Zwei Tote am HBK: Klinik verhängt Aufnahmestopp für eine Station in Zwickau

Mehrere Patienten und Mitarbeiter sind positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Was bedeutet das für die Betroffenen und die Klinik?

Auf der nephrologischen Station der Klinik für Innere Medizin II am Heinrich-Braun-Klinikum Zwickau (HBK) wurden mehrere Mitarbeiter und Patienten positiv auf das neuartige Coronavirus getestet. Zwei Patienten, die vorerkrankt waren, sind im Verlauf der Infektion am schweren Verlauf ihrer Vorerkrankungen verstorben. Als Sofortmaßnahme zur Eindämmung des Infektionsgeschehens erfolgte ein Aufnahmestopp für diese Station. Das teilt das HBK mit, es macht ausführliche Angaben zum Infektionsgeschehen: 

Hintergrund:

Kürzlich sei eine nierenkranke Patientin völlig symptomfrei nach Hause entlassen worden. Sie wurde im Nachgang ambulant untersucht, ein Abstrich wurde genommen. Die Patientin war weiterhin ohne  jegliche Symptome - doch ihr Test plötzlich positiv. Diese Information habe die Klinik am 2. Mai erreicht. "Daraufhin wurde unverzüglich damit begonnen, zunächst die Mitarbeiter der betroffenen Station auf das Coronavirus zu testen", teilt das HBK mit. Und weiter: In Abhängigkeit der Inkubationszeit sei bei einigen Patienten zeitversetzt ein Abstrich genommen worden. Die nun vorliegenden Ergebnisse bestätigen die Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus bei neun Patienten sowie sieben Mitarbeitern (davon vier Pflegekräfte, ein Arzt, ein Physiotherapeut sowie eine Reinigungskraft). Zeitgleich mit der Testung zeigten einige Mitarbeiter und Patienten die ersten typischen Erkältungssymptome einhergehend mit Fieber und Muskelschmerzen. "Die am Klinikum agierende Corona-Task-Force hat umgehend Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufgenommen und alle weiteren notwendigen Maßnahmen eng abgestimmt", so HBK-Sprecherin Cathleen Schubert.

Patienten:

Zwei der positiv getesteten Patienten seien mit multiplen Vorerkrankungen in die Klinik gekommen. "Diese Erkrankungen nahmen im Zusammenhang mit Covid-19 einen derartig schweren Verlauf, dass bedauerlicherweise beide Patienten verstorben sind", so Schubert. Die sieben anderen positiv getesteten Patienten zeigten demnach einen milden Krankheitsverlauf und wurden zwischenzeitlich auf die zentrale Covid-19-Isolierstation verlegt. "Wir bedauern das lokal aufgetretene Infektionsgeschehen und unternehmen alles in unserer Macht stehende, um die weitere Verbreitung zu unterbinden und die uns anvertrauten Patienten bestmöglich zu schützen", teilt das HBK mit. Im Zuge dessen verbleiben zunächst alle stationär behandlungsbedürftigen, negativ getesteten Patienten auf der Station 05-1. Ein zweiter Test wird entweder stationär nach fünf Tagen oder im Falle einer Entlassung nach Maßgabe des Gesundheitsamtes durchgeführt. Es erfolgte ein sofortiger Aufnahmestopp für die Station. Da Dialysepatienten zur Hochrisikogruppe gehören, wurden zudem alle nachbehandelnden Dialysepraxen informiert.

Mitarbeiter:

Das HBK schildert sein Vorgehen bezogen auf die Mitarbeiter so: Die positiv getesteten Mitarbeiter haben sich gemäß den aktuell geltenden Regularien in die häusliche Quarantäne begeben. Die negativ getesteten Mitarbeiter verrichten regulär ihren Dienst mit der notwendigen persönlichen Schutzausrüstung. Sie werden im zeitlichen Verlauf, üblicherweise nach fünf Tagen, ein zweites Mal getestet. Servicepersonal und Therapeuten mit Kontakt zur Station, wie Reinigungskräfte, Menüassistenten oder Physiotherapeuten, wurden ebenfalls auf das Virus getestet. Die Hygieneabteilung hat das Personal der Station unverzüglich erneut zu den aktuell gültigen Hygienevorschriften und dem Einsatz der persönlichen Schutzausrüstung geschult. Weitere Hygieneschulungen für Multiplikatoren der einzelnen Bereiche sind bereits angesetzt und werden zeitnah durchgeführt. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt werden zudem die Regularien zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für das Personal ausgeweitet.

Infrastruktur

Die Station 05-1 befindet sich in dem einzeln stehenden Bettenhaus Nummer 5. Neben der betroffenen nephrologischen Station befinden sich dort die räumlich getrennten Funktionsbereiche Dialyse und Endoskopie sowie eine gastroenterologische Bettenstation. Die betroffene Station wurde abgesperrt und mit Sicherheitsmaßnahmen entsprechend der Covid-19-Isolierstation ausgestattet (zum Beispiel Zugangsbeschränkungen, erweiterte persönliche Schutzausrüstung). "Aufgrund der getroffenen Maßnahmen sind keine weiteren Einschränkungen für den laufenden Krankenhausbetrieb notwendig", so Schubert.

Ausblick:

"Wir nehmen das Infektionsgeschehen zum Anlass, um nochmals umfassend auf die geltenden Hygienebestimmungen hinzuweisen und deren Einhaltung zu überprüfen. Unsere Corona-Ambulanz für Mitarbeiter wird bei Bedarf noch umfassende Tests durchführen können. Wir werden unsere Patienten weiterhin sorgsam betreuen und wie bisher bei den kleinsten Verdachtsmomenten schnell alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen. In diesem Zusammenhang möchten wir auch nochmals auf die geltenden Regularien für Patienten und Angehörige an unseren Standorten hinweisen. Dazu gehören das Besuchsverbot, maximal - und nur bei Notwendigkeit - eine Begleitperson für die Aufnahme und Entlassung, die Einhaltung der Abstandsregeln von mindestens 1,5  Meter sowie das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in den Wartebereichen", fasst HBK-Sprecherin Schubert zusammen.

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    4
    Pixelghost
    08.05.2020

    @d0m1ng024, ich persönlich war neun Monate lang in verschiedenen Krankenhäusern in Sachsen untergebracht und in jedem Krankenhaus - bei jeder Aufnahme - wurde ich getestet.

    Was ich aber selbst miterlebt habe:
    Einige Besuchern schaffen es nicht einmal, sich am Eingang der Zimmer die Hände zu desinfizieren. Und dann wenn man das gemacht hat, wird die Keimschleuder Handy aus der Tasche gezerrt, weil man irgendeine dämliche WhatsApp-Nachricht schicken will.
    Danach hält man dann wieder Händchen mit dem Patienten.

    Davon, dass man sich nicht auf Patientenbetten setzt, haben einige auch noch nichts gehört.

    Arztpraxis: Draußen unübersehbare Zettel, dass man sich desinfizieren soll und wo die Station dazu hängt. Was passiert drinnen? Man rennt dran vorbei.
    Obwohl auch darauf hingewiesen wurde, dass man die Abstandsregeln einhalten muss, stellte sich ein Ü80er direkt hinter mich, als ich an der Annahme wartete.
    Als ich ihn darauf ansprach: „Aber ich habe noch eine Maske...“

  • 16
    1
    d0m1ng024
    08.05.2020

    Ist doch egal, wie der Ruf des KKH oder ob es eine Uniklinik ist... Fakt ist, dass Kliniken die größten Infektionsherde sind, auch vor Corono... Krankenhauskeime sind der Hauptgrund, dass harmlose Operationen und Krankenhausaufenthalte am Ende den Patienten kränker machen als er es vorher war.

    Patienten sind der Hauptgrund, dass Krankenhäuser schon immer tagtäglich mit Keimen zu kämpfen hatten. Die wenigsten werden auf Krankheitserreger bei der Aufnahme getestet und so schleppen diese jeden Tag neue Keime rein. Übertragungen können nur verhindert werden, wenn jeder Patient (nicht nur Covid-19) isoliert untergebracht wird. Es wird auch nicht jedesmal bei einer Entlassung das Zimmer komplett desinfiziert. Um Krankheitserreger fern zu halten, müsste man auch jeden Patienten verbieten, auf den Gängen rumzulaufen und Besuch zu empfangen.

    Covid hat das Dilemma nur weiter verschärft, weil dieser Erreger, im Gegensatz zu den meisten anderen, hoch ansteckend ist.

    Die verstorbenen Patienten wurden in der Vergangenheit in den seltensten Fällen auf Keime obduziert/untersucht. Seit Corona und den daraus folgenden Sicherheitsvorkehrungen hat man nun ein viel klareres Bild bekommen, wie belastet ein Krankenhausauffenthalt sein kann. Vor Corona gab es genauso viele verstorbene Patienten aufgrund von Ansteckungen, nur wurde damals eben kaum einer getestet.

    Und jetzt sieht es halt so aus, dass diese Patienten wegen Corona verstorben sind. In Wirklichkeit wären diese warscheinlich auch verstorben, wo es noch kein Corona gab, aufgrund des geschwächten Immunsystem. Die meisten Patienten und Mitarbeiter erkranken nicht an den Keimen, weil deren Immunsystem stark genug, bzw. die Keime eigentlich harmlos sind. Aber da in solchen Häusern nunmal auch schwer kranke untergebracht sind, ist dann das Risiko groß, das diese Patienten eben daran sterben können. Die Fallzahl ist extrem niedrig, aber sowas gibts nicht erst seit Corono. Corona hat das ganze nur verschärft und auch öffentlich wahrnehmbar gemacht. Vor nem halben Jahr hat es fast keinen interessiert, ob und wieviel Patienten an solchen Erregern versterben. Erst jetzt wird jeder dieser Fälle öffentlich registriert, wahrgenommen und zuweilen auch ausgeschlachtet.

    Die Aufgabe der KKH´s ist es nicht, die Keime/Krankheitserreger zu unterbinden, sondern so gut wie möglich eine Übertragung auf den Patienten zu verhindern. Ganz verhindern kann man sowas nicht, solange Patienten von außerhalb eingeliefert werden und ohne umfangreichen Tests auf Stationen mit anderen Patienten zusammengelegt werden. So zirkulieren dann tausende Keime auf den Stationen...

    Das ist sicherlich auch der Hauptgrund, warum in Italien, Spanien, Frankreich oder England soviel Covid-Infizierte in den Krankenhäusern sterben. Weil deren Kliniken viel weniger gegen Keime aller Art was tun, als es in Deutschland der Fall ist. Warscheinlich gibt es dort noch nichtmal hauptamtliche Hygienebeauftragte... Bei uns sind die Häuser im Vergleich dazu extrem sauber, obwohl hier auch etliche Erreger umherschwirren.

  • 6
    16
    Franziskamarcus
    07.05.2020

    Es ist doch wie überall im realen Leben: Viele sind Coronakrank, die meisten merken gar nix,die angeschlagenen sind ungeschützt und Sterben. Fehler über Fehler von Merkel, Drosden,Spahn,RKI, Faschings-Laschet, Maas und Co.
    Bin ich jetzt Palmer?

  • 3
    13
    aussaugerges
    07.05.2020

    Ja so ist das wo keine Daseinsvorsorge ist.
    Es fehlt an allem.
    Obwohl das Kranken Haus einer Uni Klink angeschlossen ist,und einen guten Ruf hat.
    Hoffe ich das aus den Fehlern gelernt wird.

  • 24
    9
    Napp
    07.05.2020

    Wenn am 2. eine Person als infiziert erkannt wird und deren Kontakte bekannt sind, nämlich genau die betroffene Station, warum wird dann erst am 6. Quarantäne angeordnet? Und welche Rolle spielt die Inkubationszeit, der Fall kam doch VON der Station, hat sich also vermutlich dort infiziert? Und warum müssen auf einer Station, die regelmäßig mit infektiösen Patienten zu tun hat, plötzlich Hygieneschulungen durchgeführt werden?