Erster O-Bus fuhr vor 80 Jahren

Vor acht Jahrzehnten pendelte der erste Oberleitungsbus durch Zwickau. Die Ära der Gefährte endete 1977.

Zwickau.

Bereits Anfang der 1930er-Jahre gab es in Zwickau die Idee, Oberleitungsbusse einzuführen. Mit der damals gebräuchlichen Bezeichnung Drabus beziehungsweise Drahtbus wurden 1932 Konzepte und Angebote mehrerer Firmen vorgelegt. Jedoch dauerte es weitere Jahre, bis elektrische Busse verkehren sollten. Am 2. April 1937 wurden die Weichen für das neue Verkehrsmittel in der Stadt gestellt. Der Kreishauptmann zu Zwickau erteilte die Genehmigung zum Betrieb des Busses. Am 1. Dezember 1938 ging der erste Oberleitungsbus feierlich auf Fahrt.

Die etwa 13 Kilometer lange Strecke verband Stenn (Schule) und Lichtentanne über die Zwickauer Innenstadt mit Weißenborn, wo Endhaltestellen am Kuhbergweg und Gasthof "Weißenborn" eingerichtet wurden. Später erfolgten Streckenerweiterungen in Stenn bis Gasthof "Luckner" und in Weißenborn vom Kuhbergweg bis Siedlung Nord. Als Zwischenwendeschleifen standen zuletzt an der Stadtgrenze in südlicher Richtung die Wendeschleife Karl-Marx-Straße und in Lichtentanne die Wendeschleife Ernst-Thälmann-Straße sowie im Stadtzentrum am Poetenweg und in Weißenborn eine Wendeschleife an der Kirche zur Verfügung. Es waren ursprünglich 32 Haltestellen vorhanden, und die Fahrzeit betrug 41 Minuten. Zur Eröffnung gab es zwei Oberleitungsbusse mit MAN-Fahrgestell. In Spitzenverkehrszeiten mussten zusätzlich Omnibusse eingesetzt werden.

Bereits in den ersten Betriebsjahren erzeugte der Zwickauer Oberleitungsbus große Aufmerksamkeit. Verschiedene Verkehrsunternehmen interessierten sich für das neue Verkehrsmittel und erbaten einen Besichtigungstermin. Belegt sind Anfragen aus Waldenburg (heute Walbrzych, Polen), Berlin, Troppau (heute Opava, Tschechien), Bielefeld, Greiz, Salzburg, Liegnitz (heute Legnica, Polen), Fulda, Trier und Breslau (heute Wroclaw, Polen).

Ab 1941 konnten aus Werdau drei fabrikneue Henschel-Oberleitungsbusse und 1944 zwei Oberleitungsbusse in Kriegsbauweise beschafft werden. Anfang der 40er-Jahre wurde zur Kapazitätserweiterung der Beiwagenbetrieb eingeführt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Erneuerung der Fahrzeu- ge auf dem Plan. 1954 wurde ein W602 A aus Werdau in Betrieb genommen. Das Fahrzeug blieb jedoch ein Einzelgänger. Es war bis 1964 in Betrieb. Wichtig war die Zwickauer Obusanlage in dieser Zeit als Teststrecke für die in Werdau gebauten Fahrzeuge. Neben Testfahrten der Obustypen W 600 und W 601 ist insbesondere die Erprobung des Doppelstock-Obus-Sattelzuges ES 6 für die Berliner Verkehrsbetriebe erwähnenswert. Die Entwicklung für dieses Fahrzeug begann bereits 1953 mit den theoretischen Vorarbeiten für eine elektrische Variante des Doppelstock-Sattelzuges S 6. Die Zugmaschine erhielt einen selbstlüftenden 600-V-Hauptstrommotor mit 120 kW Leistung und zwei Stromabnehmern auf dem Dach der Zugmaschine mit Druckluftbetätigung. Erste Probefahrten absolvierte das Gespann im Frühjahr 1955 in Zwickau und wurde am 10. Juni 1955 in Berlin präsentiert.

Bereits 1975 endete der Verkehr mit Beiwagen. Weitere Rationalisierungsmaßnahmen im Bereich der Instandhaltung und die schwierige Neubeschaffung von Gelenkfahrzeugen ungarischer Produktion brachten dem Oberleitungsbus in Zwickau das Aus.

Fast 40 Jahre nach der Einstellung des Oberleitungsbusses stand im Sommer 2016 wieder ein elektrisch betriebener Bus in Zwickau im Einsatz. Die Städtische Verkehrsbetriebe Zwickau testeten vom 20. bis 23. Juni den Solaris-Elektrobus 463 100-4 der Dresdner Verkehrsbetriebe AG auf den Linien 18, 21 und 29.

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