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Das Fachklinikum Wiesen beschäftigt sich mit der Frage: Was tun bei Corona-Langzeitfolgen?

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Woher sie kommen, ist noch unklar. Aber es sollen mehr als 370.000 Menschen betroffen sein.

Wildenfels.

Das Asklepios-Klinikum im Wildenfelser Ortsteil Wiesen hat ein neues Behandlungsangebot für Menschen eingerichtet, die unter Langzeitschäden einer Corona-Erkrankung leiden. Laut dem Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie Michael Leistner habe man sich dazu entschlossen, da inzwischen Studien belegen, dass nach einer Corona-Infektion nicht nur körperliche, sondern auch psychische Langzeitfolgen auftreten können. Betroffene können sich über die Institutsambulanz der Fachklinik in Wiesen anmelden. Je nach Verfassung seien anschließende ambulante, tagesklinische oder stationäre Behandlungen möglich.

Psychische Langzeitfolgen können ganz unterschiedlich ausfallen. Bei der Auswertung von Patientendaten in den USA wurde festgestellt, dass sich in den ersten sechs Monaten nach der Infektion jeder Dritte Erkrankte in neurologische oder psychiatrische Behandlung begeben hat. Dortige Befunde sprechen von Angststörungen und Depressionen. Aber auch das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden oder an Demenz zu erkranken, sei deutlich höher beispielsweise als nach einer Grippe.

Auch in Wiesen hat man Ähnliches festgestellt, sagt Chefarzt Leistner. Das erste Mal, dass man Veränderungen festgestellt habe, sei im Falle zweier Demenzkranker gewesen. Deren psychischer Zustand habe sich nach Angaben von Pflegern und Angehörigen nach der überstandenen Covid-19-Erkrankung deutlich verschlechtert. Die Leistung des Gedächtnisses, das Kontaktverhalten und der Antrieb der Betroffenen seien eingeschränkt gewesen, so Leistner. Nicht ungewöhnlich seien Fälle von sogenanntem "Brainfog" - "die Betroffenen schildern eine Art Benebelt-Sein", sagt er. Andere Patienten würden über Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit klagen und fühlten sich nicht mehr so belastbar wie früher.

In Deutschland schätzen Mediziner die Zahl der Menschen mit Long-Covid-Symptomen auf rund 370.000. Unlängst haben Ärzte gegenüber dem Bund eine bessere Versorgung für betroffene Patienten gefordert, sprich bessere und mehr Therapieangebote. Laut Ärzteblatt habe sich gezeigt, dass sechs Monate nach einem Krankenhausaufenthalt ohne weitere Nachsorge bei bis zu 76 Prozent der Patienten körperliche oder psychische Symptome vorliegen würden. Zudem würden vor allem jüngere Patienten zwischen 20 und 50 Jahren, die keine Vorerkrankungen hatten, nach ihrer Genesung über anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung klagen - das sogenannte Fatigue-Syndrom.

Hinzu kommen soziale Folgen. "Die Corona-Pandemie hat mit ihren tiefen Einschnitten in unsere berufliche und private Lebensgestaltung in vielen Fällen zu fehlenden Möglichkeiten des Austausches geführt", sagt Chefarzt Leistner. Menschen seien teilweise vereinsamt oder es haben sich durch die Umstände im Lockdown Existenzsorgen und daraus resultierende Konflikte gebildet.

Die Fachklinik in Wiesen will diesen und ähnlichen Beschwerden mit individueller Therapie begegnen. Leistner spricht davon, Aktivität zu fördern und Ängste abzubauen. Die Angebote würden auf die jeweiligen Betroffenen zugeschnitten. Er will sich auch dafür einsetzen, Hausärzte besser für das Thema zu sensibilisieren. Wer sich in Wiesen melde, soll über 18 Jahre alt sein und hat bestenfalls eine Überweisung durch einen Hausarzt - das ist keine Grundvoraussetzung.

Laut Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften seien noch viele Fragen zu Corona-Langzeitfolgen unbeantwortet. Vor allem sind die Ursachen der Symptome noch nebulös. Das Bundesforschungsministerium will deshalb 5 Millionen Euro in die Forschung investieren. Als ersten Schritt.

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