Sparkasse Vogtland rudert bei Negativzinsen zurück

Nach Protesten hat das öffentlich-rechtliche Geldinstitut die unpopuläre Entscheidung widerrufen. Vorerst zumindest.

Oelsnitz/Klingenthal.

Es soll ungemütlich gewesen sein am Donnerstag in der Führungsetage der Sparkasse Vogtland. Am Morgen hatten "Freie Presse"-Berichte die Runde gemacht, in denen die Sparkassenpläne für das erneute Umkrempeln des Filialnetzes und vor allem zur Einführung von Minuszinsen offengelegt waren. 15.35 Uhr dann die knappe Mitteilung aus der Pressestelle der Sparkassenzentrale am Plauener Komturhof: Von den Strafzins-Plänen "nehmen wir mit sofortiger Wirkung Abstand", teilte die Sparkasse Vogtland mit.

Ein "Verwahrentgelt für Neukonten im Privatkundenbereich - mit Ausnahme von Sparkonten - mit einem Freibetrag von 5000 Euro" ist damit vom Tisch. Vorerst. "Die weitere Entwicklung am Markt wird durch die Sparkasse Vogtland aufmerksam beobachtet", heißt der Schlusssatz des Sechszeilers.

Offiziell gab es keine weiteren Aussagen aus der Sparkassenführung. Allerdings löste die Ankündigung, ab 1. Februar bei neu eröffneten Girokonten Beträge über 5000 Euro mit einem Strafzins von minus 0,7 Prozent zu belasten, ein starkes Echo und Proteste aus. Das Donnergrollen aus dem Vogtland soll auch den Ostdeutschen Sparkassenverband in Berlin aufgeschreckt haben. Denn Bestandskunden wären von Strafzinsen betroffen gewesen, wenn sie ihr Kontomodell wechseln. Die Sparkasse Vogtland war die erste Bank in Sachsen, die auch Kleinsparer mit einer solchen Strafabgabe belegt hatte.

Die Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig reagierte umgehend, bezeichnete die Erhebung des Verwahrentgeldes als rechtswidrig und kündigte bereits am Vormittag rechtliche Schritte an. Bei Heike Teubner, Leiterin der Verbraucherberatungsstelle Auerbach, gab es etliche Anfragen verunsicherter Sparkassenkunden. Als sie am Nachmittag vom Strafzins-Rückzieher der Sparkasse erfuhr, sagte sie erstaunt: "Das gibt's doch nicht." Doch damit bleibt den Verbraucherschützern zunächst der Weg vor‘s Gericht erspart. Nach einem Urteil des Landgerichtes Tübingen dürfe es keine Doppelbelastung aus Kontoführungsgebühr und Strafzinsen geben. Der Versuch, so etwas für Neu-
kunden und zugleich beim Kontowechsel einzuführen, sei "ein unglaubliches Vorgehen", so Heike Teubner.

Doch das sieht Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) anders. Als Vorsitzender des Sparkassen-Zweckverbandes verteidigte er das Agieren der Vorstände prinzipiell. "Ich finde es richtig", erklärte Oberdorfer. Die Sparkasse Vogtland wolle mit der neuen Zinsregelung zusätzliches Geld "abwehren", so Oberdorfer wörtlich. Denn während Banken von jeher mit Kundeneinlagen Geld verdienen konnten, zahlen sie heute drauf. Die Hoffnung auf höhere Zinsen sei vorerst dahin. "Zunehmend würden Kunden anderer Banken ihre Guthaben bei der Sparkasse abparken, um anderswo Strafzins zu vermeiden", argumentiert Oberdorfer. Das Problem werde die Sparkasse lösen müssen.


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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    MuellerF
    14.02.2020

    " Denn während Banken von jeher mit Kundeneinlagen Geld verdienen konnten, zahlen sie heute drauf."

    Na dann Leute - holt Euer Geld von den Konten, um den Banken Kosten zu sparen!

  • 21
    1
    bicicleta
    13.02.2020

    Vielleicht hat man gemerkt, dass man dabei war, sich selbst abzuschaffen: Neukunden machen gleich einen Bogen um die Vogtland-Sparkasse, einigermaßen "fitte" Bestandskunden suchen sich eine andere Bank und die ewig treuen Altkunden sind irgendwann nicht mehr da.

  • 22
    1
    tbaukhage
    13.02.2020

    Na klar doch! Man hat zwar den Testballon platzen lassen, aber alle wissen jetzt, dass es irgendwann (also demnächst) so kommen wird. Man soll sich also schonmal darauf vorbereiten. Da fällt auch die Akzeptanz dann leichter.