Nach dem Brand investiert Ertex in neue Webmaschinen

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Die Sorge über exorbitant steigende Energiepreise geht auch an der Ertex Rodewisch nicht vorbei. Gerade jetzt, wo die Peppermint Holding kräftig in den Standort investiert.

Rodewisch.

Es gibt Schicksalsschläge, die Jahre später als Neuanfang für etwas Gutes begriffen werden. Ein solcher war der große infolge von Schweißarbeiten ausgebrochene Brand im April 2019. "So ein Brand kann auch eine Chance sein", sagt Prokuristin Heidi Herrmann. Eine Chance, in Innovation neu zu investieren. Eine damals verbrannte Schlichtmaschine wurde sofort ausgetauscht. 58 weitere Jacquard-Webmaschinen wechselt der Betrieb peu à peu bei laufender Produktion. Rund 400 Besucher konnten sich jüngst von dem teils erneuerten Maschinenpark überzeugen. Bei Ertex entstehen Jacquardgewebe für afrikanische Traditionskleidung sowie Tisch- und Bettwäsche. Die Gäste nutzten die seltene Gelegenheit, den Betrieb kennenzulernen und die Produktionshallen bei Rundgängen zu betreten. Anlass war die 25-jährige Zugehörigkeit der Ertex zur Peppermint Holding GmbH, die ihren Sitz in Berlin hat.

"Viele der Gäste waren auf unseren Betrieb gespannt, nach all dem, was uns 2019 widerfahren ist", sagt auch Andreas Asch, Generalbevollmächtigter in der Ertex Rodewisch.

Ältere Rodewischer kennen den Betrieb an der Auerbacher Straße noch als "Schnöckels Fabrik", eine Bleicherei und Appretur, deren Besitzer nach Kriegsende enteignet wurde. Der Textilbetrieb wurde zum VEB und ab 1960 ein Betriebsteil der VEB Textilwerke Elsterberg. Der Name "Ertex" erinnert noch heute an den Mutterbetrieb in Elsterberg, der bis 1994 treuhandgeführt war und 1994/95 geschlossen wurde. Zeitgleich etwa verlagerte man den Firmensitz nach Rodewisch. 2022 jährt sich zum 25. Mal der Tag der Übernahme der Ertex GmbH durch die Peppermint Holding. Zum Rodewischer Werk und damit zur Holding gehören mittlerweile zwei Produktionsstandorte in Rumänien - entstanden zwischen 2005 und 2020.

Sechs Millionen Euro will die Holding dieses und nächstes Jahr in den Maschinenpark in Rodewisch investieren. Ein Teil der seit 1993 insgesamt ausgegebenen 70 Millionen Euro in der Ertex-Gruppe. 2021 erweiterte die Holding den rumänischen Standort mit zwei Zettelanlagen mit V-Gatter und einer Schlichtmaschine. In dem Websaal arbeiten 104 Luft-Webmaschinen der neusten Generation. Klimaanlagen wurden für Weberei und die Vorbereitung angeschafft.

Nach rund 15 Jahren haben die Webmaschinen in Rodewisch ihr Alter erreicht und müssen ausgetauscht werden. Schaffte am alten Standort um das Jahr 1993 eine Maschine nur 160 Schuss pro Minute, beträgt die Leistung aktuell 800 Schuss.

Als schwierig bezeichnet Andreas Asch die Fachkräftesituation. Seitdem immer mehr Babyboomer in Rente gehen, fehlt der Nachwuchs. Deshalb widmet die Ertex ihrer Ausbildung mehr Aufmerksamkeit. So gibt es eigene Schulungsprogramme und -videos sowie Ausbilder - auch für Seiteneinsteiger. Als Glück bezeichnet es die Werkleitung, nach langer Zeit fünf Azubis ausbilden zu können. Auch wenn das Unternehmen sich nur selten der Allgemeinheit öffnet, sei man doch in der Region präsent, so Heidi Herrmann. Der Betrieb ist Mitglied in den Schulfördervereinen des Pestalozzi-Gymnasiums Rodewisch und der Seminar-Oberschule Auerbach sowie auf Ausbildungsmessen vertreten. Nachhaltigkeit und Umweltprojekte, wie eine kleine Imkerei, seien Herzenssache der Holding. So werden die Einnahmen aus dem Honigverkauf vom Samstag Rodewischer Vereinen zugute kommen.

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