Violette Herzen schlagen überall

Seit mehr als 15 Jahren fiebert eine Familie aus dem Schwarzwald mit dem FC Erzgebirge Aue mit. Und das keineswegs nur aus der Ferne.

Aue.

Das letzte Heimspiel des FC Erzgebirge Aue wollten sich Uwe Teichmann (53) und seine Frau Anja (50) sowie die beiden Söhne Joshua (24) und Kai (15) nicht entgehen lassen. Dafür nahm die fußballverrückte Familie sogar eine 520 Kilometer lange Anreise in Kauf. Denn die Teichmanns stammen aus Renchen im Schwarzwald, zwischen Offenburg und Karlsruhe, gelegen. Dass es Aue gibt, wussten sie bis 1991 gar nicht. Doch dann lernten sie in Ägypten eine Familie aus der Erzgebirgsstadt kennen. "Mit Fußball hatte das aber noch gar nichts zu tun", erinnert sich Uwe Teichmann. Es sei eine typische Urlaubsbekanntschaft gewesen, zu der man aber bis heute Kontakt halte. "Damit war Aue zunächst als Stadt in unserem Kopf", sagt Teichmann.

Da beide Söhne aber irgendwann den Weg zum Fußball fanden und selbst aktiv und erfolgreich spielen, brach sich die Begeisterung unweigerlich ihren Weg. "Unser Sohn wollte unbedingt mal ein Spiel sehen. Bei uns haben wir Freiburg und Karlsruhe", so der Vater. In der Saison 2004/2005 war es dann soweit. "Wir haben uns Karten für das Spiel des KSC gegen Aue besorgt, saßen im Auer Fanblock", erinnert sich das Familienoberhaupt. Aue habe das Spiel 1:0 gewonnen und als sie an der Tankstelle Fans der Veilchen trafen und Aue-Rufe ertönten, stimmten die Teichmanns einfach mit ein. "Damit waren wir infiziert", sagt Uwe Teichmann. Immer häufiger fuhren die Schwarzwälder mit dem lilaweißen Herzen zu Spielen. Bis zu sechsmal im Jahr erlebten sie die Heimspiele des FCE. "Jetzt sind wir drei bis fünfmal im Jahr im Erzgebirge mit dabei. Übernachten meist in einer Pension in Affalter. Hinzukommen die Auswärtsspiele der "Veilchen" in der Nähe von Renchen. "Stuttgart, Sandhausen, Karlsruhe und Darmstadt", zählt Teichmann auf. Längst hat er auch ein Sky-Abo, damit er die Spiele, die er nicht im Stadion erleben kann, nicht verpasst. Die Menschen im Erzgebirge seien sehr freundlich und aufgeschlossen. Wenn die Erzgebirger den Dialekt der Teichmanns hören, seien sind hellauf begeistert. "Da hören wir nur Positives. Sie freuen sich, dass wir Fans der Veilchen sind." So habe man auch Konrad Hilbert aus Oelsnitz kennengelernt. Mit ihm gehe man gern zu den Heimspielen.

Der bisherige Saisonverlauf, so sagt es Uwe Teichmann, war so nicht zu erwarten. Es sei eine Zeit zum Genießen. "Dass ich Aue-Fan bin, wissen ja alle und da werde ich auch schon mal gehänselt. Oft gilt Aue ja leider als Absteiger", so der Schwarzwälder. Momentan sind die kleinen, nicht bös gemeinten Frotzeleien verstummt. "Zurzeit sagt keiner etwas." Und doch möchte er gemeinsam mit seiner Familie auf dem Boden bleiben. "Es geht immer noch nur um den Klassenerhalt", so der Fußballfan: "Auch wenn Dirk Schuster eine super Arbeit leistet und mit Darmstadt schon einmal die erste Liga erreicht hat."

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