Bühnen-Winnetou reitet nach 15 Jahren über die Leinwand

Ein gewaltiger Indianerschatz wartet seit zwölf Jahren darauf, gebührend präsentiert zu werden. Der Verein "Silberbüchse" ließ Neugierige jetzt wieder einmal ins Depot.

Hohenstein-Ernstthal.

Es waren nur 25 Besucher, die am Sonnabend viel Applaus spendeten, als der Abspann über die Leinwand im Filmtheater "Capitol" in Hohenstein-Ernstthal flimmerte. Der Filmmitschnitt der Aufführung "Winnetou I" auf der Freilichtbühne am Stausee Oberwald aus dem Jahr 2004 weckte bei einigen Erinnerungen.

"Wir haben damals wochenlang geprobt. Ich bin oft mit blauen Flecken nach Hause gekommen. Aber es hat Spaß gemacht", sagte Gunter Meier. Er gab damals dem Barbier und dem Fotografen im Stück sein Gesicht. Die blauen Flecke zog er sich aber in seiner Rolle als Apachen-Krieger zu. Heute ist er 60 Jahre alt und denkt gern an die Aufführungen zurück. "Insgesamt haben wir 2004 und 2006 das Stück 16- oder 18-mal aufgeführt", sagte er. Auch Rolf Müller (59) spielte gleich drei Rollen. "Ich war Apache, Gast beim Barbier und in der Hochzeitsgesellschaft", sagte Müller, der am Sonnabend noch einmal ins Cowboykostüm schlüpfte. "Zum Glück gibt es den Film, sonst wäre überhaupt nichts mehr davon geblieben", sagte Wolfgang Hallmann, stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Silberbüchse". Damals hatten 14 Schauspieler, unter ihnen Giso Weißbach als goldgieriger Schurke Frederic Santer, sowie 50 Komparsen "Winnetou I" mit Leben erfüllt.


Immer um den Karl-May-Geburtstag (25. Februar) herum treffen sich die Vereinsmitglieder zur Jahreshauptversammlung. Der Film war Teil des Rahmenprogramms, ebenso der Tag der offenen Tür im Schaudepot der Indianistik- und Westernsammlung von Harry Maacken aus Oldenburg. Der Verein "Silberbüchse" ist quasi Hüter der Sammlung, die der Verein mit Unterstützung der Karl-May-Geburtsstadt den Erben des 2006 verstorbenen Holstermachers und Indianistiksammlers abgekauft hat.

Seit zwölf Jahren verstauben die rund 4000 faszinierenden Ausstellungsexponate in dem kleinen Depot. Weil einfach keine Ausstellungsräume zur Verfügung stehen, bleibt der Indianerschatz der Öffentlichkeit weitgehend verborgen. Die Sammlung ist ein Riesenfundus. Feuerwaffen aus der Zeit vor 1871, wertvoller Indianerkopfschmuck, Reitsättel, Hieb- und Stichwaffen der Indianer, Mokassins, Friedenspfeifen, Pfeilspitzen, indianischer Schmuck, Trapperkleidung: Die Originalstücke warten darauf, gebührend präsentiert zu werden. "Diese Sammlung muss man einfach in ihrer Gesamtheit zeigen", sagte auch Steffen Meyer, der zum Schautag in Westernkluft am Grill stand und den Colt gegen die Grillzange getauscht hatte. Er gehört zum harten Kern des Vereins, den Alt-Oberbürgermeister Erich Homilius als Vorsitzender leitet. Von den 85 Mitgliedern gibt es nur eine Handvoll, die vor Ort aktiv sind. Die meisten Mitstreiter sind über ganz Deutschland bis in die Schweiz verstreut. Sie verfolgen ein großes Ziel: endlich die Sammlung der Öffentlichkeit zugängig machen und damit das Vermächtnis Maackens erfüllen.

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