Diamantbrief für Altmeister

Die Handwerkskammer Chemnitz ehrt Alfons Spannenkrebs aus Lobsdorf. Der hat seinen Meistertitel seit über 60 Jahren. Nicht viele schaffen das.

Lobsdorf.

Udo und Olaf Spannenkrebs schauen ihren Vater Alfons mit Bewunderung an: "Sein Können ist für uns unerreichbar." Dabei sind die Maler- und Lackierermeister selbst schon Jahre im Geschäft. Die Familie hat sich am Montag zur Feier des Tages am Essenstisch versammelt, in der ehemaligen Malerwerkstatt des Vaters in Lobsdorf. Für Alfons Spannenkrebs ist es ein großer Tag, denn Andreas Pfauch, Obermeister der Maler- und Lackiererinnung Chemnitzer Land, übergibt ihm den Diamantenen Meisterbrief.

Und das ist schon etwas Besonderes. Darum überreicht die Handwerkskammer Chemnitz diese Auszeichnung auch seit vergangenem Jahr an alle Meister in ihrem Bezirk, die den Titel seit 60 Jahren tragen. "Es ist eine Leistung, die man nicht genügend würdigen kann", sagt Kammersprecherin Romy Weißbach. Denn für viele der alten Meister sei gerade die DDR-Zeit nicht einfach gewesen. "Nicht wenige wurden sogar enteignet." Im vergangenen Jahr erhielten nur drei Maler-und Lackiermeister den diamantenen Brief von der HWK Chemnitz, sagt Weißbach, keiner davon aus dem Landkreis Zwickau. Die Zahlen für dieses Jahr liegen noch nicht vor.

Eigentlich hätte auch Alfons Spannenkrebs den diamantenen Brief schon 2019 erhalten sollen. Doch das hatte er wohl vergessen zu melden. Seinen Meister machte er 1959, vor 61 Jahren. "Damals war ich mit 23 einer der Jüngsten", erinnert sich der heute 84-Jährige. Von Schikanen kann auch er ein Lied singen. Selbst nach Erlangung des Meistertitels in einem Lichtensteiner Malereibetrieb habe man ihm die Gründung einer eigenen Firma untersagt. 16 Jahre lang arbeitete Alfons Spannenkrebs stattdessen als Bereichsleiter bei der Baugenossenschaft Hohenstein-Ernstthal. Erst 1977, nach einer Gesetzesänderung, durfte er seinen Betrieb in Lobsdorf gründen. "Doch auch da machte man es mir nicht leicht." Bis zur Wende sei es ihm untersagt worden, Mitarbeiter einzustellen. Spannenkrebs habe auch dafür kämpfen müssen, seine beiden Söhne ausbilden zu dürfen. Für Olaf war immer klar, dass er eines Tages in des Vaters Fußstapfen treten würde. Udo wollte zunächst Elektriker werden. Während der Ausbildung mussten dann Schaltkreise zusammengebaut werden. "Bei mir kam es aber ständig zu Kurzschlüssen." Udo überlegte es sich noch einmal. Heute ist er ebenfalls Maler- und Lackiermeister, seit 25 Jahren. Er bekam am Montag seinen Silbernen Brief überreicht.

Nachdem Alfons Spannenkrebs im Jahr 2018 in Ruhestand gegangen war, übernahmen die Söhne das Geschäft. Die neue Werkstatt steht jetzt in St. Egidien. Genau wie der Vater verzichten sie weitgehend auf Werbung. "Das Geschäft läuft gut, dank Mundpropaganda kennen uns die Leute", sagt Olaf Spannenkrebs. An das Talent das Vaters kommen sie nicht ran, da sind sich beide einig. "Doch wenn wir unsere Fähigkeiten zusammenlegen, haben wir vielleicht eine Chance." Alfons Spannenkrebs ist froh, dass seine Firma in guten Händen ist. Noch neun Jahre, dann dürfte er sich auf den Platin-Meisterbrief freuen.

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