Umstrittene Wahlplakate hängen wieder in Meerane

Der Staatsschutz hat sich festgelegt: Die von der Satirepartei in Meerane angebrachten Plakate stellen keine Straftat dar.

Meerane/Glauchau.

Die in der Vorwoche von den Bauhofmitarbeitern im Auftrag der Polizei in Meerane entfernten Plakate der Satirepartei "Die Partei" hängen wieder. Das bestätigte Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) am Mittwoch.

Auf einem Plakat ist Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mit seinem Konterfei auf einem nackten Körper zu sehen. Auf dem anderen wird der Politiker dargestellt, wie er sich über die sächsische Landkarte beugt, in deren Mitte ein von Flammen umrandetes Hakenkreuz prangt. So hatte der Staatsschutz geprüft, ob die Plakate von der künstlerischen Freiheit gedeckt sind - was bestätigt wurde. Beim Hakenkreuz-Motiv musste zudem geklärt werden, ob der Anfangsverdacht für eine Strafverfolgung vorliegt. Letzteres hat die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden jetzt verneint. Wie deren Pressesprecher Wolfgang Klein sagte, "liegt keine Straftat vor". Dem Oberstaatsanwalt zufolge sind bereits die nachgeordneten Staatsanwaltschaften darüber informiert worden. Sie würden auf Anfrage auch dazu Stellung nehmen.


"Lieber späte Einsicht als keine Einsicht. Gern fungiert ,Die Partei‘ auch künftig als rechtsstaatliche Erzieherin, um den geradezu desaströs wirkenden Ausbildungsstand der Ordnungs- und Polizeibehörden auf Sekundarstufe I zu heben", erklärte der Landesgeschäftsführer Sebastian Cedel im üblichen Duktus seiner Partei. Auch Frank Becher vom Ortsverband Glauchau-Meerane der Satirepartei reagierte auf die von der Generalstaatsanwaltschaft in der Landeshauptstadt getroffene Entscheidung eher mit Gelassenheit: "Das war für uns keine Überraschung. Die Plakate sind als reine Satire erkennbar", sagte der 48-Jährige, der ohnehin die Aufregung um die Plakate nicht versteht. "In Glauchau wurden die Plakate nicht entfernt."
Derweil hat sich auch Peter Ohl, Ex-Bürgermeister in Meerane, zu Wort gemeldet: "Dass Polizei und Bauhofmitarbeiter hier sofort tätig wurden, findet meine volle Zustimmung. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es nicht sein kann, dass hier jemand nackt und entstellt in die Öffentlichkeit gezerrt wird", moniert der Rentner. Er fragt unter anderem, "was so eine sittliche Entgleisung von Erwachsenen in Kinderköpfen auslöst".

Ähnlich sieht das Felix Beyer, der als Kandidat für die Sozialdemokraten ins Rennen um die Landtagswahl geht. "Ich sehe das zwar nicht ganz so kritisch. Aber in einem politischen Wahlkampf sollten die Kandidaten eher mit Inhalten überzeugen und nicht mit Satire", erklärte der 21-jährige Student der Sozialpädagogik. "Fest steht. Die Satirepartei hat es wieder geschafft, überregionale Aufmerksamkeit zu bekommen."

Anders sieht das Thomas Seifert, der für die AfD in den Landtag einziehen will: "Diese sogenannte Satire lässt jeglichen Respekt vermissen. Das ist wohl auch die Frucht der Politik der letzten Jahrzehnte. Auch wenn es sich um einen politischen Gegner handelt, ist es nicht würdig, ihn so darzustellen. Er hat schließlich die letzten Jahre für Sachsen gearbeitet", so der 48-Jährige. Offenbar wolle "Die Partei", dass jeder nachdenkt, nicht aus Gewohnheit wählt. "In der Darstellung spiegelt sich in meinen Augen der Respekt wider, den sich Herr Kretschmer erarbeitet hat." Seifert ist daher der Meinung, dass sich niemand erlaubt hätte, Kurt Biedenkopf so darzustellen.

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 2 Bewertungen
6Kommentare
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  • 1
    1
    Blackadder
    16.08.2019

    Kein Mensch fällt seine Wahlentscheidung nach Plakaten heutzutage. Sie sind ein Anachronismus und haben sich überlebt. Schafft sie ab, alle sind nur genervt.

  • 3
    0
    Hinterfragt
    16.08.2019

    Ich plädiere für die Zukunft für eine "Ökoabgabe" von 1EUR / m² Wahlplakat ...

  • 4
    0
    Interessierte
    16.08.2019

    Man sollte diese Millionen lieber in Jugendeinrichtungen / Schulen / Kindergärten stecken oder in die Rentversicherung , keinen Menschen interessieren diese Plakate ...

  • 3
    1
    Hinterfragt
    16.08.2019

    Niemand wird gezwungen irgendwelche Wahlplakate anzuschauen ...

  • 7
    1
    quatschkopf
    15.08.2019

    Schämen? Nein muss man sich nicht. Und Kunst liegt immernoch im Auge des Betrachters. Wenn sie also keinen Sinn dafür haben gilt das nicht gleich für andere.
    Ich finde es erstmal witzig.

  • 3
    9
    Stonep
    15.08.2019

    Das ist keine Kunst. Man muss sich einfach nur schämen für diese Auslegung.



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