Raus aus den High Heels und hinein in die Fußballschuhe

Im Moment ruhen die Frauen der SG Callenberg die Fußballbeine erstmal aus. Doch schon bald beginnt beim Vizemeister der 1. Kreisklasse Mittelsachsen die Vorbereitung auf die neue Saison.

Callenberg.

Sommerkleid und die Hochhackigen - warum nicht? Schließlich ist Urlaubszeit. Das Outfit endet allerdings für die Fußball-Frauen der SG Callenberg spätestens an der Rasenkante des Fußballplatzes an der Schettlermühle in Falken. Zweimal pro Woche legen die Damen des Vizemeisters der 1. Kreisklasse Mittelsachsen die Alltagsklamotten ab und steigen in die Fußballschuhe. "Einmal zum Training und am Wochenende zum Punktspiel", sagt Trainer Peter Wunderlich. Seit 2001 trainiert der 66-Jährige die Frauenmannschaft.

In diesem Jahr haben seine Damen den Vizemeistertitel auf dem Kleinfeld erkämpft. "Ich habe mich sehr darüber gefreut", sagt Wunderlich. Denn für die Callenberger lief es in der Vorrunde am Anfang nicht sonderlich gut. Mit Platz 6 unter 13Mannschaften schlüpfte das Team gerade so in die Meisterrunde der letzten Sieben. "Dann ging es bei uns spielerisch immer weiter aufwärts", sagt Wunderlich. Nur gegen den ungeschlagenen TSV 1888 Falkenau mussten die Callenberger eine Niederlage hinnehmen, dazu kam ein Unentschieden und vier Siege. Am Ende standen 20 Punkte und Platz 2 zu Buche.

Im Moment ruhen die Frauen ihre Fußballbeine erst einmal aus. Trotzdem stehen sie mit ihrem Trainer in Verbindung. Der ruft seine Schützlinge auch beim Badeurlaub an der Ostsee oder beim Wandern in Österreich an. "Wir sind ja wie eine große Familie", sagt Wunderlich, der auch von gemeinsamen Ausfahrten, Meisterschaftsfeiern und Geburtstagspartys erzählen kann. Dort sind natürlich auch die Männer der Spielerinnen eingeladen.

Es ist auch dieser Zusammenhalt im Team, der die Spielerinnen schon so viele Jahre bei der Stange hält. 17Fußballerinnen im Alter von 16 bis 50 Jahren stehen dem Trainer und seinem Co-Trainer Mathias Seifert zur Verfügung. Mit Antje Pliquet hütet eine der Erfahrensten das Tor. Zwei gehören vom ersten Tag an zum Team. Norma Kux und Cornelia Schreiter können das Kicken einfach nicht lassen. "Auch zwei ehemalige Schülerinnen von mir sind im Team", sagt Wunderlich, der bis 2012 noch als Schulleiter in Hohenstein-Ernstthal gearbeitet hat. Von der Abiturientin über die Bürokauffrau bis hin zu einer selbstständigen Händlerin ist quasi alles vertreten in der Mannschaft. Mit Anike Günther kickt auch eine in der Region bekannte Försterin in Callenberg. Sie stimmt mit Antje Pliquet überein: "Fußball ist ein guter Ausgleich zum Arbeitsalltag."

Zum ersten Mal haben die Callenbergerinnen in der mittelsächsischen Tabelle mitgemischt, konnten das Leistungsvermögen am Anfang aber nicht einschätzen. Die Vizemeisterschaft war daher ein Riesenerfolg. Über Verstärkung bei seinem Team ist Peter Wunderlich immer dankbar. Mit Lisa Hahn, Lizanne Handrick und Lilly Riese verfügt die Mannschaft im Moment über ein zuverlässiges Torschützen-Trio. "Trotzdem muss man vorbereitet sein. Junge Frauen bekommen schließlich auch mal ein Baby und fallen so länger aus."


Zu wenig Frauen-Kleinfeldteams im Kreisverband Fußball Zwickau - Callenberg fühlt sich in Mittelsachsen gut aufgehoben

Neben der SG Callenberg gehen mit dem SV Waldenburg und TuS Falke-Rußdorf seit der vergangenen Saison zwei weitere Frauenmannschaften aus dem Gebiet des Kreisverbandes Fußball Zwickau (KVFZ) in der Kreisklasse Mittelsachsen auf Torejagd. Doch warum sind diese Teams abgewandert? Der Grund ist banal: Sie spielen auf dem Kleinfeld. Die anderen Frauenmannschaften des Zwickauer Kreisverbandes sind auf dem Großfeld aktiv, erklärt Heiko Rosenbaum, der Vorsitzende für Frauen- und Mädchenfußball des KVFZ. "Der Kreisverband unterstützt den Frauenfußball immer nach Kräften. Aber drei Teams sind zu wenig für eine eigene Liga", sagt Rosenbaum.

Unter sich sind die Kleinfeldteams aus dem Zwickauer Bereich auch in den Jahren zuvor nicht gewesen. 2017/18 gab es beispielsweise eine Kreisliga der Spielunion Zwickau, Chemnitz und Erzgebirge, in der die drei Vereine starteten. Rußdorf und Callenberg bildeten dafür eine Spielgemeinschaft. Reichenbrand wechselte mit seinem Team dann aber in die Landesklasse auf dem Großfeld. Eine Fortsetzung der Spielunion-Kreisliga zur Saison 18/19 fand nicht statt.

Mit dem Umzug nach Mittelsachsen ist die SG Callenberg allerdings sehr glücklich. "Die Mannschaft fühlt sich dort sehr wohl", sagt der SG-Vorstandsvorsitzende Stefan Molch. Auch die teilweise längeren Autofahrten seien kein Problem, wie Molch erklärt. Über den Wechsel aufs Großfeld habe der Verein schon nachgedacht. Dies wäre jedoch nur innerhalb einer Spielgemeinschaft möglich. "Da lässt sich aber immer schwer abzeichnen, wie das funktioniert", sagt Molch. Die letzte Entscheidung in diesen Fragen habe immer die Mannschaft selbst, erklärt der Vereinsvorsitzende: "Und unsere Frauen wollten lieber ein eigenständiges Team bleiben." (ewer)

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