Lebenselixiere aus Reinholdshain

Den Bach runter - "Freie Presse" unterwegs im Lungwitztal. Teil 1: Matthias Pöschmann und seine Ölmühle.

Reinholdshain.

Wer hätte gedacht, dass aus dem gelernten Reparaturschlosser Matthias Pöschmann einmal jemand wird, der mit gesunden Produkten Leib und Seele der Menschen zu reparieren versucht. Doch der heute 51-Jährige war nicht nur beruflich, sondern schon immer auch privat ein Tüftler und ließ seinen Ideen bereits auf dem Bauernhof seiner Eltern in Glauchau-Rothenbach freien Lauf.

Was mit seiner selbst angelegten Aronia-Plantage begann, das dürfte Pöschmann nicht geahnt haben, als er die erste Pflanze in die Erde brachte. Mittlerweile hat er 170 und eine Bio-Zertifizierung.

Eine Recherche über heutige Essgewohnheiten entsetzte Pöschmann dann: "Wir finden in den Einkaufsmärkten lediglich Genussmittel, es gibt kaum noch echte Nahrungsmittel." Der Bestseller "Leinöl macht glücklich" von Hans-Ulrich Grimm und die Frage "Wie muss ein Öl schmecken?" verstärkten bei ihm den Wunsch, etwas zu ändern. Laut dem Autor sollte das Öl der ältesten Nutzpflanze nussig schmecken, doch Pöschmann machte auf Reisen andere Erfahrungen. "Leider wurde ich in ganz Deutschland enttäuscht. Alles schmeckte bitter und ranzig. Obwohl das Öl so gut sein sollte."

Mit einer Enttäuschung begann auch das nächste Kapitel seiner Erfolgsgeschichte. Da er berufsbedingt mit dem Pressen von Rapsöl für Autos vertraut war, nahm er zunächst Kontakt mit einer Firma in China auf. Diese entwarf ihm eine kleine Presse - für die harte Leinsaat war sie jedoch ungeeignet.

Wie wertvoll das eigene Leben ist, das wurde Pöschmann schließlich in einer Zwangspause klar: Als Angestellter, der anfallende Arbeit und den dazugehörigen Stress mit nach Hause nahm, musste er wegen gesundheitlicher Probleme eine ärztlich verordnete Pause nehmen. Er beschloss, seine Energie fortan in die Selbstständigkeit mit einer kleinen Ölmanufaktur zu stecken. Durch Zufall lernte er 2016 einen Rentner im Westerwald kennen. Dieser hatte eine kleine Presse entwickelt, die das Kaltpressen ermöglichte.

Bereits im Frühjahr 2017 begann Matthias Pöschmann mit dem Verkauf seiner Produkte. Seine Ölmühle in Glauchau-Reinholdshain steht momentan noch in einem kleinen Raum: Ölpress- und Abfüllraum sowie Hofladen sind eins. "Ende dieses Monats vergrößere ich mich. Die Kapazitätsgrenze ist erreicht", sagt er.

Pöschmann ist sich trotz großer Nachfrage sicher: Die Qualität bleibt im Manufakturbereich hochwertig. Er lässt seine Pressen Tag und Nacht laufen, denkt über eine Einstellung weiterer Mitarbeiter nach und freut sich, so viele Kunden zu haben. "Es macht einfach Spaß, etwas zu produzieren, was gesund macht. Und die Qualität spricht sich herum." Seine Frau und die fünf Kinder haben übrigens andere Interessen - Leinölpressen scheint nicht erblich veranlagt zu sein, auch wenn das ein beliebter Scherz in der Familie ist.

Pöschmanns Ideen zur Sortimentserweiterung reißen unterdessen nicht ab - und auch die Öffnungszeiten seines Ladens müssen überdacht werden, da er die Fragen der interessierten Kunden gern noch ausführlicher beantworten würde. Denn dem Tüftler aus Berufung geht es nicht ums schnelle Geld, er tüftelt an den Rezepten für ein gesünderes Leben.

 

Teil 3: Das Heimatmuseum in St. Egidien

Teil 1: Matthias Pöschmann und seine Ölmühle


Leinöl kann viel

Die Fettsäurendes Leinöls hemmen laut dem Bestseller "Leinöl macht glücklich" von Hans-Ulrich Grimm entzündliche Prozesse im Körper, schützen Herz-und Blutgefäße und verringern so das Risiko einer Arteriosklerose-Erkrankung. Allein der Austausch der im Haushalt üblicherweise verwendeten Öle reguliere den Blutzuckerspiegel, helfe den Blutdruck und Cholesterinspiegel zu senken, lindere Gelenkrheuma und Venenentzündungen, schütze Herz und Sehkraft. In einem Löffel Leinöl stecken laut Grimm so viele wichtige Omega-3-Fettsäuren wie in 20 Kilogramm Hochseefisch. Das erkläre übrigens auch die Gesundheit der Eskimos - trotz widriger Lebensbedingungen. (nicos)

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