Keine Einigung am Sachsenring: ADAC sucht neue WM-Strecke

Das Aus für den Motorrad-Grand-Prix auf dem Kurs bei Hohenstein-Ernstthal nach dem diesjährigen Rennen scheint besiegelt. Sächsische Veranstalter und Staatskanzlei wollen aber um den Erhalt kämpfen.

Hohenstein-Ernstthal. Genau eine Woche bevor die besten Motorradpiloten der Welt auf dem Sachsenring um WM-Punkte fahren, schreckt eine Mitteilung des ADAC die Fans und Verantwortlichen an dem Traditionskurs auf. Der Automobilclub verkündete am Freitag schriftlich, Gespräche mit anderen Rennstrecken zu intensivieren, "um sicherzustellen, dass die MotoGP auch in Zukunft in Deutschland zu Gast ist". Ende Mai hatte der ADAC als Lizenznehmer des deutschen WM-Laufs den Vertrag mit dem sächsischen Veranstalter, der Sachsenring-Rennstrecken-Management-GmbH (SRM), ab dem Jahr 2019 gekündigt. Der Kontrakt hatte ursprünglich eine Zusammenarbeit bis ins Jahr 2022 vorgesehen. Der Grand Prix nächste Woche ist nicht von der Kündigung betroffen. Im Mai sprach man davon, eine Lösung am Sachsenring zu suchen.

Damals erklärte man noch, eine Lösung am Sachsenring finden zu wollen. Mit welchen Strecken der ADAC nun verhandeln will, blieb am Freitag offen. In den vergangenen Wochen wurde der Nürburgring als Kandidat gehandelt. Die Betreiber der Strecke in der Eifel hatten 2012 Insolvenz anmelden müssen. Der russische Milliardär Wiktor Charitonin hatte 2014 die Anteilsmehrheit erworben. Die 2015 und 2017 geplanten Formel-1-Rennen waren dennoch ausgefallen. Um den Anforderungen der Motorrad-WM gerecht werden zu können, müsste der Kurs umgebaut werden.

SRM und Sächsische Staatskanzlei reagierten am Freitag mit einer gemeinsamen Mitteilung: "Die Entscheidung des ADAC, den MotoGP im Jahr 2019 nicht am Sachsenring stattfinden zu lassen, bedauern wir sehr. Der MotoGP ist regional als auch überregional ein herausragendes Motorsportereignis mit einer besonderen Bedeutung für sehr viele Menschen hier in Sachsen."

Wie schon die Kündigung überraschte der Vorstoß sowohl die SRM als auch die Staatsregierung. Zuletzt hatten sich die drei Parteien in der Münchner Zentrale des ADAC getroffen. "Obwohl bisher nicht zu allen Punkten eine Einigung erzielt werden konnte, waren die SRM und die Sächsische Staatskanzlei zuversichtlich, zusammen mit dem ADAC eine einvernehmliche Lösung für eine Fortsetzung des MotoGP auch im Jahr 2019 am Sachsenring zu finden", heißt es in der Erklärung von Veranstalter und Freistaat. Der ADAC spricht von einem Vorschlag, den die SRM nicht angenommen hätte.

Was der Vorschlag beinhaltete, warum SRM und Staatskanzlei zuversichtlich waren, darüber wollten alle Parteien nicht sprechen. Es soll aber um die Höhe einer millionenschweren Bürgschaft gehen. SRM und Freistaat wollen dennoch nicht aufgeben und suchen das Gespräch mit dem ADAC. "Schade, dass diese großartige Sportveranstaltung immer wieder infrage gestellt wird. Sachsen setzt sich gemeinsam mit der Region für den Verbleib am Sachsenring ein. Wir sind Motorsportland und wollen es bleiben", erklärte Ministerpräsident Michael Kretschmer bei Twitter.

Dem ADAC läuft die Zeit davon. Er hätte dem Rechtevermarkter der WM, der Dorna, bereits vor Wochen den Austragungsort des Deutschland-GP 2019 mitteilen müssen. Die Dorna räumte dem ADAC nach "Freie Presse"-Informationen noch Zeit bis Ende Juli ein.

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