Züchter alarmiert: China-Seuche rafft viele Kaninchen dahin

Der Typ 2 der Viruskrankheit greift auch im Landkreis um sich. Die Tiere davor zu schützen, ist gar nicht so einfach.

Zwickau.

Über Nacht plötzlich verendete Kaninchen sind zurzeit keine Seltenheit im Landkreis. Offenbar breitet sich eine neue Form der Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) aus, im Volksmund China-Seuche genannt. Der Virustyp 2 gilt als sehr aggressiv und widerstandsfähig. Im Gegensatz zu dem Vorgängervirus, das seit 30 Jahren in Europa bekannt ist, trat Variante 2 vor sechs Jahren erstmals in Frankreich auf.

Wie viele Tiere in den vergangenen Wochen und Monaten im zwickauer Raum verendet sind, kann das Landratsamt nicht sagen. "Die Erkrankung ist nicht anzeige- oder meldepflichtig. Daher liegen dem Veterinäramt keine Angaben vor", sagt Sprecherin Ines Bettge. "Aus Berichten praktizierender Tierärzte ist zu entnehmen, dass die neue Virusvariante seit diesem Jahr im Kreis vermehrt nachgewiesen wurde."

Gespräche mit Tierärzten ergaben, dass nicht jedes verendete Langohr ein Seuchenopfer sein muss. Wer sichergehen will, ob seine Kaninchen wirklich daran gestorben sind, müsse ein Tier zur Untersuchung einschicken. "So ist hier in Hartmannsdorf der RHD-Virus Typ 2 als Todesursache nachgewiesen worden", sagt der Veterinärmediziner Volker Ehrenberg.

Züchter Helmut Wolf aus Hartmannsdorf beklagt bereits Verluste. "Ich habe 14 Tiere und damit die Hälfte meines Bestandes an Rassekaninchen verloren", sagt er. Alle seien gegen Typ 1 geimpft gewesen. "Weil es gegen den Typ 2 noch kein Mittel in Deutschland gibt, war empfohlen worden, die Impfung gegen Typ 1 nach drei Wochen zu wiederholen", sagt Wolf. Das sollte den Schutz erhöhen. Doch ehe es zur zweiten Impfung kam, sind seine Kaninchen gestorben.

Das Veterinäramt bestätigt, dass es zurzeit keinen zugelassenen Impfstoff gegen die neue Variante der Seuche gibt. Eine spanische Firma habe einen entwickelt. Dieser solle eventuell noch diesen Monat auch hier verfügbar sein.

Siegfried Brunner, Vorsitzender des Rassekaninchen-Kreisverbandes Zwickau-Ost, berichtet, dass es ein französisches Kombi-Präparat für beide Virentypen gebe. "Wenn Tierärzte das auf Wunsch von Züchtern einsetzen, brauchen sie dafür eine Genehmigung, die schon mal mit 75Euro zu Buche schlägt. Das Medikament kostet extra. Viele Züchter scheuen sich davor, so viel Geld auszugeben. Wenn nicht bald bezahlbare Lösungen kommen, werden wohl etliche unserer Mitglieder ihr Hobby aufgeben", befürchtet er.

Jens-Uwe Winkler, Züchter aus Remse, der selbst noch keine Verluste zu verzeichnen hat, fordert, dass schnell preiswerter Impfstoff bereitgestellt wird. "Es kann doch nicht sein, dass das generelle Zulassen von Importen innerhalb der EU so lange dauert", sagt er. Der Kreisverbandsvorsitzende vom Chemnitzer Land, Dietmar Weise, sieht es ebenfalls als großes Problem an, dass kein wirksames Medikament bereitsteht. Die Kreisschauen am kommenden Wochenende in Kaufungen und Mülsen St. Niclas sollen trotzdem durchgeführt werden. In Langenhessen ist dagegen schon eine Ausstellung abgesagt worden.

Das Veterinäramt macht darauf aufmerksam, dass verendete Tiere grundsätzlich über die Tierkörperbeseitigung zu entsorgen sind. Vereinzelt könnten Tiere aber auch auf dem eigenen Grundstück begraben werden, sofern sie unter einer 50 Zentimeter dicken Erdschicht liegen. Allerdings ist im Amt auch schon ein Fall bekannt geworden, bei dem Kadaver illegal in der Landschaft entsorgt wurden. Bis zu 50.000 Euro Bußgeld können dafür fällig werden, warnt die Behörde.

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