Zwickaus Italiener - ein gutes Omen?

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Einen Fußball-Europameister hat Drittligist FSV Zwickau nicht in seinen Reihen. Aber einen Fan der Squadra Azzurra mit italienischem Pass. Max Reinthaler soll für die Westsachsen das tun, was seine Landsleute schon immer besonders gut konnten: verteidigen.

Zwickau.

Wenn das mal kein gutes Omen ist: Der FSV Zwickau hat erstmals in seiner Historie einen Italiener im Kader: Und Max Reinthaler kann nun stolz sagen: Wir sind Fußball-Europameister. Der Verteidiger des Drittligisten fieberte in den vergangenen Wochen besonders mit der Mannschaft von Roberto Mancini mit. Vor dem Halbfinale gegen Spanien erzählte der Profi im Camp in Bad Blankenburg im Gespräch mit "Freie Presse": "Ich muss aufpassen, dass ich im Training nicht schon an das Abendspiel denke."

Max Reinthaler gehört selbstredend als in Meran geborener Südtiroler eher nicht zu jenen aus dem schönen Landstrich rund um Bozen, die sich als unabhängig von Italien begreifen. "Das hängt vermutlich auch mit meiner Jugend zusammen. Ich bin mit 14 zu Udinese Calcio gewechselt, habe dort vier Jahre verbracht und auch einige Länderspiele im Nachwuchs für Italien bestritten", fühlt sich der Verteidiger als Italiener mit Deutsch als Muttersprache. Das sagt er im Interview. Mit einer italienischen Flagge wollte er sich aber nicht fotografieren lassen.

Beim Erstligisten in Udine hat der 1,93-m-Hüne auch sein bisheriges Fußball-Highlight erlebt. Als 17-Jähriger kam er zu einem Europa-League-Einsatz gegen den FC Liverpool (0:1). Damals wurde er in der 65. Minute für Medhi Benatia eingewechselt. Der Franzose mit marokkanisch-algerischen Wurzeln kam später mit dem FC Bayern und Juventus Turin zu Meisterehren. "Ich hatte schon ein paar Mal in der ersten Mannschaft mittrainiert, und es gab ein paar verletzte Verteidiger. So durfte ich ran", erinnert sich Reinthaler gern an seine internationale Feuertaufe im großen Profigeschäft. Schon im Hinspiel, als er den Sprung ins Aufgebot knapp verpasst hatte, saugte er auf der Tribüne an der Anfield Road die pure Fußballatmosphäre beim legendären "You'll never walk alone" auf: "Dieses Erlebnis vergisst man eigentlich nie."

Erlebt hat er aber nicht nur die Sonnenseiten im Sport: So fand sich Reinthaler nach seiner Zeit in Udine plötzlich beim deutschen Sechstligisten TSV Gersthofen wieder. Sprechen möchte der Profi über dieses kurze Kapitel seiner Laufbahn nicht, sondern eher als "schlecht beraten" abhaken. Später, in seiner Zeit im Regionalligateam des FC Augsburg, erlitt er einen Meniskus- und Kreuzbandriss, kämpfte sich aber wieder heran. In Rostock zog er sich in der Vorsaison am 12. Spieltag gegen Magdeburg einen Sehnenanriss im Oberschenkel, der in der Berliner Charité diagnostiziert und danach konservativ behandelt wurde, zu. Auch nach dieser Verletzung kehrte der baumlange Abwehrmann zurück, konnte sich aber nicht mehr in die Stammverteidigung des Aufsteigers hineinspielen. Und da dieselben Abwehrspieler in der 2. Liga beim FC Hansa verblieben, standen die Chancen auf Einsätze für ihn eher schlecht.

Deshalb also nun der FSV Zwickau, weiter in der Dritten Liga. Beides kennt Reinthaler. Mit den Rostockern gastierte der Innenverteidiger bereits in der vorletzten Saison zum Coronapausen-Restart in Zwickau. Beinahe hätte er gegen seinen aktuellen Arbeitgeber ein Tor erzielt, doch Johannes Brinkies fischte seinen Kopfball noch weg. Am Ende gab es ein 2:2. "Ich habe ,Pommes' (Brinkies/Anm./d./Red.) auch gleich gesagt, dass er das jetzt ruhig weiter so machen kann", erinnert sich Reinthaler an das Wiedersehen mit dem Keeper zum Trainingsauftakt. In erster Linie soll er aber künftig dafür sorgen, dass der Kapitän der Schwäne möglichst wenig Bälle auf sein Tor bekommt. Denn seine Kopfballstärke will der 26-Jährige künftig für den FSV Zwickau gewinnbringend entfalten.

Sein erster Eindruck vom westsächsischen Verein und dem neuen Wohnort ist gut, wie er meint. "Ich bin überrascht, wie schön die Stadt ist", sagt er nach einer ersten Stippvisite mit Freundin und Hündin. Selbstverständlich führte ihn der Weg in Zwickaus Innenstadt bereits zum Italiener, wo er sich natürlich bestens unterhalten konnte. Der Wirt - was für ein Zufall - stammt aus Udine. So klein also ist tatsächlich die Welt. Und beide sind sie jetzt Fußball-Europameister.

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