Vogtländer engagieren sich gegen Hassreden im Internet

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Cathleen Klaus ist Mitbegründerin der Facebookgruppe "Vogtländer*innen diskutieren ohne Hass und Hetze". Warum auch trotz gutem Vorsatz ein sachlicher Diskurs schwierig ist.

Plauen/Oelsnitz.

Cathleen Klaus ist zu Besuch in der Heimat. Doch der Aufenthalt in Plauen hat mit Urlaub nicht viel gemein, die 42-Jährige hat einen Termin nach dem anderen. "Natürlich will man Familie und Freunde sehen, aber nun kommen auch viele neue Kontakte dazu", sagt Cathleen Klaus. Denn obwohl die Plauenerin seit bereits elf Jahren in der Nähe von Münster lebt, werden ihre Kontakte im Vogtland nicht weniger - im Gegenteil.

Seit Beginn des Jahres moderiert Klaus mit anderen Gleichgesinnten die Gruppe "Vogtländer*innen diskutieren ohne Hass und Hetze" im sozialen Netzwerk Facebook. Rund 250 Mitglieder, teilweise aus der Region, teilweise verzogen, zählt die Gruppe inzwischen, die sich auf die Fahne geschrieben haben, einen sachlichen Austausch zu führen über das, was sie im Vogtland gerade umtreibt. "Auch wenn ich inzwischen woanders wohne, bleibe ich heimatverbunden und engagiere mich", sagt Klaus. Vor allem die Sorge um die alte Heimat motiviere sie: "Der demografische Wandel im Osten und fehlende soziale Perspektiven hinterlassen Unzufriedenheit und Frust. Das lässt sich auch im Ruhrgebiet beobachten, besonders aber im Osten. Es braucht verlässliche Strukturen, gerade für die Jugend, und gesellschaftliches Engagement, um dem entgegen zu wirken."

Auch vor der Pandemie sei der Tonfall in den sozialen Netzwerken oft rau gewesen, etwa zur Flüchtlingskrise 2015. "Doch im vergangenen Jahr hat sich da zusätzlich viel entladen", so die 42-Jährige. Neben den emotionalen Debatten nimmt jetzt ein weiteres Problem Fahrt auf: Immer häufiger werden Falschmeldungen in den Gruppen geteilt. "Nachrichten, die nachweislich falsch sind, aber Misstrauen und Angst schüren", sagt Klaus.

Sie positioniert sich, weist auf Fake News hin, bittet Administratoren verschiedener Vogtlandgruppen, Falschmeldungen oder Beleidigungen zu entfernen. "Das Resultat ist oft ernüchternd", so Klaus. Weil Beiträge nicht gelöscht werden, diskriminierende Aussagen Weniger den Anschein einer Mehrheitsmeinung bekommen. "Zum Beispiel ist über das Thema Corona-Impfung in solchen Foren größtenteils kein sachlichlicher Austausch mehr möglich." Bis Klaus und ihre Mitstreiter zum Jahresbeginn ihre eigene Gruppe gründeten. "Für viele war es ein unheimliches Glücksgefühl, einen geschützten Raum zu haben, um zu kommunizieren", so die 42-Jährige. "Viele unserer Mitglieder werden für ihre Haltung in anderen Gruppen angefeindet und sogar bedroht." Demokratisch habe man daher entschieden, die neue Gruppe nicht für jeden zu öffnen. Das heißt, in die Gruppe aufgenommen werden kann man nur über die Einladung eines Mitgliedes.

Doch Cathleen Klaus weiß inzwischen auch, dass trotz gutem Vorsatz kein Diskurs nur sachlich abläuft, auch innerhalb des geschützten Raumes nicht. "Die Oberbürgermeisterwahl in Plauen war ein Thema, das auch bei uns nicht ablief, wie es sollte. Da haben wir bemerkt wie schwer es ist, zurück zur Sachlichkeit zu finden, wenn die Gefühle hochkochen." Ab einer gewissen Größe werde auch die Moderation einer solchen Gruppe schwierig. Verstummen dürfe man deshalb nicht. Wie viele andere Mitglieder positioniere sich Klaus auch weiterhin in den öffentlichen Gruppen. Dafür habe sie sich selbst auch Richtlinien gesetzt: "Ich muss mich immer fragen, geht es mir darum, mit meinem Gegenüber wirklich zu kommunzieren oder nur meine Position klar zu machen? Und will ich antidemokratische und menschenfeindliche Äußerungen tolerieren?".

In letzterem Fall rät sie jedem, der in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, aktiv zu werden. "Die Demokratie ist in Gefahr, wenn ich demokratiefeindliche Äußerungen das Feld überlasse", sagt Klaus.

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