Diplompsychologin, für die Athletin sowieso. Bezugsperson wird der Erzgebirger bleiben. Denn, so lässt sich Andrea Eskau zitieren: "Werner hat schon Potenzial in mir gesehen, als noch gar keines war." Und: "Werner schreibt die besten Trainingspläne der Welt", betonte einst die zwölfmalige Paralympics-Siegerin Verena Bentele. Kein Grund für den Altmeister zum Ausruhen: "Am 27. August steigen wir in der Schweiz, in Lenzerheide, in die Vorbereitung auf die Wintersaison ein."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Lesen Sie auch
    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...