"Ganz abschalten kann man einfach nicht"

Erik Seidel, Bürgermeister von Gersdorf, spricht über Schwierigkeiten beim Hochwasserschutz und die Nachfrage nach Wohnraum

Gersdorf.

Für das Sommerinterview stand Erik Seidel (parteilos), der Bürgermeister von Gersdorf, der "Freien Presse" Rede und Antwort. Markus Pfeifer sprach mit ihm über sein Amt, seine Arbeitsweise und über die Aufgaben und Probleme, die es im Ort gibt.

Freie Presse: Sie sind kürzlich aus dem ersten längeren Urlaub seit Beginn der Amtszeit zurückgekommen. Konnten Sie mal richtig abschalten?

Erik Seidel: So richtig noch nicht. Das muss ich vielleicht noch lernen. Ich war zwischendrin mal zwei Tage für ein paar Stunden im Rathaus. Mein Handy habe ich auch im Urlaub an und kümmere mich um E-Mails. Das bin ich noch so aus meiner Firma gewöhnt, in der ich bis zum Amtsantritt aktiv war. Ganz abschalten kann man einfach nicht, ich will immer wissen, was los ist.

Die Arbeit als Bürgermeister macht also noch Spaß?

Ich habe nach wie vor jeden Tag Freude daran. Die Arbeit mit den Menschen macht Spaß, ich komme gern mit ihnen ins Gespräch. Ich versuche immer aufs Neue, aktuelle Aufgaben und Probleme gemeinsam mit den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung zu lösen sowie neue Projekte anzuschieben.

Die aktuellen Bauarbeiten direkt vor ihrem Fenster können schon ganz schön laut sein, oder?

Das bekommt das ganze Rathaus mit. Aber der Lärm zeugt ja davon, dass hier etwas geschaffen wird, also ist er ja nicht sinnlos. Ich habe 25 Jahre mit dem Bau zu tun gehabt, da bin ich einiges gewöhnt.

Geht es mit dem Bau des Marktgewölbes planmäßig voran?

Es läuft beim dritten Bauabschnitt richtig gut an, aber durch Gewitter in Lugau und Oelsnitz gab es kürzlich auch schon wieder kleine Überflutungen der Baustelle im Hegebach. Wenn es gut läuft, könnte es bis Jahresende fertig sein, aber je nach Witterung kann es sich auch bis in den Frühling ziehen. Ein Problem sind die Baukosten, die von geplanten 600.000 Euro auf knapp eine Million steigen. Zum Glück bezahlt der Freistaat das Vorhaben im Rahmen der Hochwasserschadensbeseitigung. Die Restarbeiten beim zweiten Bauabschnitt sollen bis Ende August geschafft sein.

Den Ort vor Hochwasserwellen zu schützen, bleibt schwierig?

Ja, mit dem Rückhaltebecken in Richtung Oelsnitz kommen wir nur langsam voran. Wir müssen viel Geld für Planungen vorschießen, haben aber Entwürfe vorliegen. Jetzt geht es um Grundstücksfragen, das ist auch nicht einfach. Wir verhandeln mit Eigentümern, die natürlich ungern ihre Grundstücke hergeben wollen. Das Becken ist aus unserer Sicht nötig, deshalb wollen wir Verständnis und für beide Seiten akzeptable Lösungen erreichen. Wir haben gute Angebote gemacht. Ich kann nur an die betroffenen Bürger appellieren, sich nicht querzustellen. Wenn es zu einem Planfeststellungsverfahren kommen muss, werden sich für sie bestimmt schlechtere Bedingen ergeben.

Wie sieht es in Sachen Wohngebiete aus?

Die Erschließung des Wohngebietes "Am Aktienwald" ist beendet. Damit gibt es 14 neue Baugrundstücke, von denen acht bereits verkauft oder reserviert sind. Es sind vorrangig Ortsfremde, die hier bauen wollen. Ich staune manchmal, wo sie herkommen. Das alte Schachtgelände an der Kaisergrube 1 wird vom Oberbergamt saniert, könnte danach zum Baugebiet werden. Alleine hätten wir das nie finanzieren können. In dem Bereich gibt es ja schon viele Eigenheime, dort bietet sich eine Erweiterung des Wohngebietes an. Zwei bisher kommunale Wohngebäude an der Plutostraße und an der Kaisergrubenstraße möchten wir verkaufen, weil die Sanierung für uns nicht zu stemmen ist.

Sind mit der Arbeit im Gemeinderat zufrieden?

Ja, die Arbeit mit der Gemeinderätinnen und -räten läuft richtig gut. Es wird im Sinne von Gersdorf gearbeitet und entschieden, das ist mir sehr wichtig. Diskussionen, andere Meinungen und Auffassungen sind ein wichtiger Bestandteil einer gelebten Demokratie. Resultat muss das bestmögliche Ergebnis für unseren Heimatort sein.

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