Absatz boomt: Vogtländer bauen Leichtlaufkräne im Ikea-Prinzip

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IWS System Heinsdorfergrund hat eine mobile Alternative zum Heben von Lasten und zur festen Montage von Kränen in Industriehallen entwickelt - und sich die Innovation jetzt aufgrund von Kopierversuchen schützen lassen.

Heinsdorfergrund.

Hin und wieder wundert sich der Erfinder selbst, dass noch niemand vor ihm auf diese Idee gekommen ist. "Denn im Prinzip ist das ja ganz simpel. Obwohl mir der Weg von der Idee bis zum Prototyp schon schlaflose Nächte bereitet hat", erzählt Heiko Petzoldt über eine Innovation, deren Absatz seit einiger Zeit boomt und die nun sogar eine Nummer beim Europäischen Patentamt hat. Warum man sich einen wenig Aufsehen erregenden Leichtlaufkran aus Aluminium schützen lässt? "Das Potenzial des Systems erkennen halt nicht nur unsere Kunden, es gab bereits Kopierversuche. Das haben wir nun unterbunden", erklärt der Geschäftsführer des Unternehmens IWS System Heinsdorfergrund.

Seit vier Jahren verkauft der vor allem auf die Verlagerung, Wartung und Reparatur von Industrieanlagen spezialisierte Betrieb das Kransystem unter der Marke "The Line". Zunächst in geringer Stückzahl, im letzten Jahr bereits knapp 50-mal. Tendenz steigend. Abnehmer sind Kunden in ganz Deutschland, vom Handwerker bis zur Branchengröße. Die wachsende Nachfrage erklärt sich in einer geringen Lieferzeit und dem Nutzen der Innovation. Während herkömmlich installierte Anlagen mit hohem Planungsaufwand fest in einer Halle verbaut werden und im Hinblick auf Flexibilität erfordernde Einsätze eher beschränkt einsetzbar sind, bietet die Neuheit aus dem Vogtland eine vom Aufwand her attraktive - und vor allem mobile Alternative zum Heben von Lasten bis 1000 Kilogramm.

"Das System ist so gestrickt, dass die Anlagen je nach spezieller Produktionsanforderung in einer Art Steckkastenprinzip und in verschiedenen Größen ruckzuck an jedem Ort aufgebaut werden können. Da sie freistehend sind, entfällt eine Verankerung an Wänden oder Decke - das ist wie Ikea für die Industrie", erklärt Heiko Petzoldt.

Noch werden die im Firmensitz in Unterheinsdorf passend zum Auftrag in einem Lieferpaket zusammengestellten, von verschiedenen Produzenten passgenau gefertigten Komponenten des Systems wie Stahlträger, Aluprofile und die darin auf Rollen laufende Kranaufhängungen von den IWS-Monteuren direkt beim Kunden zusammengesetzt. Perspektivisch - an dieser Weiterentwicklung des Produkts arbeiten Heiko Petzoldt und sein Team gerade - soll den Kunden auch die Eigenmontage nach Bauanleitung möglich sein. Auch am Ausbau des jetzt noch über einen Firmenableger in Baden-Württemberg organisierten Vertriebs basteln die Vogtländer.

"Mittelfristiges Ziel ist, dass die Bauteile künftig bei einem Logistikunternehmen ankommen und dort je nach Auftrag portioniert und ausgeliefert werden", skizziert der IWS-Chef seine Vorstellungen von einer "bis ins Detail optimierten und fehlerfrei funktionierenden" Vermarktung - die hinsichtlich des Ikea-Prinzips auch ein wenig Ergebnis des Fachkräftemangels ist. "Wir sind froh, sehr gute Fachleute gefunden zu haben, geben aber auch Branchenneulingen mit technischem Verständnis eine Chance, die wir dann anlernen. Insofern machen wir mit dem durchdachten Aufbauprinzip aus einer Not eine Tugend."

In einer ähnlichen Notlage war man einst überhaupt erst auf die Kran-Idee gekommen. Nämlich bei Arbeiten in einem Crimmitschauer Industriebetrieb, bei dem sich der Einsatz eines Krans erforderlich gemacht hatte. "Doch die Halle war wie so viele nicht für die Montage eines Krans geeignet. Da hatten wir den Einfall, einen Kran quasi auf eigene Füße zu stellen."

Umgesetzt wurde und wird die Idee mit mehreren Partnerfirmen. So liefert eine niederländische Firma die je nach Anforderungen portionierbaren Aluprofile - in Deutschland fand sich kein Unternehmen, das über die für das Ziehen der Profile erforderliche Presskraft verfügt. Hinsichtlich der Motoren und Kettenzüge kooperiert IWS mit einem Hersteller im Ruhrgebiet. Stahlträger und Trägerköpfe als Basis für Profile und Hebesystem werden von verschiedenen Anbietern bezogen. Gut möglich, dass IWS das künftig in ganz anderen Größenordnungen einkauft. Heiko Petzoldt: "Die Nachfrage in der Industrie ist enorm. Das Kransystem hat in unserem Betrieb das Potenzial zum Flaggschiff."

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