Impfpflicht: Chefarzt kritisiert Regierung

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Für den Ärztlichen Direktor des Plauener Helios-Klinikums hat die einrichtungsbezogene Impfpflicht nicht viel gebracht. Dennoch blieb sie nicht folgenlos.

Oelsnitz/Klingenthal.

Die umstrittene Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen sowie in der Altenpflege hat im Vogtlandkreis zumindest aus Sicht der Behörden bisher keine Auswirkungen auf die Betroffenen. Das Landratsamt hat Angestellten, die im Landkreis in den entsprechenden Branchen tätig sind und keinen Impfnachweis vorgelegt haben, bislang weder Beschäftigungs- noch Betretungsverbote erteilt, hieß es auf "Freie Presse"-Anfrage. Nach Angaben der Kreisbehörde betrifft dies im Vogtland annähernd 1800 Beschäftigte im Gesundheitswesen sowie in der Pflege. Dabei weiß man im Landratsamt nach eigenem Bekunden nicht, wie viele Beschäftigte es überhaupt in den betroffenen Branchen der Region gibt: Personen, die über einen Immunitätsnachweis gegen Covid-19 verfügen, dürften von den betroffenen Trägern nicht gemeldet werden, so das Landratsamt. Derzeit läuft nach Behördenangaben in allen noch offenen Verfahren die Anhörung.

Damit ist der Vogtlandkreis nicht allein. Auf Sanktionen gegen nicht-geimpfte Mitarbeiter in den betroffenen Bereichen haben die zuständigen Gesundheitsämter der Kreisbehörden laut Sozialministerium im gesamten Freistaat bisher verzichtet. Dabei ist bereits Mitte März dieses Jahres der umstrittene Paragraf 20a des Infektionsschutzgesetzes in Kraft getreten, der jenen Personen eine Impfung gegen Covid-19 vorschreibt, die in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeheimen und Rehaeinrichtungen beschäftigt sind.

Für den Ärztlichen Direktor des Plauener Helios-Klinikums, Dr. Jens Weise, ist die einrichtungsbezogene Impfpflicht damit "de facto ausgesetzt", wie er der "Freien Presse" sagte. "Mein Eindruck ist, die Politik ist nicht gewillt, das umzusetzen", fügt er hinzu. Weise räumt aber ein, dass man auch am Helios-Klinikum ein Problem hätte, wenn die Impfpflicht tatsächlich durchgesetzt werden sollte.

Nach seinen Worten ist in der größten Gesundheitseinrichtung Plauens rund ein Fünftel der Belegschaft nicht gegen Covid-19 geimpft, wobei der Anteil beim medizinischen Personal niedriger liege als im Pflegebereich beziehungsweise in der Verwaltung. "Wir könnten als Einrichtung auf die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht verzichten", schätzt er ein. Sein Fazit: Die einrichtungsbezogene Impfpflicht habe bisher keine tatsächlichen Auswirkungen gehabt. "Aber sie hat natürlich viel Unruhe unter den Angestellten erzeugt", so Weise.

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