Er ist der Bequemmacher

Ans Werk! Sie bauen, schleifen, schrauben, drehen und drechseln: Handwerker gestalten unser Umfeld. Die "Freie Presse" stellt einige Gewerke aus der Region in einer Serie vor - und schaut den Handwerkern auf die Finger.

Remse.

Einer größeren Handwerksfamilie gehört der Beruf des Polsteres an: Neben Sattlern, Täschnern und Dekorateuren sorgen Polsterer dafür, dass das Leben "bequemer" wird. "Mein Vater hat seinen Meisterbrief noch als "Tapezierer" erhalten, ich als Polsterer. Aber heutzutage nennt man uns im Handwerk Raumausstatter", sagt Jörg Kral aus Remse. Als Elektromonteur begann er seine berufliche Kariere, er sah das Handwerk damals wie auch heute als verhungert. "Es wurden früher ja sämtliche Betriebe enteignet. Es war genug Arbeit für Handwerker da, aber kein Material."

Im Laufe der Jahre änderte sich das Berufsbild des Gewerkes. "Führte mein Vater noch im Schloss bei Fürst Günther von Schönburg-Waldenburg textile Wandbespannungen aus, kommt so etwas nur noch selten vor. Dann eher in Museen, großen Opern oder historischen Gebäuden. Aber nach dem Brand der Notre-Dame Kathedrale in Paris sieht man, dass Bedarf an historischen Handwerkern besteht."


Drei Jahre Ausbildung im Dualen System stehen an, dass heißt, auch für diese Lehre bedarf es einem regelmäßiger Wechsel zwischen Ausbildungsbetrieb und Berufsschule. "Dabei lernt man, aus einem Haufen Material eine Form zu gestalten. Meist auf Kundenwunsch." In Jörg Krals Ausstellungsräumen finden sich eigens produzierte Möbelstücke und Handelsware, aber auch Reparaturen nimmt der Meister an. "Nicht selten erreicht mich die Frage, ob ich ein Sofa reparieren oder restaurieren kann." Dann muss der Handwerker trotz allem abschätzen, ob sich das überhaupt noch lohnt. Die meisten Kunden wüssten nicht, dass Neuanfertigungen beim Handwerker direkt erworben nicht teurer sind als ein hochwertig in Deutschland seriell produziertes Möbel.

Kamen zu DDR-Zeiten Werkstücke noch komplett vom Polsterer, werden heutzutage andere Gewerke, wie Tischler oder Näher, einbezogen. "Manchmal stülpt der Polsterer nur noch drüber, aber die Kunst besteht darin, das Gestell zu bauen, mit Schaumstoff polstern, die Form herzustellen", sagt Kral. Von schlicht und eckig - dem Bauhausstil - bis "rundgelutscht". Schlichte Funktionalität zum guten Preis zählt dennoch für beide Richtungen, dabei wird keine neu erfunden, lediglich reproduziert.

Ein Polsterer benötigt generell nur eine kleine Menge Werkzeuge. Kam der Handwerker früher noch mit einer kleinen Kiste aus, zählen heutzutage aber auch Spezialwerkzeuge zu seinen Arbeitsmitteln. "Das Herzstück der Werkstätten sind die Nähmaschinen. Meine Kettelmaschine donnert richtig los. Sattler- und Langarmmaschine besitzen verschiedene Funktionen, ich kann Steppdecken am laufenden Meter bearbeiten. Haben wir früher noch mit Hand Reißverschlüsse eingesetzt, macht das heute unsere Maschine." Polsternadeln, von dreieckig bis spitz, verschiedene Scheren, Messer und Sägen, Zangen und Schraubendreher gehören zur Grundausstattung in der Werkstatt. "Mir stehen an die fünfzig Gestellelemente für Sofas zur Verfügung, ich habe viele Möglichkeiten, individuelle Anfertigungen anzubieten. Denn nur, was der Kunde nicht auf dem Markt findet, ist etwas Besonderes für ihn und auch nur dann gibt er oder sie für uns Empfehlungen weiter."

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