Vorsitzender des Fußball-Kreisverbandes: "Ein guter Fußballer war ich nie"

Ein Leben ohne den Sport kann sich Jörg Prager, der gerade 60 wurde, nicht vorstellen. Dabei liegen die Stärken des Vorsitzenden des Fußball-Kreisverbands nicht auf dem Platz.

Aue.

Mit der Verschnaufpause in der zweiten Reihe ist es nichts geworden. Jörg Prager lacht, als er davon erzählt. "Ich fühle mich zum Glück ja auch noch nicht so alt, wie ich bin", schickt er schmunzelnd hinterher. Vor wenigen Tagen feierte er 60. Geburtstag. Fast genauso lang begleitet den Auer das Thema Fußball. Nicht nur nebenbei, sondern in beachtlicher Intensität.

30 Jahre war Prager Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, erst in Aue-Schwarzenberg und nach der Fusion der vier Altkreise im Kreisverband Erzgebirge. "Nach drei Jahrzehnten kündigte ich meinen Rücktritt an, um die Jugend ranzulassen." Damals liebäugelte er mit dem Posten des stellvertretenden Verbandsvorsitzenden, in besagter zweiter Reihe. Doch daraus wurde nichts. Wegen gesundheitlicher Probleme kandidierte der bisherige Chef Klaus Müller nicht mehr. Plötzlich war Prager als Nachfolger gesetzt. Die Wahl besiegelte es. Im Rückblick bereut der dreifache Familienvater den Schritt an die Verbandsspitze nicht. "Die Verantwortung ist eine größere als vorher. Aber ich habe ein tolles Team hinter mir, das hervorragende Arbeit leistet", sagt Prager und nennt als Beispiel den hauptamtlichen Geschäftsführer Jens Breidel: "Er macht einen super Job."

Ballkontakt hatte Prager erstmals als Zwölfjähriger in der Schülermannschaft von Auerhammer. "Aber ein guter Fußballer war ich nie", gesteht er. Im Juniorenbereich erhielt er kaum Einsatzzeit. "Das war nicht schön." Sein Trainer lenkte ihn deshalb in die Schiedsrichterspur. Mit 15 pfiff er sein erstes Spiel - und blickt nun auf 45 Jahre als Referee zurück. "Heute bin ich noch als Linienrichter und Beobachter aktiv." Ähnlich früh begann seine Funktionärstätigkeit. "Mit 18 wurde ich Schriftführer im Kreisverband Aue und war Ansetzer, ehe ich für 30 Jahre den Schiedsrichterausschuss leitete." Weil er spät den Bund fürs Leben schloss, wusste seine Frau, auf was sie sich einlässt, sagt Prager. "Sie hielt mir immer den Rücken frei." Entgegen kam ihm auch sein Beruf. "Lehrer haben vormittags Recht und nachmittags frei", sagt der Leiter der Grundschule Aue-Zelle und lacht. "Aber im Ernst: Mit manch anderem Job hätte ich mich kaum so intensiv für den Fußball einsetzen können."

Den Kreisverband Erzgebirge mit knapp 100 Vereinen sieht er gut aufgestellt. Als drittstärkste Kraft in Sachsen - nach Dresden und Leipzig - sei Zuversicht angebracht. Die so wichtige Nachwuchsarbeit und das Gewinnen von Schiedsrichtern werde gefördert, etwa mit Geldprämien. "Da wir zuletzt gut gewirtschaftet haben, stehen wir finanziell gut da." Zudem bestärke der FC Erzgebirge das Fluidum Fußball in der Region zusätzlich. "Auch Corona überstehen wir", ist sich Prager sicher, der mit Blick auf die Pandemie wie üblich klare Worte findet. "Manche Maßnahme wie das weitreichende Sportverbot schießt über das Ziel hinaus." Fußballplätze seien keine Infektionsherde. "Aber wir müssen damit umgehen. Das wird uns bis ins Frühjahr hinein beschäftigen."

Vier Säulen tragen das Leben des Jubilars: Familie, Glaube, Beruf und Fußball. "In der Bibel lese ich sehr viel. Und wir gehen mit dem Hund spazieren." Sonst bleibe keine Zeit für Hobbys. Die Briefmarkenalben von früher ruhen im Schrank. Fußballerisch schlägt Pragers Herz "natürlich lila-weiß". Auch mit RB Leipzig als Sachsens Bundesliga-Trumpf und Union Berlin als Traditionsclub des Ostens fühle er sich verbunden und verfolgt den Weg von Mönchengladbach. "Mein bester Freund, der in der Region am Niederrhein lebt, ist großer Fan der Borussen."

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