Zwickauer Überstunden für die 1. Liga

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Für die Handballerinnen des BSV Sachsen geht es in den Relegationsspielen gegen Frisch Auf Göppingen in dieser Woche um ein weiteres Jahr im Oberhaus. In der Vorbereitung staunten die Trainer über die eigene Mannschaft.

Zwickau.

Dietmar Schmidt ist im gesamten Saisonverlauf noch nie so oft in der Stadt auf den Handball angesprochen worden wie in den vergangen Tagen. "Wildfremde Leute halten auf dem Parkplatz an und sagen mir, dass sie uns die Daumen für den Klassenerhalt drücken. Ich habe den Eindruck, dass ganz Zwickau mit uns mitfiebert", sagt der Co-Trainer des BSV Sachsen. Der Tabellenvorletzte der abgelaufenen Bundesligasaison, der erstmals seit 25 Jahren wieder im Oberhaus der Frauen mitmischte, will das nutzen: Fürs Relegationshinspiel gegen Frisch Auf Göppingen (Zweiter der 2. Bundesliga) am Mittwoch, 19.30 Uhr, in der Sporthalle Neuplanitz kosten die Karten nur fünf Euro. "Wir wollen uns damit für die tolle bisherige Unterstützung der Fans bedanken und hoffen auf eine ausverkaufte Halle", sagt BSV-Trainer und -Geschäftsführer Norman Rentsch.

Die kleine Euphoriewelle, die der Aufsteiger am letzten Spieltag Mitte Mai mit dem Sieg in Oldenburg und dem damit verbundenen Sprung vom letzten auf den 13. Platz auslöste, macht natürlich auch um die Spielerinnen keinen Bogen. "Es gab sehr viele, die sich einfach mit uns gefreut haben, dass wir den direkten Abstieg doch noch vermeiden konnten. Und es war natürlich vor allem für uns selbst eine unglaubliche Erleichterung", sagt Kreisläuferin Alisa Pester. Zehn Niederlagen in Folge hatten die 23-Jährige aus der eigenen Jugend und ihre Mitspielerinnen zuvor wegzustecken. "Es ist leicht, in so einer Situation davon zu reden, dass man trotzdem an seine Chance glaubt. Es im letzten Punktspiel dann so auf die Platte zu bringen wie in Oldenburg, zeigt die mentale Stärke und die Bereitschaft der Mannschaft", sagt Dietmar Schmidt.

Ein Aha-Erlebnis gab es für ihn und Norman Rentsch auch am vergangenen Donnerstag. Nach zuvor sieben Spielen innerhalb von drei Wochen hatte das Trainerteam der Mannschaft drei Tage zum Regenerieren und Abschalten frei gegeben. In die erste Einheit in Vorbereitung auf die Relegationsspiele gingen die Spielerinnen aber trotzdem sehr gut vorbereitet. "Bei der ersten Besprechung hat sich vieles von dem, was die Mädels bereits eigenständig für sich analysiert haben, mit unseren Ansichten gedeckt. Das zeigt mir, wie sehr sie die zweite Chance nutzen wollen, um in der Bundesliga zu bleiben", sagt Norman Rentsch.

Mit Frisch Auf Göppingen wartet für ihn am Mittwoch in Zwickau und am Samstag im Auswärtsspiel (Anwurf: 18 Uhr) ein "Gegner auf Augenhöhe". Die Mannschaft war in der Vorsaison überraschend aus der 1. Bundesliga abgestiegen und hatte Mitte Mai den Staffelsieg in Liga zwei nur um einen Punkt verpasst. "Es treffen zwei Teams mit Qualität und Erfahrung aufeinander. Da stehen die Chancen 50:50", sagt der BSV-Trainer. Um zu erahnen, wie schwer es für Zwickau bereits im Heimspiel werden kann, reicht ein Blick in die Statistik. In der 2. Bundesliga hat Göppingen auswärts nicht einen Punkt abgegeben ...

Den zweiten Ligabestwert verzeichneten die Frisch-Auf-Frauen mit 971 erzielten Saisontoren. Das sind 32 Treffer pro Spiel. Die Quote ist aber nicht der einzige Grund, weshalb sich die Zwickauerinnen in den jüngsten Trainingseinheiten vor allem auf die Defensive spezialisiert haben. "Die Abwehrarbeit ist in Finalspielen das A und O. Da wollen wir die Grundlage für ein weiteres Jahr Bundesliga schaffen", sagt Norman Rentsch. Wachsamkeit und Disziplin sind für ihn aber auch im Angriff die Ansatzpunkte. "Es geht darum, sich mit Geduld und Köpfchen klare Wurfpositionen zu erarbeiten", erklärt er.

Bis auf Isa-Sophia Rösike, die vor einigen Wochen ihre Laufbahn verletzungsbedingt vorzeitig beenden musste, kann das Zwickauer Trainerteam auf alle Spielerinnen zurückgreifen. Um fit für die Relegation zu sein, absolvierte die eine oder andere sogar noch ein zusätzliches Krafttraining bei Dietmar Schmidt. Er sieht es als ein weiteres Zeichen: "Die Mannschaft ist bereit, noch zweimal an ihre Grenzen zu gehen."

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