Skiverein packt spannendes Projekt an

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Interessante neue Wege beschreitet der SSV Geyer. Demnächst sind die Wintersportler aus dem Greifenbachtal nicht mehr nur Kaderschmiede, sondern auch Quartiervermieter.

Geyer.

Das 100. Jahr in der Geschichte des Skisportvereins Geyer sollte anders verlaufen - nicht mit Schutzmasken, ausfallenden Wettkämpfen und einer Hygieneregel nach der anderen. Und dennoch kann Präsident Jens Anders der Situation sogar etwas Gutes abgewinnen. "Wir haben Zeit, unseren Gebäudekomplex in Schuss zu bringen", sagt der 49-Jährige.

Das "unser" ist dabei neu, denn der Verein hat das Areal übernommen. Dazu gehört eine ganze Menge mehr als die fünf Schanzen. Doch der Stadtrat, der dem Pachtvertrag zwischen Kommune und Verein zugestimmt hat, traut den Leuten um den Präsidenten offensichtlich noch einige Aufgaben zusätzlich zu. Kein Wunder, haben doch die Geyerschen oft bewiesen, dass sie zu den Besten gehören - zumindest im Nordischen Skisport. Nicht nur, dass Eric Frenzel und Terence Weber erst vor wenigen Wochen in Oberstdorf Weltmeisterschaftssilber gemeinsam mit der deutschen Mannschaft gewannen, auch die Jungs hinter den beiden aktuellen Aushängeschildern geben Anlass zu Optimismus. Beispielsweise trainieren mit Pepe Schula und Erik Stephan zwei Talente des SSV Geyer am Oberwiesenthaler Stützpunkt, die im nationalen Maßstab zur Spitze gehören. Letzterer wurde in der vergangenen, wenn auch kurzen Saison, Gesamtsieger des Deutschen Schülercups.

"Weil es so läuft wie es läuft, haben wir Visionen", sagt Anders. "Denn wir sind im Kreis so etwas wie die letzte Bastion, zumindest in der Nachwuchsausbildung für die Nordische Kombination." Andere Vereine, etwa der WSV Johanngeorgenstadt, stechen wiederum durch emsige und häufige Wettkampforganisation heraus.

Vieles zu verknüpfen, das gehört zu den Visionen des SSV Geyer. "Wir wollen ein echtes Trainingszentrum werden", so Anders, der das Areal im Greifenbachtal als Ganzes betrachtet. Joachim Starke, der bislang die Schanzenbaude bewirtschaftete, soll sich komplett auf seine Aufgaben als Regionaltrainer konzentrieren. "Beides zusammen geht nicht", lautete zuvor die Erkenntnis des Vorstands. Nun wird die Schanzenbaude zu einem wirklichen Vereinsheim und als Lokal nicht mehr regelmäßig geöffnet sein. Das sei auch nicht nötig, denn in starken Phasen wie am Männertag und zu Pfingsten, wenn im Normalfall hunderte Wanderer das idyllische Fleckchen ansteuern, um ein Bierchen und eine Bratwurst zu kaufen, erwirtschafte der SSV die Betriebskosten für ein ganzes Jahr. "Damit decken wir die Aufwendungen für Kunstschnee, Strom, Beleuchtung, Wasser ...", erklärt Anders. Die Abgeschiedenheit des Geländes und die Kombination aus Trainings- und Übernachtungsmöglichkeiten sieht er als Pfund für die Zukunft.

Deswegen wird investiert. In der Baude fallen Wände, wird die Küche verlegt, der Tresen eliminiert. Zum Glück, so Anders, hat der Verein Mitglieder, die nahezu alle Gewerke abdecken. "Trotzdem kostet alles einige Tausend Euro. Als Anschubfinanzierung gibt es das Gelände pachtfrei, andererseits nehmen wir aktuell auch nichts ein", so der Präsident.

Ansonsten gehört zum Konzept die Einfachheit. "Etwa, dass wir pro Person eine Tagespauschale verlangen und nicht ständig Personal vor Ort sein muss. Unsere Gäste können ihre Unterkünfte samt Küche und anderen Nebengelassen autark nutzen. Das ist für uns am praktischsten", sagt Anders. Einen Ansprechpartner brauchen die Teilzeitmieter dennoch, es wird Silvio Bartl sein. Er weist sie dann ein in die Wohnmöglichkeiten für etwa 25 Leute, darunter viele Zimmer mit Dusche und WC. Auch sonst ist der Verein gerüstet - mit Grillpavillon, Turnhalle, Sportplatz, Wachs- und Umkleidehütte, Werkstatt, Garage, Lager ...

Das Jubiläum zum 100. Jahr der Vereinsgeschichte allerdings wird warten müssen. "Wir verschieben die diesbezüglichen Aktivitäten wohl ins Jahr 2022", so Jens Anders. Er möchte einen Termin finden, an dem viele der rund 250 Vereinsmitglieder zum Feiern kommen können. "Vor allem aber unsere Langläufer, Skispringer und Kombinierer."

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