Präzisionstechnik Reichenbach startet in Altenburg durch

Zweijährige Investorensuche für angeschlagenen Automobilzulieferer erfolgreich

Der vor zwei Jahren in Insolvenz gegangene Automobilzulieferer Präzisionstechnik Reichenbach ist von dem amerikanischen Mischkonzern MAT Holdings übernommen worden und firmiert seit Anfang Oktober als Präzisionstechnik Resources in Altenburg. Wie Insolvenzverwalter Kai Dellit von der Kanzlei HWW Wienberg Wilhelm gestern mitteilte, konnte das einst zur Weigl-Gruppe gehörende Unternehmen im Ergebnis eines langwierigen Prozesses "an einen finanzstarken strategischen Investor übertragen werden". Der Schwerpunkt von MAT Holdings liegt im Bereich Automobilindustrie. Mit der Übernahme des Spezialisten für die Bearbeitung und Montage von Differenzialen und Differenzialgehäusen könne die US-Firma nun eine Produktgruppe aus einer Hand bieten. Auch die Gewerkschaft ist von der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens unter neuem Dach überzeugt. "Da gibt es wirklich eine positive Perspektive", sagte gestern Gewerkschaftssekretär Jörg Brodmann von der IG Metall Zwickau. Der Gewerkschafter begrüßte es zudem, dass der Investor an der Tarifbindung für die mehr als 50 Mitarbeiter festhält. Im Zuge der Insolvenz, während der weitere wichtige Investitionen in Produktionsanlagen vorgenommen wurden, waren die meisten der einst 70 Arbeitsplätze erhalten worden.

Allerdings müssen die Mitarbeiter jetzt ins 50 Kilometer entfernte Altenburg pendeln. Wie der Insolvenzverwalter mitteilt, war die Verlagerung der Firma bei laufendem Betrieb notwendig, da der Besitzer der Betriebsimmobilie in Reichenbach nicht an einem Verkauf interessiert war und zudem den Mitvertrag gekündigt habe. Wie der Gewerkschafter sagt, wären die strategischen Ziele von MAT Holdings hinsichtlich einer Produktionserweiterung dort kaum umsetzbar gewesen. "Da fehlt einfach auch der Platz." MAT unterstütze die Mitarbeiter jedoch hinsichtlich des längeren Arbeitsweges mit mehreren Maßnahmen.

Insolvenzverwalter Dellit betont, dass die Investorensuche äußerst schwierig gewesen sei, da das Unternehmen wichtige Investitionen in Produktionsanlagen nicht aus eigener Kraft finanzieren konnte. In Zusammenarbeit mit den maßgeblichen Herstellern sei das schließlich gelungen. Dellit, der mit einer Vielzahl von Interessenten verhandelt hatte: "Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen mit MAT zeigt, dass sich unser Sanierungskurs und der große Einsatz aller Beteiligten ausgezahlt haben. Vor allem die Kunden, insbesondere die Daimler AG, haben der Präzisionstechnik Reichenbach in den vergangenen zwei Jahren die Treue gehalten und wollen mit dem Unternehmen weiter langfristig zusammenarbeiten."

Die Präzisionstechnik Reichenbach genießt in der Branche einen ausgezeichneten Ruf. Allerdings geriet der Standort trotz voller Auftragsbücher vor vier Jahren in die schweren Turbulenzen der  Weigl-Gruppe. Gegen Spitzen der Weigl-Gruppe wurde wegen Bankrott und Steuerhinterziehung ermittelt, der Firmenchef wurde schließlich im Vorjahr wegen Bankrotts in zwei Fällen sowie Umsatzsteuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. (gem)

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