Nach den Winterferien fehlen voraussichtlich Dutzende Lehrer

80 Stellen sind noch unbesetzt, auch Seiteneinsteiger können das Problem nicht lösen. Sachsens Regierung ist uneins über den Weg aus der Krise.

Dresden.

Der Lehrermangel in Sachsen verschärft sich. Zum Unterrichtsstart nach den Winterferien am 26. Februar werden voraussichtlich Dutzende Lehrerstellen unbesetzt bleiben. Offizielle Zahlen gibt es von Seiten des Landesamtes für Schule und Bildung noch nicht. Nach Informationen der "Freien Presse" waren vor Ferienstart - Ende vergangener Woche - noch 80 Stellen offen.

Das Kultusministerium lässt das Bewerbungsverfahren weiterlaufen. Anfang Januar hatte sich das Landesamt noch zuversichtlich gezeigt, alle 660 zum Schulhalbjahr ausgeschriebenen Stellen besetzen zu können. Ein Sprecher der Behörde hatte damals auf die insgesamt 2097 Bewerber verwiesen. Darunter waren 323 ausgebildete Lehrer. Von den verbleibenden 1774 Interessenten konnten 1472 ein Hochschulstudium mit entsprechender Fachzuordnung vorweisen.

Dass trotz dieser hohen Quote von potenziellen Seiteneinsteigern nicht alle Stellen besetzt werden konnten, verdeutlicht für Fachpolitiker die derzeitige Schwäche des sächsischen Schulsystems: "Der Lehrerberuf ist nach wie vor unattraktiv", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Cornelia Falken. Die Bezahlung der Lehrer müsse besser werden.

Auch die schwarz-rote Koalition hat dies erkannt. Allerdings haben sich CDU und SPD nach wochenlangen Verhandlungen bisher nicht auf einen gemeinsamen Ansatz geeinigt, wie mehr Lehrer für eine Anstellung in Sachsen begeistert werden können. Die CDU hat ihren jahrelangen Widerstand gegen die Einführung der Verbeamtung aufgegeben. Für die Lehrkräfte, die vorwiegend aufgrund ihres Alters nicht verbeamtet werden können, will die CDU finanzielle Anreize schaffen.

Bisher ist Sachsen neben Berlin das einzige Bundesland, das seine Lehrer nicht verbeamtet. "Wir sehen keine andere Chance, um vor jede Klasse auch künftig einen Lehrer zu stellen", begründete CDU-Fraktionschef Frank Kupfer den Stimmungswechsel in seiner Partei.

Die SPD präferiert dagegen eine Lösung im Tarifsystem und will Neueinsteiger mit einem höheren Grundgehalt nach Sachsen locken. Sie befürchtet, dass durch die Verbeamtung neue Ungerechtigkeiten in der Lehrerbezahlung entstehen.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte in seiner Regierungserklärung Ende Januar angekündigt, dass im März ein Kompromiss zwischen den Koalitionspartnern vorliegt. In vier Wochen will Kultusminister Christian Piwarz (CDU) eine Regierungserklärung abgeben. Manche in der Union halten diesen Zeitplan aber für zu optimistisch. Neue Fristen werden bewusst nicht mehr genannt. Auch der Verhandlungsstand wird nicht kommentiert.

Um den Druck auf die SPD zu erhöhen, hat die Union am vergangenen Donnerstag der Regierung für eine mögliche Lehrerverbeamtung "grünes Licht" gegeben, wie Kupfer danach sagte. Dafür votierte eine große Mehrheit, die Gegner der Verbeamtung hatten das Nachsehen. Bei der SPD-Fraktion kam dieser Beschluss weniger gut an. Ihre Bildungspolitikerin Sabine Friedel sprach von einer "ulkigen Art zu verhandeln". Die Unionsfraktion agiere nach der Devise: "Lasst uns reden, aber Ergebnis steht schon."

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5Kommentare
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  • 4
    0
    tbaukhage
    09.03.2018

    Ein Maßnahmepaket, dass den bisher im System tätigen Lehrern geradezu ins Gesicht schlägt! In Gutsherrenart wird wie üblich von oben herab ein sogenanntes Maßnahmepaket durchgedrückt und alle Betroffenen haben sich gefälligst zu freuen. Jedes Gesprächsangebot der Lehrergewerkschaften wurde durch die Landesregierung ausgeschlagen.

    Verbeamtung: Mehrere tausend Neubeamte werden den Sozialkassen als Beitragszahler entzogen.

    Prämien für angestellte Lehrer: Prämien sind Einmalzahlungen. Und die Schulleiter sollen entscheiden, also nach Gesicht.

    Höhergruppierung der Grundschullehrer: Eine einheitliche EG13 für ALLE Lehrer ist seit langen beschlossene Sache, muss also hier nicht neu der Öffentlichkeit verkauft werden.

    Kosten: 2Mrd. Eu, davon reichlich 1,6 Mrd. Eu alleine für die Neu- und nachträgliche Verbeamtung. Nur gut, dass weiter "keine zusätzlichen Mittel" nötig sind...

  • 2
    3
    aussaugerges
    09.03.2018

    Ich wuste noch gar nicht das ,,Es noch DDR" Lehrer gibt.
    Die besonders schlecht bezahlt werden.
    RUNDFUNKMELDUNG HEUTE.

    Aber vieleicht ist es zum Rest der ehemaligen DDR Bürger, noch so viel Geld das sie gar nicht aufmucken

  • 2
    1
    Ralph01
    09.03.2018

    ... und wann gehen die Lehrer ZUSAMMEN MIT DEN ELTERN UND SCHÜLERN endlich auf die Straße?
    Ich glaube hier müssen die Eltern und Schüler die Initiative ergreifen. Lehrer sind ein eigenes Völkchen und stellen ihre Verantwortung gegenüber den Schülern vor ihr eigenes materielles Denken. Sachsens Politik weiß das und freut sich... Die (meisten) „alten Lehrer“ sind trotz aller Umstände für ihre Schüler da, mit Engagement und Liebe zum Beruf. Leider leidet beides auf Grund der seit Jahren zunehmenden Nichtachtung der Lehrerschaft durch den Staat. Lehrer wacht auf!!! Wehrt euch, geht mit euren Schülern auf die Straße und fordert das ein, was euch zusteht! Streikt bis sich was tut - ihr dürft das, ihr seid keine Beamten!

  • 6
    2
    tbaukhage
    14.02.2018

    ... und wann gehen die Lehrer ZUSAMMEN MIT DEN ELTERN UND SCHÜLERN endlich auf die Straße?

  • 5
    0
    vomdorf
    14.02.2018

    Nein...so was aber auch....wie kann denn das so plötzlich sein?

    Seit ca. 15 Jahren warnen Gewerkschaften und Leute, die in dem Getriebe stecken, vor diesem Szenario. Und? Was ist passiert?.....außer der Umbenennung der Sächsischen Bildungsagentur in Landesamt...
    Es gibt keine grundständig ausgebildeten Lehrer, zu wenig Schulleiter, zu wenige Lehrerbildner, keine Räume für Studenten; es gibt aber mehr Kinder.
    Wie lange wollen die in Dresden das noch aussitzen?



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