Hilfe fürs Studium ist vielfältig

Eine Woche der Inklusion hat am Freitag an der Westsächsischen Hochschule begonnen. Sie richtet sich vor allem an Nichtbehinderte.

Zwickau.

Rein statistisch betrachtet sind mehr als 200 Studenten an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) behindert oder beeinträchtigt. Nicht jedem sieht man das an - dennoch hat jeder das Recht, dass man Rücksicht auf ihn nimmt. Susann Pilath, Gleichstellungs-Koordinatorin an der WHZ, bestätigt diese Zahlen. Deutschlandweit haben elf Prozent der Studierenden eine studienrelevante Beeinträchtigung, sagt eine neue Studie. "Das ist an der WHZ nicht anders."

Dabei ist mehr als die Hälfte der Betroffenen psychisch beeinträchtigt, etwa jeder Fünfte hat eine chronisch somatische Erkrankung wie etwa Rheuma. Jeweils drei bis vier Prozent der Betroffenen haben eine Beeinträchtigung des Sehens, Hörens oder der Bewegung. Für alle gilt: Sie können eine entsprechende Unterstützung im Studium bekommen - denn unter Barrierefreiheit versteht man nicht nur Zugänge für Rollstuhlfahrer, sondern auch höhenverstellbare Schreibtische, Programme, die Schrift vorlesen, oder Gebärdensprach-Dolmetscher. All dies kann die WHZ zur Verfügung stellen. "Wir müssen es nur wissen", sagt Susann Pilath, die schon mehrfach erst kurz vor Semesterbeginn erfahren hat, dass ein eingeschriebener Student besondere Hilfen braucht. "Wir können uns auf fast alles einstellen. Das müssen wir auch - so verlangt es das Gesetz."

Genau das ist auch ihr Argument, wenn mal wieder jemand laut überlegt, ob Aufwand und Nutzen bei einzelnen Studenten in einem wirtschaftlichen Verhältnis stehen. Für Pilath stellt sich diese Frage nie. "Denn es geht um Menschlichkeit." Sie ist froh, dass die Zeiten vorbei sind, in denen Behinderte nur ausgesuchte Jobs ausüben konnten. Heutzutage stehen der Hochschule jährlich 65.000 Euro zur Verfügung, um Menschen mit Beeinträchtigungen zu unterstützen. Gebaut werden darf von dem Geld nicht, aber gekauft. Ergonomische Tastaturen etwa oder spezielle Kissen, die das Sitzen erleichtern. "Wir haben einen ganzen Pool solcher Hilfsmittel. Viele wissen das jedoch gar nicht." So entstand die Idee, eine inklusive Woche zu organisieren. "Wir möchten Mitarbeiter und Professoren, aber auch Studenten informieren und auch sensibilisieren", sagt Susann Pilath. Dazu gibt es Vorträge und Rundgänge, die zeigen, welche Hilfsangebote es gibt, die aber ebenso aufdecken, wo die WHZ noch nachbessern muss.

Als Ziel soll stehen, Mitarbeiter und Professoren zu befähigen, Unterstützung zu gewähren. Andererseits sollen junge Menschen mit Handicaps die Scheu verlieren, ein Studium anzufangen.

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