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Spendenaktion “Leser helfen“ für „Mülli“: Ex-Kollegen von Clarios wollen schwerkrankem Zwickauer helfen

Seit Sven Müller mit 51 Jahren einen Schlaganfall erlitt, ist für ihn und seine Partnerin nichts mehr so, wie es war. Seine Kollegen haben ihn als sehr beliebt und immer hilfsbereit in Erinnerung. Deshalb wollen sie ihm nun helfen.

Zwickau.

Sven Müller lacht übers ganze Gesicht. Zwischen seinen Kollegen sitzt er, schick im 20er-Jahre-Stil angezogen, bei einer Betriebsfeier im Zwickauer Horchmuseum. Das Foto, das diesen Moment zeigt, ist fünf Jahre alt. Dieses Jahr feiert Sven Müller (53) nicht mit. Ein Schlaganfall, der ihn aus heiterem Himmel traf, machte ihn zum Pflegefall. Doch seine Kollegen aus dem Zwickauer Clarios-Batteriewerk haben ihn nicht vergessen. Im Gegenteil. Für ihren "Mülli" haben sie eine Spendenaktion gestartet. Das Ziel: ein größeres Auto, in das auch sein Rollstuhl passt.

Der Mini ist zu klein für einen Rollstuhl

Denn seine Lebensgefährtin Annett Franke (51) fährt ein besonders kleines Modell: einen Mini. Keine Chance, ihren Partner damit mal eben zum Zahnarzt zu bringen. "Wir sind zufrieden, dass Sven stabil ist", sagt sie auf die Frage, wie es ihnen zurzeit geht. Zwar haben sie nun zwei Pfleger gefunden, die ihnen den Alltag erleichtern. Doch jeder Tag bleibt eine Herausforderung, auch wenn Annett Franke sagt: "Die Kraft für alles gibt einzig und allein die Liebe." Seit knapp zwei Jahren pflegt sie ihn in der gemeinsamen Wohnung in Zwickau. Rund um die Uhr. Müllers früherer Kollege André Geyer zieht den Hut vor dem, was Franke für ihren Lebensgefährten alles tut. Gemeinsam mit Torsten Pfeifer, Michael Wondra, René Unger und Markus Mothes arbeitete Sven Müller in der Montage. Im Schichtdienst mit rollender Woche. Das Zwickauer Werk ist der weltweit größte Produktionsstandort für AGM-Batterien. Die Abkürzung AGM stammt aus dem Englischen und steht für "Absorbent Glass Mat". AGM-Batterien haben ein Blei-Vlies und sind oft in Autos verbaut. Laut Clarios hat jedes dritte Auto eine Batterie aus ihrer Herstellung. Das Unternehmen liefert in über 140 Länder und verkauft jährlich etwa 150 Millionen Batterien.

Seine früheren Kollegen bringen ihn zum Lachen

Sven Müller startete 2002 im Clarios-Werk an der Reichenbacher Straße. Über 20 Jahre war er dort beschäftigt. Als einer von etwa 500 Mitarbeitern. Doch für seine Team-Kollegen war er mehr als nur ein weiterer Angestellter. "Er war für jeden Spaß zu haben und immer hilfsbereit", sagt Geyer. Fahrradfahren, Bowling oder Dart: Wondra erinnert sich an viele sportliche Stunden mit Müller. Manchmal auch an den einen oder anderen gemeinsamen Whisky, wie Unger augenzwinkernd sagt. Das geht heute alles nicht mehr. Sven Müller muss so vieles wieder lernen. Auch das Sprechen. Geyer und Pfeifer besuchen ihn, wann immer sie können. "Wenn wir reinkommen und sagen: Glückauf, Mülli! Dann lacht er", sagt Pfeifer. Denn lachen - das kann Sven Müller schon wieder. Pfeifer und die Kollegen sind sich einig: Was Annett Franke für ihren Partner tut, ist unglaublich. "Sie sagt, wenn man sich liebt, ist das doch logisch. Aber ist das wirklich für alle Menschen so?", fragt Pfeifer. Es ist kurz still im Pausenraum bei Clarios. Morgens um 6.30 Uhr nach der Nachtschicht.

So können auch Leser der "Freien Presse" Sven Müller helfen

Dann erzählt Geyer, wie sie sich bei der TV-Sendung "Mein neuer Alter" von RTL2 beworben haben. Und abgelehnt wurden. So leicht geben die Kollegen aber nicht auf, um ein neues Auto für "Mülli" zu organisieren. Deshalb läuft noch bis zum 15. Dezember eine Spendenaktion unter den Mitarbeitern von Clarios. Annett Franke sagt dazu: "Wir finden es beide eine ganz starke Aktion, dass sich die Kollegen so für uns einsetzen. Dafür sind wir sehr dankbar. Das ist ganz und gar nicht selbstverständlich."

"Wir haben schon etwa 1000 Euro zusammen", sagt Thomas Buhl, Personalchef für das Werk. Doch das reicht noch nicht für ein größeres, behindertengerechtes Auto. Deshalb sammelt auch die "Freie Presse" für Sven Müller. Damit für einen Zahnarztbesuch nicht mehr der Fahrdienst gebucht werden muss. Und das Paar vielleicht sogar mal wieder raus ins Grüne fahren kann. So wie früher. Und dort gemeinsam lachen. (em)

 

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