Nach Rassismus-Vorwurf: Sportgericht ermittelt gegen VfB Auerbach

Das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußball-Verbands (NOFV) hat Verfahren gegen zwei Spieler der B-Junioren des VfB Auerbach und den Verein eingeleitet. Im Ergebnis der mündlichen Verhandlung gehe das Sportgericht davon aus, dass Berliner Spieler während der Partie von Auerbacher Spielern rassistisch beleidigt worden seien, teilte der Verband mit, obgleich das Verfahren und damit die Ermittlung der Vorwürfe erst noch aussteht. Im Dezember waren die Spieler der U16 von Hertha BSC in Auerbach vom Feld gegangen, nachdem sie angeblich von Auerbachern rassistisch beleidigt worden seien.

Trotzdem spricht das Gericht den Sachsen drei Punkte für das abgebrochene U17-Regionalliga-Spiel zu. "Das Verlassen des Spielfeldes durch die Berliner Mannschaft stellt sich nach Bewertung des Sportgerichts zwar als nachvollziehbar, nicht aber als gerechtfertigt dar", teilte der NOFV mit. Im Verfahren wegen des Spielabbruchs verwarnte das Sportgericht nun die Berliner und wertete das Spiel zugunsten der Auerbacher.

"Wir hätten uns im vorliegenden Fall sicherlich eine andere Entscheidung gewünscht, nichtsdestotrotz möchten wir positiv anmerken, dass den Ausführungen und Schilderungen unserer Spieler vom Sportgericht Glauben geschenkt wurde, sodass nun auch ein entsprechendes Sportgerichtsverfahren durch den NOFV zu den gesamten Vorfällen inklusive den rassistischen Beleidigungen eingeleitet wird", wird Thomas E. Herrich, Mitglied der Hertha-Geschäftsleitung und Clubanwalt, auf der Internetseite des Vereins zitiert.

Der VfB Auerbach nahm am Sonntag umfangreich Stellung zu dem Vorfall.  "Das Gericht hat eingeräumt, dass der Sachverhalt nicht ohne weiteres aufklärbar ist, gleichwohl sieht das Gericht den Rassismus-Vorwurf der Berliner als erwiesen an", wird der VfB-Vorsitzende Knut Beyse in der Pressemitteilung zitiert. Man sei "konsterniert und unglücklich", vor allem, dass der Eindruck entstanden sei, dass das Gericht offenbar bereits über Spieler geurteilt hat, ohne dass die Fußballer Verfahrensbeteiligte waren. Zudem seien Beleidigung seitens einiger Berliner Spieler vom Sportgericht "gänzlich unbeachtet" gelassen worden.
 
"Völlig unverständlich" sei außerdem, dass das Sportgericht auf die Aussagen der beiden unparteiischen Schiedsrichterassistenten verzichtet hat. Sowohl Schiedsrichter als auch Assistenten hatten laut dieser Mitteilung in schriftlichen Stellungnahmen Vorwürfe der rassistischen Beleidigung sowie fehlende Zivilcourage zurückgewiesen. "Warum den Unparteiischen weniger Glaubwürdigkeit geschenkt wird, als ihnen in dieser Rolle eigentlich zusteht, trägt dazu erheblich bei, dass die Einleitung der weiteren Verfahren und die Aussagen des Gerichts beim VfB Auerbach so nicht hinnehmbar sind", schließt die Meldung.  (masc mit dpa)


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