"Besondere Situation für uns alle"

Sebastian Poppitz vom HC Glauchau/Meerane über eine virtuelle Aufstiegsfeier und die Herausforderung Oberliga

Glauchau/Meerane.

Für die Handballer des HC Glauchau/Meerane geht es eine Etage nach oben. Sie nehmen die Möglichkeit zum Aufstieg von der Sachsenliga in die Mitteldeutsche Oberliga wahr. Darüber freut sich auch Rückraumspieler Sebastian Poppitz. Holger Frenzel sprach mit dem 26-jährigen Eigengewächs und Torgaranten.

Freie Presse: Können Sie uns bitte verraten, wie ein Aufstieg in Zeiten der Coronakrise gefeiert wird?

Sebastian Poppitz: Das ist für uns alle eine besondere und ungewohnte Situation. Es gab vor wenigen Tagen eine Videokonferenz. Da hat sich das gesamte Team - erstmals seit Mitte März - wiedergesehen und vor den Bildschirmen auf den Aufstieg angestoßen. Die Videokonferenz wurde von Tobias Piller organisiert. Wir hätten den Erfolg natürlich lieber ausgelassen gefeiert - in der Sachsenlandhalle und mit den Fans. Das fühlt sich besser an. Wichtig ist aber, dass wir uns mit dem Aufstieg für eine sehr gute Saison belohnen konnten.

Der HC hat das Geschehen in der Sachsenliga in den letzten Monaten dominiert. 16 Siege und eine Niederlage stehen in der Statistik. Welche Ursachen gibt es für die Souveränität?

Wir waren einfach konstant und haben uns fast keinen Ausrutscher erlaubt. In den wichtigen Spielen, zum Beispiel auswärts in Zwickau und in Görlitz, konnten wir mit verdienten Siegen ein wichtiges Zeichen an die Konkurrenz senden. Ein weiteres Aspekt: Wir hatten einen großen Kader, sind weitestgehend von schweren Verletzungen verschont geblieben.

Sie waren mit 103 Treffern der beste Werfer des HC Glauchau/ Meerane. Wie groß ist Ihr Anteil am Aufstieg?

Ich versuche meine Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehört, für Torgefahr zu sorgen und die Strafwürfe zu verwandeln. Handball ist ein Mannschaftssport. Da ist jeder auf seine Nebenleute angewiesen, die für das Zuspiel sorgen, eine Lücke am Kreis erkämpfen oder einen Strafwurf herausholen.

Seit Mitte März ruht der Trainings- und Spielbetrieb. Wie überbrücken Sie die handballfreie Zeit?

Mit dem Sport, der möglich ist. Ich bin oft mit dem Fahrrad unterwegs und zweimal in der Woche joggen. Zudem absolviere ich einige Übungen im Kraftbereich, vor allem mit dem eigenen Körpergewicht. Das kann allerdings den sozialen Kontakt mit den Teamkollegen, die ja auch Freunde sind, und die Anspannung an den Handball-Spieltagen auf keinen Fall kompensieren.

Hand aufs Herz: Wann werden wieder ein normales Mannschaftstraining und Punktspiele möglich sein?

Die Frage kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand beantworten. Leider, das ist nicht abzusehen. Es wäre schön, wenn die Saison 2020/21 für die Handball-Teams weitgehend normal starten könnte. Aber: Die Gesundheit geht vor, aktuell genießt der Sport verständlicherweise nicht die oberste Priorität.

Ihr Teamkollege David Kylisek kehrt - nach elf Jahren in Westsachsen - in seine tschechische Heimat zurück. Wie groß ist die Lücke, die er hinterlässt?

Riesig. Vorn und hinten. David Kylisek war der Dreh- und Angelpunkt in unserer Mannschaft - sowohl in der Abwehr als auch im Angriff. Von seiner Erfahrung konnten alle profitieren. Die Aufgaben lassen sich nicht an eine einzelne Person übertragen. Hier muss die ganze Mannschaft in die Bresche springen.

Welche Unterschiede erwarten Sie zwischen Sachsenliga und Oberliga?

In der Oberliga wird körperbetonter und schneller gespielt. Die Konkurrenz ist mit erfahrenen Leuten besetzt, die zum Teil schon höherklassig gespielt haben. Sie verlangen uns alles ab. Dazu kommt die Ausgeglichenheit der Teams. Jeder kann jeden schlagen. Das verspricht Spannung für die Zuschauer, erfordert aber auch 110 Prozent von jedem Spieler.

Künftig stehen 32 Partien in der Oberliga anstatt 22 Partien in der Sachsenliga auf dem Spielplan. Was bedeutet die Mehrbelastung für die Spieler?

Wir werden mehr Zeit investieren, der Körper wird stärker gefordert. Deshalb ist es wichtig, in der Sommerpause dafür die Grundlagen zu schaffen, damit wir fit sind und verletzungsfrei durch die Saison kommen. Der volle Spielplan ist für uns eine Chance: Wir haben eine junge Mannschaft, die in ihren Rhythmus finden muss. Das war zuletzt in der Sachsenliga durch die ständigen Pausen nicht so leicht.

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