Werbung/Ads
Menü


Foto: Frankziska Kraufmann/dpa

Nach den Winterferien fehlen voraussichtlich Dutzende Lehrer

80 Stellen sind noch unbesetzt, auch Seiteneinsteiger können das Problem nicht lösen. Sachsens Regierung ist uneins über den Weg aus der Krise.

Von Kai Kollenberg und Tino Moritz
erschienen am 14.02.2018

Dresden. Der Lehrermangel in Sachsen verschärft sich. Zum Unterrichtsstart nach den Winterferien am 26. Februar werden voraussichtlich Dutzende Lehrerstellen unbesetzt bleiben. Offizielle Zahlen gibt es von Seiten des Landesamtes für Schule und Bildung noch nicht. Nach Informationen der "Freien Presse" waren vor Ferienstart - Ende vergangener Woche - noch 80 Stellen offen.

Das Kultusministerium lässt das Bewerbungsverfahren weiterlaufen. Anfang Januar hatte sich das Landesamt noch zuversichtlich gezeigt, alle 660 zum Schulhalbjahr ausgeschriebenen Stellen besetzen zu können. Ein Sprecher der Behörde hatte damals auf die insgesamt 2097 Bewerber verwiesen. Darunter waren 323 ausgebildete Lehrer. Von den verbleibenden 1774 Interessenten konnten 1472 ein Hochschulstudium mit entsprechender Fachzuordnung vorweisen.

Dass trotz dieser hohen Quote von potenziellen Seiteneinsteigern nicht alle Stellen besetzt werden konnten, verdeutlicht für Fachpolitiker die derzeitige Schwäche des sächsischen Schulsystems: "Der Lehrerberuf ist nach wie vor unattraktiv", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Cornelia Falken. Die Bezahlung der Lehrer müsse besser werden.

Auch die schwarz-rote Koalition hat dies erkannt. Allerdings haben sich CDU und SPD nach wochenlangen Verhandlungen bisher nicht auf einen gemeinsamen Ansatz geeinigt, wie mehr Lehrer für eine Anstellung in Sachsen begeistert werden können. Die CDU hat ihren jahrelangen Widerstand gegen die Einführung der Verbeamtung aufgegeben. Für die Lehrkräfte, die vorwiegend aufgrund ihres Alters nicht verbeamtet werden können, will die CDU finanzielle Anreize schaffen.

Bisher ist Sachsen neben Berlin das einzige Bundesland, das seine Lehrer nicht verbeamtet. "Wir sehen keine andere Chance, um vor jede Klasse auch künftig einen Lehrer zu stellen", begründete CDU-Fraktionschef Frank Kupfer den Stimmungswechsel in seiner Partei.

Die SPD präferiert dagegen eine Lösung im Tarifsystem und will Neueinsteiger mit einem höheren Grundgehalt nach Sachsen locken. Sie befürchtet, dass durch die Verbeamtung neue Ungerechtigkeiten in der Lehrerbezahlung entstehen.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte in seiner Regierungserklärung Ende Januar angekündigt, dass im März ein Kompromiss zwischen den Koalitionspartnern vorliegt. In vier Wochen will Kultusminister Christian Piwarz (CDU) eine Regierungserklärung abgeben. Manche in der Union halten diesen Zeitplan aber für zu optimistisch. Neue Fristen werden bewusst nicht mehr genannt. Auch der Verhandlungsstand wird nicht kommentiert.

Um den Druck auf die SPD zu erhöhen, hat die Union am vergangenen Donnerstag der Regierung für eine mögliche Lehrerverbeamtung "grünes Licht" gegeben, wie Kupfer danach sagte. Dafür votierte eine große Mehrheit, die Gegner der Verbeamtung hatten das Nachsehen. Bei der SPD-Fraktion kam dieser Beschluss weniger gut an. Ihre Bildungspolitikerin Sabine Friedel sprach von einer "ulkigen Art zu verhandeln". Die Unionsfraktion agiere nach der Devise: "Lasst uns reden, aber Ergebnis steht schon."

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
2
Kommentare
2
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 14.02.2018
    14:10 Uhr

    tbaukhage: ... und wann gehen die Lehrer ZUSAMMEN MIT DEN ELTERN UND SCHÜLERN endlich auf die Straße?

    2 3
     
  • 14.02.2018
    13:44 Uhr

    vomdorf: Nein...so was aber auch....wie kann denn das so plötzlich sein?

    Seit ca. 15 Jahren warnen Gewerkschaften und Leute, die in dem Getriebe stecken, vor diesem Szenario. Und? Was ist passiert?.....außer der Umbenennung der Sächsischen Bildungsagentur in Landesamt...
    Es gibt keine grundständig ausgebildeten Lehrer, zu wenig Schulleiter, zu wenige Lehrerbildner, keine Räume für Studenten; es gibt aber mehr Kinder.
    Wie lange wollen die in Dresden das noch aussitzen?

    0 3
     

Lesen Sie auch

Bildergalerien
  • 20.02.2018
Deep Silver
Ritter mit Rost im Getriebe: «Kingdom Come: Deliverance»

Berlin (dpa/tmn) - Die fremde Armee steht vor Skalitz. Das Mittelalter-Dorf hat keine Chance gegen die Männer des glatzköpfigen Hauptmanns, nur wenige der Bewohner können sich in die kleine Festung auf dem Hügel zurückziehen. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 20.02.2018
Ralf Hirschberger
Joaquin Phoenix begeistert in Künstlerporträt

Berlin (dpa) - Hollywood-Star Joaquin Phoenix («The Master») begeistert im Berlinale-Wettbewerbsbeitrag «Don't worry, weglaufen geht nicht» von Regisseur Gus Van Sant («Milk») mit einem facettenreichen Künstlerporträt. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 20.02.2018
Wolfgang Kumm
Wehrbeauftragter prangert Misere in der Bundeswehr an

Berlin (dpa) - Trotz milliardenteurer Reformanstrengungen hat sich die Ausrüstung der Bundeswehr nach Einschätzung des Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels noch verschlechtert. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 20.02.2018
Britta Pedersen
ESC-Vorentscheid: Wer singt den Song für Lissabon?

Berlin (dpa) - Zwei Tage vor dem deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (ESC) am Donnerstag haben die sechs Teilnehmer ihre Songs präsentiert.  zum Artikel ... Galerie anschauen


 
 
 
 
 
am meisten ...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm