"Wir stehen quasi unter Dauerdruck"

Handball, 2. Bundesliga: EHV-Trainer Stephan Swat sieht sein Team vor einer schweren Saison - Für Klassenerhalt bleiben vier Duelle weniger

Aue.

Die vielleicht schwerste Saison seit langer Zeit liegt vor Handball-Zweitligist EHV Aue. Nach dem Weggang von Torgarant und Spielführer Eric Meinhardt muss sich das Team neu finden. Vier Abgängen stehen drei Neue gegenüber. Am kommenden Wochenende bildet das DHB-Pokal-Turnier zuhause die Generalprobe für den Saisonstart in einer Woche in Dormagen. Über Vorbereitung, Ziele und Veränderungen sprach Reporterin Anna Neef mit Aues Cheftrainer Stephan Swat.

Freie Presse: Wenn Sie den Stand der Vorbereitung zum jetzigen Zeitpunkt mit der Lage vor genau einem Jahr vergleichen - wie fällt ihr Fazit aus, Herr Swat?

Stephan Swat: Wir befinden uns in einer grundlegend anderen Situation - sowohl ich als auch Mannschaft und Verein. Wir sind anders aufgestellt. Das Gesicht des Teams hat sich verändert. Eric Meinhardt war die prägende Figur. Nun ist er weg. Und es gilt, neue Strukturen zu bilden. Das funktioniert nicht von heute auf morgen und ist allein deshalb eines unserer wichtigsten Ziele.

Inwiefern spielt das in die Vorbereitungsphase hinein?

Maßgeblich. Wir müssen dafür sorgen, dass ein Rädchen in das andere greift. Die Vorbereitungsspiele haben wir genutzt, um Erkenntnisse zu sammeln und unsere alte Spiellinie, die mir zuletzt sehr gut gefiel, noch zu verbessern. Dabei rücken junge Spieler wie Nico Schneider nach. Im linken Rückraum haben wir damit vier etatmäßige Akteure. Davon verspreche ich mir zugunsten des ganzen Teams einen großen Kampf, wenn ihn alle annehmen.

Sie sind erstmals Vollzeit-Trainer und können Ihren Job im Landratsamt für diese Saison aussetzen. Was bedeutet das für Sie?

Das gibt mir ein sehr gutes Gefühl. So ist für mich in erster Linie ein viel strukturierteres Arbeiten möglich als bisher. Ich kann viel häufiger beim Team sein, es engmaschig begleiten und betreuen. Es gibt keine leidigen Nachtschichten mehr. Das schätze ich sehr. Als Vollzeit-Trainer arbeite ich intensiver und individueller mit und an der Mannschaft, auch mit einzelnen Spielern - etwa mit Blick auf die Video-Auswertung, die viel Zeit kostet. Es soll zudem helfen, die Lücke, die Eric hinterlassen hat, besser schließen zu können. Wir müssen dazu noch akribischer arbeiten als jemals zuvor. Für mich persönlich sind es sieben Tage Handball pro Woche - wie schon vorher. Nur dass mein Arbeitstag nicht in Annaberg, sondern in Lößnitz beginnt. Es ist bedeutet also vor allem mehr Hallenzeit für mich.

Entwickeln sich die drei Neuen erwartungsgemäß? Wer ist die vielleicht größte Verstärkung?

Adrian Kammlodt und Gabriel de Santis kennen die zweite Liga. Das ist gut. Sie kommen aus Dresden und haben sich rasch integriert. Wir wollen mit ihrer Hilfe die Torgefahr aus dem Rückraum heraus erhöhen und unsere spielerische Linie weiter verinnerlichen. Das dürfte aufgrund der Erfahrungen, die beide auf dem Profi-Parkett durchaus schon haben, gut gelingen. Julius Schroeder dagegen wird hoffentlich schnell wieder richtig fit, nachdem er sich im ersten Training bei uns einen Bänderriss im Fuß zugezogen hat. Das ist bitter. Er muss genesen und sich dann Spielanteile erkämpfen. Für ihn gilt es, hinter Benas Petreikis Betrieb zu machen, von ihm zu lernen und sich seinen Platz zu erstreiten.

Inwieweit ist es in der Mannschaft ein Thema, dass Routinier Eric Meinhardt fehlt?

Das spielt in die Vorbereitung mit rein. Eric war ja aber auch keine Ein-Mann-Show. Immer stand das Team hinter ihm - in Form von Mannschaftsrat und weiteren Führungsspielern. Wir müssen jetzt herausfinden, wer sich als Leitfigur hervortut und anbietet. Es wird ein neuer Mannschaftsrat gebildet und ein neuer Kapitän gewählt. Eventuell auch zwei Kapitäne. Das muss sich im Trainingslager in Warnemünde entscheiden. Ich warte ab, wie sich das entwickelt.

Roch, Töpfer, Schneider, Naumann, Ebert & Co. - es sind viele Eigengewächse, die die Mannschaft prägen. Was erwarten Sie von ihnen?

Sie sollen nicht mehr nur dabei sein, sondern mittendrin mitmischen. Das ist eine ganz wichtige Aufgabe, wenn sie das Auer Handball-Gesicht nach außen vertreten und Identifikationsfiguren werden wollen. Das ist ein weiter Weg, aber ganz entscheidend für die Basis und die Verankerung in der Region. Zugleich sollen unsere Eigengewächse im Profibereich den Nachwuchskader anspornen und den Jugendlichen zeigen, wie hart und schwer, aber auch wie schön Zweitliga-Handball sein kann.

Nach fünf Absteigern zählt die Liga nicht mehr 20, sondern nun nur noch 18 Teams. Was bedeutet das für den EHV Aue?

Es heißt, dass acht Punkte weniger zu holen sind. Mit nur 18 Teams verdichtet sich das Feld noch mehr. Vor allem für uns kann das ein Problem werden. Um Platz 15 zu sichern und damit den Klassenerhalt zu erreichen, haben wir jetzt schlichtweg vier Partien weniger Zeit. Aufsteiger Eisenach hat sich mit Vollprofis verstärkt. Konstanz bringt Zweitliga-Erfahrung mit. Da kommt richtig was auf uns zu. Bei den Erstliga-Absteigern Bietigheim und Gummersbach sprechen die Namen für sich. Es bleibt nicht viel Platz für Fehler. Ich denke, zwei Drittel der Teams duellieren sich im Abstiegskampf, während ein Drittel den Aufstieg unter sich ausmacht.

Das Juniorteam in die mitteldeutsche Oberliga, die A-Jugend in die Bundesliga: Der Nachwuchs feierte zuletzt Aufstiege. Ein gutes Signal?

Auf jeden Fall. Gerade in diesen Altersgruppen ist es wichtig, hochklassig zu spielen. Keinem nützt es, immer haushoch gegen chancenlose Gegner zu gewinnen. Das bringt nichts. Mit Niederlagen umgehen und wieder aufstehen - das will gelernt sein. Genau wie der Umgang mit Drucksituationen, wie sie für unsere Männer üblich sind. Negativerlebnisse verarbeiten zu können, ist das Rüstzeug, um in unserer Ersten zu bestehen. Denn wir stehen quasi unter Dauerdruck. Es gibt fast nur enge Spiele - daran ändert sich nichts. Mit Blick auf vorige Saison waren es zu 50 Prozent Unentschieden oder Niederlagen mit minus eins. Selbst Spiele, die wir mit zwei, drei Toren gewonnen haben, waren oft bis fünf Minuten vor Schluss offen und entsprechend umkämpft.


Spielplan des EHV Aue für die Zweitliga-Saison 2019/2020

Heimpartien:

01.09. Aue - Coburg17.00

13.09. Aue - Bietigheim19.00

28.09.Aue - Gummersbach17.00

12.10. Aue - Dresden17.00

02.11. Aue - Eisenach 17.00

16.11 Aue - Hamburg17.00

29.11. Aue - Essen 19.00

21.12. Aue - N-Lübbecke 17.00

27.12. Aue - Dormagen 19.00

08.02. Aue - Ferndorf 17.00

23.02. Aue - Krefeld 17.00

06.03. Aue - Konstanz 19.00

21.03.Aue - Hüttenberg 17.00

03.04. Aue - Hamm-Westf. 19.00

26.04. Aue - Lübeck-Schwar.17.00

08.05. Aue - Rimpar 19.00

16.05. Aue - Emsdetten 18.00

Auswärtspartien: 24.08. Dormagen - Aue 19.30

07.09. Ferndorf - Aue19.30

21.09. Krefeld - Aue19.00

05.10. Konstanz - Aue20.00

19.10. Hüttenberg - Aue19.30

09.11. Hamm-Westf. - Aue 19.15

21.11. Lübeck-Schwar. - Aue19.30

06.12. Rimpar - Aue20.00

15.12. Emsdetten - Aue17.00

01.02. Coburg - Aue19.30

14.02. Bietigheim - Aue19.30

28.02. Gummersbach - Aue19.30

15.03. Dresden- Aue 17.00

28.03. Eisenach - Aue19.30

12.04. Hamburg - Aue17.00

03.05. Essen - Aue17.00

23.05. N-Lübbecke - Aue18.00

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...