Callenberg ehrt verstorbene Kameraden mit Schweigeminute

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Am Mast neben dem Feuerwehrdenkmal in Langenberg weht eine neue Fahne. Zu bestimmten Anlässen wird dort halbmast geflaggt.

Langenberg.

Wolfgang Unger und Ronald Landgraf befestigen die neue Fahne am Zugseil des Fahnenmastes neben dem Feuerwehrdenkmal in Langenberg. Die alte Fahne hatte vier Jahre lang am Mast vor dem Gerätehaus Langenberg-Meinsdorf Wind und Wetter getrotzt. Sie war verschlissen und musste ersetzt werden. Die neue Fahne trägt neben dem Wappen der Gemeinde Callenberg auch eine Darstellung des Heiligen Florian, Schutzpatron der Feuerwehrleute.

Von April bis Oktober weht die Fahne der Gemeindefeuerwehr Callenberg an der Mastspitze. "Nur wenn ein Kamerad verstorben ist, wird halbmast geflaggt", erklärt Gemeindewehrleiterin Nicole Romanowski. Das war im Coronajahr nicht nur einmal der Fall.

Das Hissen der neuen Fahne nutzte Bürgermeister Daniel Röthig (CDU) gleich zu einer Ehrung der verstorbenen Kameraden, coronabedingt im kleinen Kreis. Dem Niederlegen eines Blumengestecks und der Schweigeminute wohnten nur die vier Ortswehrleiter, die Gemeindewehleiterin und die beiden Vertreter der Alters- und Ehrenabteilung bei. Der verstorbenen Kameraden auf diese Weise zu gedenken, hat seit fünf Jahren Tradition. Im Juli 2016 war das Denkmal mit dem Schutzheiligen gegen Feuergefahr eingeweiht worden. Ausgerechnet damals befand sich Wolfgang Unger, seit 2007 Chef der Alters- und Ehrenabteilung der Callenberger Wehr, auf einer Urlaubsreise. Der heute 74-Jährige ließ sich damals von seinen Mitstreitern würdig vertreten. Einer von ihnen ist Hermann Schaarschmidt. Das Feuerwehr-Urgestein ist heute der Älteste in der Truppe. Im August feiert er seinen 90. Geburtstag und am 1. Oktober sein persönliches Jubiläum "75 Jahre Feuerwehrmitglied". Zum Geburtstag rückt Wolfgang Unger natürlich bei ihm an. "Zu den runden Geburtstagen und beim nächsten Fünferschritt gibt es ein kleines Präsent, Blumen und eine Glückwunschkarte", sagt Unger und bedauert, dass es derzeit bei der Übergabe an der Haustür bleibt. "Wenn ich zum Gratulieren vorbeikomme, würde manch einer gern mit mir ein Bierchen oder einen Kaffee trinken, aber Corona lässt das im Moment nicht zu."

Mehr als 43.000 Frauen und Männer leisten in Sachsens Feuerwehren täglich ihren Dienst. Die vier Callenberger Ortswehren steuern mehr als 100 Mitglieder in der aktiven Truppe und rund 80 der Alters- und Ehrenabteilung zu dieser Bilanz bei. Deren ehrenamtliches Engagement wird öffentlich eher zu wenig als zu viel anerkannt, finden Feuerwehrleute. Das wollen sich die Callenberger nicht nachreden lassen. "Für die Geburtstagsgrüße und kleine Präsente stellt der Callenberger Haushalt jedes Jahr ein kleines Budget zur Verfügung", sagt Wolfgang Unger. Auch sonst wird das langjährige Engagement der alten Haudegen anerkannt. Unger hat schon viele Ausflüge, Busreisen und kleine Veranstaltungen für die Alters- und Ehrenabteilung organisiert. "Aber auch das ist im Moment unmöglich", bedauert er.

Die meisten seiner Mitstreiter haben Jahrzehnte in der Feuerwehr gedient. Leider sei in DDR-Zeiten viel an Material zu den Ortswehren verloren gegangen. "Die alten Strategen haben aber viel erlebt und eine Menge zu erzählen. Damals gab es keine Aufwandsentschädigung. Und von der Technik und der Einsatzkleidung von heute konnten sie nur träumen", so Unger.

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